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Kabarettist Urban Priol glänzte im ausverkauften Tübinger Sudhaus

Bericht der Veranstaltung von 16. März 2024

 „Wie ist die Stimmung so in Tübingen?“ fragt Urban Priol nachdem er fast etwas gehetzt die Bühne des Tübinger Sudhauses betritt. Für ihn ist es das ersten Mal auf
hier
hatte er noch letztes Jahr im Sparkassencaree gepielt.

Er freut sich über die zahlreichen Besucher, die trotz des bevorstehenden Ereignisses des verkaufsoffenen Sonntags“ in Tübingen am nächsten Tag 
gekommen sind. An so einem Tag kann man endlich mal das kaufen, 
was man sich unter der Woche  auch nicht leisten kann, meint er.

Es sei ein Wunder, dass er  überhaupt angekommen sei, in Tübingen freut sich Priol. 
Seine Katastrophen-Warn-App schlägt täglich morgens Alarm.
Sie warnt vor  allen möglichen Katastrophen. Vor Schneefall im Winter, 
Vulkanausbrüchen in Island, dem bösen Wolf und Bären.. 
Ganz zu schweigen vom Saharastaub, den Klimaklebern und all den Demos, 
Staus auf den Autobahnen oder Bahnstreiks. 

Die Bahn ist natürlich ein beliebtes um nicht zu sagen abgenudltes Thema für Kabarettisten, 
so auch bei dem  62 -jährlingen Aschaffenburger, 
der seit über 20 Jahren auf der Bühne steht.
Aber bei den bisherigen Verkehrsministern kein Wunder.
Und der aktuelle ist auch nicht besser.
GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky lobt er sogar, weil er der auch etwas für die Arbeiter erreichen will.
Ganz ungewöhnlich bei einem Gewerschaftsfunktionär, wie er meint.
Aber schnell wir er politisch und kommt so richtig in Fahrt. Etwa über die Bild, die er nicht Zeitung nennen will und bei der auch kein geräucherter Hering eingewickelt werden möchte. Hetze doch die Bild gegen die Schwächsten der Gesellschaft.
Etwa Migranten oder
Bürgergeldempfänger. Unter letzteren gebe es zwar auch Menschen,
die dies nur ausnützen und nicht arbeiten wollen. Aber das seinen nur gut 1%.
Die größten Sozialschmarotzer seinen die Steuerhinterzieher. die ein Vielfaches dessen ausmachen. Mit deren Verfolgung
man das Defizit im Haushalt, mehr wie kompensieren könne.
Ganz zu schweigen von Vermögens- und Erbschaftsteuer,
wo sich keine Regierungspartei ran traut.
Im Bundeshaushalt fehlen durch das Urteil des Verfassungsgerichtes 17 Milliarden, was Priol den Ministerpräsidenten Winfried Kretschman parodieren lässt, der ihm in den Mund legt: „Für 17 Milliarden, da bekommen Sie grade mal einen lausigen Bahnhof in Stuttgart“. Lachen und großer Applaus ist ihm vom Tübinger Publikum sicher. Urban Priols Programm heißt Im Fluss- Täglich quellfrisch, immer aktuell!
Er schreibt es immer fort und aktualisiert es fast täglich. 
Große Teile davon hat er allerdings auch schon für seinen
Jahresrückkblick Tilt 2023 vor knapp 3 Monaten verwendet. So kann für viele Zuschauerinnen und Zuschauer nicht alles neu sein. Aber nicht weniger relevant und immer noch aktuell. Im Eiltempo geht es durch die Politik
und das gesellschaftliche
Leben der letzten Monate.
Priol blickt darauf durch die satirische Brille und rückt vieles
verständlich und ironisch zurecht. Dabei kommt er nicht Oberlehrerhaft daher, sondern er spricht knapp und pointiert aus, was das Publikum auch denken könnte,
aber vielleicht so nicht in Worte fassen kann.
Es gibt immer wieder Applaus für seine spitzen Aussagen.
Etwas wenn er anprangert, dass bei den Demos der letzten Generation und der Landwirte mit zweierlei Maß gemessen wird. Bei den Klimaprotesten sagt die Regierung:
"Wir lassen und nicht erpressen". Bei den Bauerprotesten werden kurzerhand
die EU-Artenschutzregeln einkassiert und das Gesetz für weniger Pestizide ist vom Tisch.

Bauern und Gastronomen
sieht Priol ohnehin im Wettstreit beim Jammerwettbewerb.
Dennoch ermutigt Priol die Landwirte weiter zu protestieren aber sich an die richtige Adresse
zu wenden. Etwa könnten die Traktoren vor den Milchbetrieben halten oder die Parkplätze von Discountern blockieren, die beide die Preise drücken. Oder ihren Protest an CDU/CSU richten, die durch ihre verfehlte Landwirtschaftpolitik erst diesen Zustand geschaffen hat,
den sie jetzt den Grünen in die Schuhe schieben.
Priol arbeitet sich an dem aus seiner Sicht ungerechtfertigten Ampel bzw. Grünen-Bashing ab. An allem sei Habeck Schuld so die Stimmung im Land. Bundeskanzlerin Merkel die er immer wieder gekonnt parodiert, habe in den 16 Jahre ihrer Amtszeit kaum etwas gemacht und nun müsse die Ampelkoalition alles in kurzer Zeit aufholen was versäumt wurde. Sie habe uns mit ihrer Politik nicht weiter belästigt. Wenn es Probleme gab, hat sie wenigstens nicht versucht, diese zu lösen." Die FDP bekommt natürlich nicht gut weg bei ihm. Weil sie alles verhindert was beschlossen wurde und Opposition mache. Christian Lindners Aussage von 2017 war Es ist besser nicht zu regieren als falsch zu regieren Nun regiert er zwar aber auch falsch. Und es sei ganz und gar nicht so, dass die FDP an der Ampel leide, sondern das Gegenteil sei richtig. So streift Urban Priol in dem mit Pause 3 stündigem Rundumschlag so ziemlich alle Themen von Europawahl über Cannabis bis Aiwanger und Söder und Merz, Für mich wohltuend, das er nicht dem leider auch bei vielen Kabarettisten mittlerweile üblichen regierungskonformen und scheinbar alternativlosen Zustimmung zu den Waffenlieferung an die Ukraine verfällt. Deutlich kritisiert er das nach jeder Waffenlieferung sofort schon wieder die nächste gefordert wird. Zuvorderst von FDP Politikerin Marie Agnes Strack Zimmermann der „Panzer Agnes“ wie er Sie nennt.. Durch das sorglose Diskutieren über die Kriegstüchtigkeit und Waffeneinsätze in den Fernsehtalkshow, bräuchte Russland eigentlich die Bundeswehrgespräche nicht abhören, sondern nur deutsches Fernsehen einschalten. Scharf kritisierte Priol die Aussage des CDU Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter den Krieg nach Russland zu tragen. Damit würde Deutschland Kriegspartei. Und so einer wird als Verteidigungsminister gehandelt. Da wurde es sehr still und nachdenklich an dem sonst sehr vergnüglichen, kurzweiligen und lebendigen Abend, bei dem Mitdenken und gefordert und gewünscht ist. Man würde sich wünschen das diesen Abend auch Menschen im Publikum saßen, die anderer Meinung waren wie Priol und mancher seine Ansichten überdenkt und reflektiert. Und auch in der Bundesregierung und der Opposition wäre eine solche Rede wie von Priol wohltuend. In die Politik wolle Priol aber nicht, wie viele seiner Fans schon vorgeschlagen haben. Da gäbe es schon zu viele fragwürdige Politiker mit seltsamer Frisur........

(Bericht: A. Näßer, Wüste Welle)

 



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