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Friedens- und Protestsongs #2

In der Sendung vom 29. September 2021 stellen Verena Brenner und Daniela Goeller Friedens- und Protestsongs aus dem Kontext der europäischen und internationalen Friedensbewegung vor, darunter auch ein paar alte Klassiker. Der Aufruf, den wir im Juli an die Referent*innen aus dem Programm Bildung trifft Entwicklung gemacht haben, uns Friedens- und Protestlieder aus aller Welt für eine Sendung zu zuschicken, hat viel Resonanz gefunden und die Sendung bereichert.

Frieden ist übrigens in den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung festgehalten und zwar als Ziel 16, zusammen mit Gerechtigkeit und starken Institutionen. Wir unterscheiden zwischen einem negativen Friedensbegriff (die Abwesenheit von Krieg) und einem positiven, der wesentlich breiter gefasst ist und ein friedliches Zusammenleben in einer gerechten Gesellschaft beschreibt.

Den Anfang der Sendung macht „Give Peace a Chance" von John Lennon und Yoko Ono. Das Lied ist 1969 spontan anlässlich eines Bed-Ins in Chicago entstanden und spiegelt den Geist der 1968 Jahre wieder und die immer aktuelle Sehnsucht nach Frieden.

Die Friedensbewegung in Deutschland ist in den 1960er und 70er Jahren von der amerikanischen Friedensbewegung geprägt. Es gibt eine Reihe von Liedermachern, die sich immer wieder für eine friedliche und freiheitliche Gesellschaft und gegen den Krieg und den wieder aufkeimenden Nazismus und Nationalismus in Deutschland eingesetzt haben. Hier singen stellvertretend Reinhard Mey, Konstantin Wecker und Hannes Wader „Es ist an der Zeit". Das Lied stammt von Hannes Wader und geht zurück auf das Lied „The Green fields of France”, das der schottisch-australische Liedermacher Eric Bogles 1976 angesichts der Gräberfelder aus dem Ersten Weltkrieg in Frankreich geschrieben hat.

Der Erste und Zweite Weltkrieg waren für Europa traumatisch und haben die Friedensbewegung nachhaltig geprägt. Besonders davon betroffen waren Deutschland und Frankreich. 1964 singt Barbara mit „Göttingen" ein starkes Lied der Versöhnung und spricht damit zum wiederholten Mal aus, was viele denken: Es soll in Europa nie wieder einen solchen Krieg geben.

Der von Bob Dylan geschriebene Song „Blowin’ in the Wind" hier gesungen von Bob Dylan und Joan Baez ist eines der bekanntesten Lieder der amerikanischen Friedensbewegung, das international große Resonanz gefunden hat. Hier werden Fragen gestellt, rhetorische Fragen und wir fragen uns, an wen sie gerichtet sind: An wen wenden sich die Friedens- und Protestlieder? An die Machthabenden? Die Kriegsparteien? Die Bevölkerung? An uns alle?

Bei unserem nächsten Lied ist die Frage leicht zu beantworten: Es handelt sich um einen Brief, der an den Präsidenten gerichtet ist. 1954 singt der französische Schriftsteller und Musiker Boris Vian „Le déserteur", ein Lied, in dem es um die Verweigerung des Wehrdienstes geht und das weltberühmt wird. Das Jahr seiner Veröffentlichung markiert das Ende des Indochinakrieges und den Beginn des Algerienkrieges für Frankreich und so ist es wenig verwunderlich, dass es sofort nach seiner Veröffentlichung verboten wird.

In Europa befeuert in den 1980er Jahren die reale Bedrohung durch den Kalten Krieg und die damit verbundene Aufrüstung eine neue Friedensbewegung. Udo Lindenberg schreibt ein Lied, das auch von Joan Baez gesungen wird und zwar sogar auf Deutsch: Wozu sind Kriege da?
Joan Baez ist die große Stimme der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung in den USA, die sich in der ganzen Welt für den Frieden einsetzt, bis zum heutigen Tag: Sie ist auch im Alter von 80 Jahren noch eine Ikone.
Neben dem Vietnamkrieg, der im Zentrum der Proteste in Amerika und dann auch in Europa steht, spielen auch andere internationale Konflikte eine wichtige Rolle in der Friedensbewegung. Ein Konflikt, der Europa über viele Jahre begleitet hat, ist der Bürgerkrieg in No rdirland und ein Lied dazu, auf das wir alle schon einmal getanzt haben ist Sunday Bloody Sunday von U2.

Eine ganz wichtige Rolle hat die Musik auch im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika gespielt. Mit dazu beigetragen haben namhafte südafrikanische Musiker*innen wie Miriam Makeba und Hugh Masekela, die im Exil lebten. Aber es finden sich auch viele amerikanische und europäische Namen in der langen Liste der Autoren berühmter Protestlieder, die das Unrechtsregime in Südafrika anprangern. Eine zentrale Forderung war die Freilassung Nelson Mandelas, hier besungen von Brenda Fassie in dem sehr emotionalen Lied „Black President", das 1990 nur wenige Tage vor seiner tatsächlichen Freilassung veröffentlicht wurde.

Das Berliner Duo Berge, bestehend aus Marianne Neumann und Rocco Horn, singt für Versöhnung zwischen den Menschen und eine bessere Welt und setzt sich in seinen Liedern auch für Themen wie Umwelt-, Natur- und Tierschutz ein. Wir spielen „Kein Grund für Krieg".

Wir beenden die Sendung mit einer Hymne für eine bessere Zukunft. Es ist das älteste und bekannteste Lied der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und wurde 1949 von Pete Seeger geschrieben, der dafür einen alten Gospel-Song aufgegriffen hat: We shall overcome, hier noch einmal von Joan Baez, die es zum ersten Mal 1963 beim Marsch auf Washington sang.

Zum Ausklang spielen wir noch eine ganz aktuelle Cover-Version des Liedes Wann, wenn nicht jetzt? von Rio Reiser — gesungen von über 20 verschiedenen deutschen Interpreten. So wird abschließend zum Handeln aufgerufen, für den Frieden, eine bessere Welt und gegen die Klimakrise.


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