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Mai 2019 November 2021


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18 Minuten Zivilcourage :: Gedenken an Kiomars Javadi

Kürzlich zeigte das Kino Arsenal den Film "18 Minuten Zivilcourage" von Rahim Shirmahd. Er wurde im Gedenken an Kiomars Javadi gedreht, der 1987 18 Minuten lang zu Tode gewürgt wurde, nachdem niemand eingriff. Man hatte ihm einen Ladendiebstahl unterstellt, den er nie beganngen hatte.

Der 18-minütige Film wurde im Rahmen des Formats "Film&Gast" ausgestrahlt und der Regisseur Rahim Shirmahd war live zugeschlatet. Im Film wird das Leben von Kiomars Javadi, der 1986 aus dem Iran nach Tübingen floh, bis zu seinem gewaltsaamen Tod geschildert. Er lebte mit seiner Frau ein sehr einfaches, fast schon menschenunwürdiges Leben in der Tiepval-Kaserne in Tübingen. Eines Tages wurde er eines Ladendiebstahls bezichtigt und von einem Auszubildenden des Supermarkts "Pfannkuch" im Beisein von Zeugen gewürgt.

Im Film wird der Tathergang genau geschildert und besonders beleuchtet er den Umgang der Justiz und der Bevölkerung mit dem Fall. Der Täter kam mit einer milden Strafe von 18 Monaten Haft davon und Javadis Frau wurde vor Gericht der Mund verboten. Viele Bürger*innen Tübingens wollten in der Tat keine rassistische Motivation erkennen, obwohl es auch Proteste gegen den Umgang mit dem Mord an Javadi gab.

Nach Ende des Films wurde darüber diskutiert, was in unserer Gesellscahft immer noch an rassistischem Gedankengut toleriert wird, etwa bei der Benennung von Straßen. Es wurde überlegt, ob man den Film zur Stärkung der Zivilcourage in Schulen zeigen soll und ob eine Gedenktafel für Javadi angebracht sei.

Auch Rahim Shirmahd rief dazu auf, nicht einfach nur den Film anzusehen, sondern selber aktiv zu werden und gegen Rassismus jeglicher Form aufzustehen.

Teil des Abends war auch der Zeitzeuge Herr Lohmann, der anwesend war als Javadi gewürgt wurde, sich jedoch nicht in der Lage fühlte, einzugreifen und von Umstehenden auch davon abgehalten wurde. Im Publikum befand sich ebenso eine Dame, die zufälligerweise der Frau von Javadi im Zug begegnet war und davon berichtete, wie traumatisiert Javadis Frau von dem Mord an ihrem Mann ist.

Bei der Veranstaltung waren einige Zuschauer*innen, die einen Bezug zum Fall Javadi haben, entweder weil sie zu der Zeit in Tübingen gelebt haben oder weil sie bei den Protesten damals dabei waren. Nach Ende der Veranstaltung erzählten auch viele, der Film habe bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und sie könnten Parallelen zu heutigen Vorfällen erkennen.


Audio

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JavadiBeitrag2_Abmischung.mp3





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