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Mai 2021 offen


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Verstehen statt Verurteilen

Sarah Pohl von der Beratungsstelle Zebra-Bw kennt Strategien gegen die grassierenden Verschwörungstheorien und den drohenden Rechts-Ruck der Gesellschaft - und die haben unter anderen etwas mit „Romeo und Julia“ zu tun.

„Pegida, rechtsextreme Überzeugungen? Da gibt es bei uns eine klare Trennlinie!“ Das sind Entwicklungen, bei denen man Kante zeigen muss, da ist Sarah Pohls Ansage deutlich. Und natürlich haben viele Verschwörungstheorien antisemitische Tendenzen. Aber es gibt eben auch eine große Grauzone, da muss man differenzieren, sagt sie. Die Grundlage von Verschwörungsglauben sind Ängste. Mit Respekt und Einfühlungsvermögen hat sie schon manchen vom Sog dieser Weltdeutungen bewahren können – und Beziehungen gerettet.„Hilfe, meine Partnerin will sich von mir trennen, wenn ich mich impfen lasse!“ So lautete tatsächlich ein Hilferuf, der sie erreichte. Zuletzt ließ sich die Partnerin impfen – für ihren Mann, als Bestätigung der neu begriffenen Liebe und Fürsorge für einander. Die Sorge um einander, die Angst den anderen zu verlieren, hatte sie angetrieben. Aber eigentlich ist es Sarah Pohl am wichtigsten, einen Bewusstseinsprozess anzustossen, bei dem nicht nur Fake-News als solche erkannt, sondern auch eigene Ängste anerkannt und reflektiert bearbeitet werden können. Die Beratungsstelle sieht sich dabei nicht als Therapie – obwohl die promovierte Diplompädagogin natürlich auch eine therapeutische Ausbildung hat. Sie bietet Hilfe zur Selbsthilfe und baut Brücken zu anderen Hilfsangeboten. Zebra-BW berät auch Selbsthilfegruppen und vermittelt den Kontakt für Betroffene:

https://zebra-bw.com/

Was hat das denn nun aber mit Romeo und Julia zu tun? Das ist ein Merksatz, den sie Angehörigen von Verschwörungsgläubigen immer wieder mit gibt. Romeo und Julia gingen für ihre Liebe bis in den Tod – weil sie ihnen verboten wurde. Solange jemand „frisch verliebt“ in eine Verschwörungstheorie ist, wird er oder sie sich durch Gegenwind nur noch weiter hineinsteigern. Nach einer Weile, wenn erste Irritationen auftreten, ist es leichter, einzugreifen. Wem der andere wichtig ist, sollte den Kontakt möglichst nicht aufgeben und den Respekt vor der Person wahren, auch wenn deren Überzeugungen uns vor den Kopf stossen.
Aber hört selbst, was Sarah Pohl zu sagen hat:


Audio

Download (77,07 MB)
Interview_Sarah_Pohl.mp3





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