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"Ich spiele tieftraurige Lieder, und die Leute lachen"

... sagt Jakob Heymann, traurig-lustiger Liedermacher, über seine Songs und das Publikum. Zu ernst will er aber auch gar nicht sein: "Wenn man die Gelegenheit hat, zu lachen UND zu weinen, dann ist mir das lieber." Am kommenden Freitag spielt er in Tübingen im Club Voltaire. Im Interview mit Gabriele Busse sprach er schon vorab über seine Musik.

"Das ist das große Los, das ich habe: Ich spiele seit Jahren tieftraurige Lieder, und die Leute lachen", sagt Jakob Heymann - und unwillkürlich muss man lachen. Er ist ein unfreiwillig komischer trauriger Clown - oder auch freiwillig, so genau weiß man das nicht. Man weiß nur, dass man in der Tat schallend lachen muss, wenn man seine Videos sieht, und das, obwohl manche seine Lieder so sehr berühren, dass es weh tut. Gleichzeitig so trocken komisch war wohl kaum ein Liedermacher vor ihm. Dieses Jahr hat er beim berühmten Hamburger Comedy-Pokal sogar den zweiten Platz gemacht. Dabei, so sagt er, versuche er nie, absichtlich lustig zu schreiben. So bierernst wie manche seiner Kollegen will er aber auch nicht sein und sagt, er wolle sich einfach selbst nicht zu ernst nehmen.

Und zu ernst nimmt er sich wirklich nicht, der junge Liedermacher aus Bremen. Sieht man sich seine Videos an, wirkt vieles völlig spontan, locker und aus dem Moment heraus in der Interaktion mit dem Publikum entstanden. Das Unprogrammatische ist bei ihm Programm: "Ich habe keine feste Setlist, die ich jeden Abend abfeuere, das finde ich selber langweilig. Ich komme in den Raum, schau mir die Leute an und will für uns alle gemeinsam einen schönen Abend machen." So wird jeder Abend auch für ihn selbst zum Abenteuer.

Dabei ist er sich nicht zu schade, auch vor kleinstem Publikum zu spielen. Einmal, so erzählt er, spielte er nur für ein einziges Liebespärchen - mit mindestens der gleichen Begeisterung wie für ausverkaufte Hallen. Und man spürt: Hier spricht ein Bescheidener, einer, der den Erfolg nicht im Außen sucht, sondern im inneren Erleben.

Seine Songs sind dabei verblüffend vielfältig, brechen immer wieder klug die Erwartungen des Publikums und scheren sich nicht um Konventionen.  Sie erfassen die ganze Skala zwischen zartester Schönheit, feinen Selbstbeobachtungen und ironisch gebrochenen Bühnenstücken voll harter Kraftausdrücke. Jakob Heymann ist Künstler durch und durch, der seine Vorbilder liebt und dem doch völlig Neues gelingt. Eins seiner wichtigsten Lieder, "Gut genug", geht nach wenigen Takten direkt ins Herz. Die Erkenntnis dahinter ist ihm wichtig, sagt er: "Man sollte sich mit sich selbst nicht zuviel Stress machen, sondern sich und sein Leben genießen."

Inzwischen füllt der Liedermacher mit der unverwechselbaren Stimme auch die großen Säle, gewinnt Comedypreise und bespielt alle erdenklichen Bühnen zwischen Kneipenbrettern und den ganz großen Theatern. Und alles davon nimmt er gern mit: "Ich sauge alles auf, was mir begegnet." Kommende Woche gastiert Jakob Heymann nun auch in Tübingen, im Club Voltaire. "Es wird schön", sagt er lachend, "da bin ich doch fast felsenfest davon überzeugt."

Homepage: www.jakob-heymann.de

Konzert: Fr., 27. Juli 2018, 20.00, Club Voltaire


Audio

Download (23,43 MB)
Interview-Jakob-Heymann.mp3




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