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Mai 2019 November 2021


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muslimisch - trans - queer :: Marco Linguris Vortrag bei Here&Queer Tübingen

Der Tübinger Verein Here&Queer hat über den Herbst eine Vortragsreihe zu Queerfeminismus veranstaltet. Den krönenden Abschluss bildete Marco Linguri mit seinem Vortrag darüber, wie es ist gläubiger Muslim und gleichzeitig Teil der LGBTQ-Szene zu sein.

Religiös und queer sein. Man könnte meinen, dass zwei Weltbilder aufeinander prallen, die unvereinbar sind. Aber so pauschal kann man das wohl doch nicht sagen, wie uns Marco Linguri beweist.

Er ist seit Jahren queerfeministisch aktiv, hat einen eigenen Blog und Podcast zu dem Thema und ist im Vorstand des Liberalislamischen Bundes. Dieser Bund zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Gemeinden, die ihm angehören, interkonfessionelle, interreligiöse sowe gleichgeschlechtliche Verpartnerungen anbieten, bei diversen CSDs präsent sind und nicht geschlechtergetrennt beten.

In seinem Vortrag "muslimisch - trans - queer" hat Linguri anfangs erklärt, was man unter Diskriminierung, speziell unter struktureller und institutioneller Diskriminierung versteht, die weitaus häufiger vorkommt als die individuelle Diskriminierung einer Privatperson durch eine andere Privatperson. Allerdings hat er auch Wert darauf gelegt, dass man meistens nicht als Person als Ganzes diskriminiert wird, sondern aufgrund einer Eigenschaft. Gleichzeitg könne man aber auc eine Eigenschaft besitzen, die einem wiederum gewisse Privilegien verschafft. Er selber sei in mancherlei Hinsicht privilegiert, weil er ein Mann ist, habe aber schon in der Schule Diskriminierung erfahren müssen, weil er türkische Wurzeln hat oder aufgrund seines Trans-Hintergrunds.

Außerdem sprach er darüber, wie es ist, Islamische Theologie zu studieren und selbst queer zu sein. Dabei betonte er, wie wichtig die Auslegung des Korans ist und dass es keine ichtigen und falschen Ansichten gibt, weshalb man sich auch also queere Person in der Religion wiederfinden kann.

Im Koran gibt es nur sieben Verse, die sich mit Homosexualität und cis-Männlichkeit beschäftigen - für ihn ein klares Argument dafür, dass man keine umfangreiche Begründung für Queerenfeindlichkeit mithilfe des Korans anbringen kann. Stattdessen konzentrierte Marco Linguri sich darauf, wie man  mithilfe des Korans eine Brücke zwischen dem Islam und Queersein bauen kann. Dabei berie er sich auf einen Propheten, der gesagt hat: "In der Vielfalt einer Gemeinschaft liegt der Segen".  Das bedeutet, dass alle verschiedenen Lebensformen und Typen von Menschen auf der gleichen Stufe stehen sollen und in Ruhe gelassen werden. Darüber hinaus wird im Islam gepredigt, dass man andere Menschen nur verletzen soll, wenn eine Notsituation besteht, das heißt, dass niemand aufgrund seiner Persönlichkeit angegriffen werden sollte.

Neben dem Thema Religion erzählte Linguri auch, wie er selber mit Diskrimierung umgeht. Seine Devise ist, einzugreifen, wenn jemand diskriminiert wird und mit Menschen zu sprechen, die sich diskriminierend verhalten, allerdings nur, wenn er das Gefühl hat, dass sin Gegenüber bereit ist, darüber auf Augehöhe und ohne große Belehrungen zu sprechen.

Zuletzt beantworteteter die Frage, was er dazu sagt, dass seine eigene Religion queeren Personen wie ihm grundsätzlich eher abweisend begegnet. Sein Weg damit umzugehen beinhaltet, dass er Texte schreibt, die vermitteln sollen, dass sich Queersein und muslimisch sein nicht ausschließen. Außerdem versucht er, mit Menschen, die ihre Religion eher konservativ ausleben, ins Gespräch zu kommen.  Im Islam ist auch häufiger eher Homoseualität ein Diskussionsthema als Transseualität.

 


Audio

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Vortrag_MarcoLinguri_Abmischung.mp3





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