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Buchvorstellung: "Cyber Valley- Unfall des Wissens" über Künstliche Intelligenz und ihre Produktionsbedingungen

„Cyber-Valley Unfall des Wissens- Künstliche Intelligenz und ihre Produktionsbedingen" so heißt das Buch von Christoph Marischka, das Ende letzten Jahres im papyrossa-Verlag erschienen ist. Inhalt ist das umstrittene Cyber-Valley-Projekt, das in Tübingen und Stuttgart angesiedelt ist und in das neben dem Max-Plank-Institut und der Universität Tübingen auch zahlreiche Unternehmen involviert sind. Insbesondere die Beteiligung von Amazon löste viel Kritik bei der Bevölkerung Tübingens aus, neben dem schon früh gegründeten No-Cyber-Valley Bündnis entstand eine „Amaz-No" Kampagne.

Christoph Marischka hat sich nun in seinem Buch ausführlich mit dem Cyber-Valley als Fallbeispiel für die Entwicklung künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt.

 

Da er weiterhin seit Jahren bei der Informationsstelle Militarisierung aktiv ist, erzählt er zuerst wieso das Cyber Valley aus antimilitaristischer Sicht spannend ist und inwieweit eine geforderte, aber nicht durchgesetzte Zivilklausel, die eine militärische Nutzung der Ergebnisse untersagt, die Forschung am Cyber Valley verändern könnte.

 

In seinem Buch beschreibt Marischka auch die Entstehung einer neuen Form des Kapitalismus, die durch künstliche Intelligenz entsteht und stellt dabei die Begriffe „Überwachungs-" und „Plattformkapitalismus" vor. Obwohl der Begriff des Überwachungskapitalismus, der von der Harvard Professorin Zuboff in ihrem gleichnamigen Buch geprägt wurde, eine recht gute Beschreibung des derzeitigen Zustands zu sein scheint, hadert Christoph Marischka damit, nicht zuletzt, weil dort einzelne Akteur*innen als Übeltäter ausgemacht werden und die strukturellen Vorgänge so aus dem Blick geraten.

 

Trotz Protests und öffentlichem Druck, beschloss der Gemeinderat vergangenen Jahres die Baufeldfreigabe für die Firma Reisch, die nun für den Konzern Amazon einen Gebäudekomplex baut. Was sich für die Aktivistis in Tübingen wie eine Niederlage anfühlen mag, ist aus Sicht von Marischka ein wichtiger Baustein gewesen, um in Tübingen und darüber hinaus eine breitere Basis für die Diskussion über Technologieentwicklung zu schaffen, die mehr Menschen zur Mitsprache ermächtigt. Auch wie das Cyber Valley oder ähnliche Komplexe die Stadtentwicklung beeinflussen ist mehr im öffentlichen Bewusstsein angekommen und die Kämpfe in Tübingen haben bundesweit zu mehr Vernetzung geführt, z.B. mit Arbeiter*innen von Amazon.

 

Das Buch "Cyber Valley-Unfall des Wissens"  ist im papyRossa Verlag erschienen und kostet 14,90 €

 

 


Audio

Interview mit Christoph Marischka

Download (28,58 MB)
InterviewCyberValleyBuch.mp3



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