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Mai 2019 November 2020


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Tübinger Islamgespräche :: Islam, Tod und Trauer

Die Ansichten des Islam über den Tod sind kein häufiges Thema in den Medien. Eher konzentrieren sie sich auf die Radikalisierung oder auf Kopftuchdebatten. Doch es ist wichtig, die anderen Kulturen und Religionen auch auf ihrer Graswurzelebene kennenzulernen. Hala Fouad-Sindlinger stellte in ihrem Vortrag „Islam, Tod und Trauer“ den Umgang mit Tod in Islam vor.

Über den Islam wird heutzutage viel diskutiert – allerdings oft aus der politischen Perspektive. Nur wenige Nicht-Muslime kennen sich mit den islamischen Traditionen und Sitten aus. In der Vortragsreihe der Tübinger Islamgespräche geht es genau darum, den Zuhörer*innen mehr über die islamische Kultur und Religion beizubringen und Diskussion zu starten. Am 21. Oktober hielt die islamische Theologin und interkulturelle Beraterin Hala Fouad-Sindlinger im Café Willi einen Vortrag zu Tod und Trauer in Islam. Das Projekt wird von TAKT – Tübingen aktiv gegen Diskriminierung organisiert.

Die Präsentation handelte von religiösen Ansichten zum Tod, Sterbebegleitung und Beerdigungsritualen sowie insgesamt vom Umgang mit dem Sterben im Islam. Ähnlich wie im Christentum, entscheidet sich der Gott auch im Islam über das Leben und Tod des Menschen. Wenn man Gott sucht, solle man zum Sterbenden gehen, so lautet ein Gebot. Deswegen bekommen die Sterbenden oft Besuch von den Angehörigen und Freunden: Schulden werden ausgeglichen, Glaubensbekenntnisse nachgesagt und zum letzten Mal wird Abschied genommen. Der Tod selbst ist eine Trennung des äußeren Körpers von der unsterblichen Seele. Am Sterbebett holt der Todesengel Izrail den Sterbenden ab.

Im Vortrag ging es viel um Gebräuche und Rituale. Die Bestattung sollte möglichst schnell nach dem Tod stattfinden, doch ist es eher eine Empfehlung als eine strenge Regel. Nach dem Tod wird der Körper gewaschen und mit einem Trauerzug zum Bestattungsort gebracht. Davon gibt es nicht viele in Deutschland, aber viele christliche Friedhöfe haben einen muslimischen Bereich. Doch wollen viele auch in ihrer eigenen Heimat begraben werden. Die Frauen dürfen nicht den Sarg tragen oder am Grab klagen, aber sie dürfen sich am Trauerzug beteiligen. Der Körper wird ohne Sarg begraben, auf seine rechte Seite mit Gesicht in Richtung Mekka.

Verglichen mit dem Vortrag über Salafismus im September war das Thema viel neutraler und auch die Diskussion entspannter. Es wurde vor allem hervorgehoben, dass es viele regionale Unterschiede gibt, die Traditionen können voneinander abweichen. Trotzdem konnte man sehen, wie sich die drei Hauptreligionen bei ihrem Umgang mit Tod ähneln: der Tod bedeutet einen Anfang des neuen Lebens und wird von Gott bestimmt.

Laut Hala Fouad-Sindlinger geht es in der Vortragsreihe um die Sensibilisierung für den Islam und um das Bauen von Brücken zwischen Menschen. Das ist meiner Meinung nach heutzutage besonders wichtig, da die Gesellschaft stark polarisiert ist und die Vorurteile über verschiedene Religionen weiterhin herrschen. Viele Menschen betrachten andersgläubige Menschen als Fremde und versuchen nicht, ihre Kultur zu verstehen. Einige Menschen sehen andere Religionen gleich als radikalisiert und nicht als eine Jahrhunderte alte Lebensweise voll mit Traditionen und Sitten wie ihre eigene. 


Audio

Der Radiobeitrag zum Nachhören

Download (9,13 MB)
77796_Islam-Tod_und_Trauer_fertig.mp3





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