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Selbstbestimmte Geburt :: Interview mit einer Hebamme

Was bedeutet "Wochenbett"? Was passiert im Kreißsaal? Welche Möglichkeiten gibt es, zu gebären? Wie schwer ist der Hebammenjob wirklich und was sollte sich ändern? Elisa Russo, Hebamme in Leipzig, gibt einen Einblick.

Das Thema Schwangerschaft und Geburt ist für viele Menscher eher Nischenwissen und reicht über die Kenntnis der Umstände der eigenen Geburt oft nicht hinaus. Jeder wurde geboren und die meisten kennen wahrscheinlich die Geschichte, wie sie selbst in die Welt kamen oder kennen jemanden, die eine Geburt hinter sich hat. Trotzdem ist das komplexe Thema von Klischees umrankt, und Film und Fernsehen tragen ihren Teil dazu bei. Elisa Russo beschreibt eine solche typische Szene, in der an irgendeinem öffentlichen Ort - wie peinlich! - plötzlich die Fruchtblase platzt, dann die Wehen zeitgleich einsetzen und die hysterischen Umstehenden den Krankenwagen rufen, damit die Frau sofort in die Klinik gefahren werden kann. Das sei nicht realistisch, sagt sie, denn eine Geburt kündige sich meistens im Voraus über längere Zeit an und käme nicht von jetzt auf gleich. Außerdem dauert die erste Geburt einer Person im Durchschnitt 12 Stunden. Eine Geburt, sagt sie, sei normalerweise kein Notfall, sondern eben ein ganz normaler physiologischer Vorgang. 

Obwohl Hebammen und Geburtshelfer einen äußerst verantwortungsvollen Beruf haben, bei dessen Ausübung sie für mehrere Menschenleben verantwortlich sind, ist auch dieser Pflegeberuf deutlich unterbezahlt. Die durchschnittliche Hebamme arbeite nur 5 Jahre in diesem Beruf, berichtet Russo, weil man als Hebamme keine Familie ernähren könne. Ausreichend Personal ist aber Grundvoraussetzung dafür, dass beispielsweise die Frauen im Kreißsaal angemessen versorgt sind. Häufig versorgt eine Hebamme dort bis zu 4 Frauen gleichzeitig. 

Erst in den letzten Jahren sei das Interesse der Forschung am Bereich Geburtshilfe gewachsen. Ein paar Verbesserungen gebe es schon, wie die Änderung einer Leitlinie. Es gibt eine Sammlung von Leitlinien, wie ein Handbuch oder eine Handlungsempfehlung für Geburten. Die neue Veröffentlichung wurde von verschiedenen Berufsgruppen geschrieben, die mit Geburten zu tun haben, wie Hebammen, AnästhesistInnen oder GynäkologInnen. Darin steht, dass statt einer dauerhaften CTG-Überwachung (die die Herztöne des Kindes maschinell misst) eher intermittierend per Doktron auf die Herztöne gehört werden soll, um die Bewegungsfreiheit der Schwangeren nicht einzuschränken. 

Elisa Russos Herzensthema ist das Wochenbett. Auch das gehört zu den Themen, die eher weniger bekannt sind. Sich auf die Geburt vorzubereiten, gehört ganz klar mit dazu. Aber was passiert danach? Die ersten acht Wochen seien wie eine Art Flitterwochen mit Kind, zitiert Russo eine Doula (nichtmedizinische Geburtshelferin). Diese erste Zeit sei sehr wichtig, um die Bindung aufzubauen und sich körperlich erholen zu können. Besuch sollte, falls er denn kommt, nicht zur Last fallen und eher Essen mitbringen oder die Wäsche machen, schlägt sie vor. Hebammen sind auch in dieser Zeit benötigt, da weiterhin viele Fragen offen sind. Leider wird ein Besuch bei der Wöchnerin zu kurz berechnet und ebenfalls nicht ausreichend vergütet. Nach wie vor wird der Beruf nicht angemessen wertgeschätzt - dabei ist die Hebammerei einer der wichtigsten Berufe der Welt. 


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