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Januar 2020 April 2021


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Kinga von Gyökössy-Rudersdorf

Hier ist eine Frau, die viel bewirkt hat! „Hm, bewirkt? Ich weiß nicht, ob ich etwas bewirkt habe,“ hat sie daraufhin gesagt.

"In diesem grauen Land mit seinen kalten, abweisenden Menschen bleibe ich  keine Minute länger als nötig!" Das stand für die junge Kinga, als sie 1965 als medizinisch-technische Assistentin für eine Forschung der Universität Tübingen zum ersten Mal nach Deutschland kam, nach kurzer Zeit fest.

Heute, zum Zeitpunkt dieses Interviews im September 2020, ist sie 78 Jahre alt, lebt in der Nähe von Stuttgart und ist Trägerin der Brenz-Medaille der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sowie des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg.

Wie es dazu kam, ist Thema dieses Interviews, in dem es um ihr Engagement geht. Zwei noch viel bedeutendere Schätze, die hr Leben erhellen, sind aber ihre beiden Töchter. Wie frau Engagement und Mutterschaft unter einen Hut bringen kann - um diese nicht unwichtige Frage wird es in unserem nächsten Interview mit ihr gehen. Nun aber:

 

Ob sie etwas bewirkt hat?

 Kinga von Gyökössy-Rudersdorf, die der Ansicht ist, daß sie ein falsches Deutsch spricht, diversifiziert haarklein den Unterschied zwischen „etwas bewirken“ und „etwas erreichen“. Die Interviewerin findet bereits das Erreichte beeindruckend. Mit 78 Jahren schaut „Frau Kinga“ auf reiche Erfahrungen zurück. Was für Lehren sie daraus ziehen würde, die sie auch weitergeben wollte, frage ich sie.

„Allein erreichst du nichts,“ sagt sie. „Du brauchst immer andere, wenn du etwas erreichen willst.“ Frauen brauchen Mentorinnen, solche, wie sie sie hatte, Mentorinnen, die ihr die Möglichkeit gaben, ihr eigenes Engagement in ihrer Eigenart umzusetzen. Und: Sprache ist entscheidend, sagt sie. Auch deshalb findet sie Bildung sehr wichtig und daß junge Menschen andere Religionen und Lebensumstände kennenlernen, ein Auslandsaufenthalt sollte verpflichtend sein – in einem armen Land. Solche Möglichkeiten sollten allen offen stehen, nicht nur den Wohlhabenderen. Doch dazu braucht man richtig eingesetztes Geld.

 

Aber nun will ich die Geschichte doch von vorne erzählen:

Kinga von Gyökössy-Rudersdorf wurde 1942 in Budapest geboren. „Es war eine wunderbare Kindheit,“ sagt sie, ihre Lehrerinnen vermochten es, in ihr die Begeisterung für Bildung, für Kunst und Kultur zu wecken.

Also die Sache mit Deutschland. Die konnten sie brauchen, weil bestimmte Vorschriften für Ausländerinnen nicht galten. Was war sie froh, als sie wieder zu Hause war. Aber da war dieser Heiner Rudersdorf, den sie 1972 heiratete. Und der bekam in Deutschand eine Anstellung. Oweh. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus. Sie liebte ihren Mann, aber dieses Land: unerträglich!

Das sich das änderte, das lag an Afghanistan. Dahin gingen sie nämlich1978, als Beauftragte des Deutschen Entwicklungsdienstes. Achja, werdet Ihr jetzt vielleicht denken, da war ja Krieg und da wird sie froh gewesen sein – nein! Afghanistan ist bis heute ihre zweite Heimat, ihr Sehnsuchtsland. Diese wunderbaren Menschen, die sie dort traf! Ein kostbares Seidentuch erinnert sie noch immer an denjenigen, der es ihr als Weihnachtsgeschenk brachte, damit sie darin ihre Bibel, in der sie täglich las, einschlagen und aufhängen könnte. Sie konnte doch nicht ihre heilige Schrift in ihrem Nachtischschränkchen mit ihren Romanen und der Schokolade aufbewahren, das ging doch wirklich nicht! Nur schade, meinte er, daß sie einmal im christlichen Himmel sein würde und er im muslimischen! Kinga lächelt bei der Erinnerung. Sie ist da erwartungsfroherer Auffassung.

Heute ist die konservative Christin ebenso mit autonomen Frauen wie mit tiefgläubigen Musliminnen befreundet. Eines der ihr gegebenen Talente, sagt sie, sei zu vermitteln und ein Talent müsse man nützen. Sie ist ein belebendes Beispiel dafür, daß man nicht derselben Religion oder Herkunft oder Nationalität angehören muss, um an das selbe Ziel zu glauben und sich dafür einzusetzen: daß Menschen sich entfalten können ohne Unterdrückung und Ausbeutung.

 

Aber wie war das nun mit Deutschland? Ja, in Afghanistan hat sie andere Deutsche kennengelernt. Und damit ein anderes Deutschland. Zurück in diesem Land waren drei Frauen Mentorinnen für sie und so begann ihr Engagement. Ein Frauenhaus - dass so etwas nötig war, leuchtete ihr ein. Ihr Vater war schon auf das Flehen mancher Frau hin im Talar in der Kneipe aufgetaucht, wo er den Ehemann daran hinderte, den Wochenlohn zu versaufen. Aber das war erst der Anfang. Frauenrechte, Migration und Asyl sind die Bereiche, in denen sie mitgewirkt hat. Sie ist Kirchenrätin in der ungarisch-protestantischen Gemeinde in Stuttgart/Bad Cannstatt und engagiert sich bei der „Weltkonferenz der Religionen auf dem Weg zum Frieden“. Und wenn man jemanden braucht, der die Sache mit der ethisch sauberen Kleidung erklärt, dann fragt man gerne Frau Kinga. Auf unserem Artikelbild seht Ihr sie auch in Aktion, bei den FrauenFilmTagen Tübingen 2020, als Gast zu einem Film über Textilarbeiterinnen in Bangladesh. (Herzlichen Dank an Irene Jung, die langjährige Leiterin des Filmfestes und Organisatorin in der TERRE DES FEMMES Städtegruppe, die das Bild des Fotografen Alexander Gonschior zur Verfügung stellte!)

 

Ja genau, ihr Name, von Gyökössy, wie spricht man den aus?

Früher hat sie ja gedacht, wieso können die Deutschen ihren Namen nicht richtig sagen, sie kämpft sich ja auch ab mit den Müllers und Meiers! Aber inzwischen sei sie einfach „Frau Kinga“. „Rudersdorf“ heißt sie nicht seit ihrer Heirat, das sei in Ungarn nicht üblich gewesen, „Rudersdorf“ heißt sie, weil man ihr im Hotel in Jordanien nicht geglaubt hatte, daß Frau von Gyökössy mit diesem Herrn Rudersdorf verheiratet ist und sie deshalb in eine Unterkunft für unverheiratete Frauen verwiesen hat - mit ihrem „Bankert“. Also ist sie mit ihrem ungarischen Pass zur ungarischen Botschaft gegangen und seither heißt sie Gyökössy-Rudersdorf.

 

Aber bevor ich hier alles verrate, lasse ich sie selber zu Wort kommen und Ihr werdet ziemlich schnell merken, weshalb man sie allenthalben als Rednerin haben will! Den Schluss, ihr Resumée habe ich allerdings an den Anfang gestellt, weil ich ihren guten Rat für das Allerwichtigste dieses Interviews halte:

 


Audio

Guter Rat

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Guter_Rat.mp3


Die Namensfrage

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Die_Namensfrage.mp3


Etwas bewirken

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Etwas_bewirken.mp3


Für ein Frauenhaus

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Fuer_ein_Frauenhaus.mp3


Sprache

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Sprache.mp3


Im Grauen Deutschland

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Das_Grauen_Deutschland.mp3


Neue Wege

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Neue_Wege.mp3


Talente verwalten

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Talente_verwalten.mp3





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