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Annelen Fritz: Forschung zu Disability Studies

Annelen Fritz arbeitet am Institut für Soziologie der Uni Tübingen und hat sich auf das Thema Behinderung als soziales Konstrukt spezialisiert. Dabei forscht sie in einem Forschungsprojekt zu diesem Thema. Außerdem hat sie mit anderen Doktorand*innen ein Mentoringprogramm für Promotionsinteressierte ins Leben gerufen.

Soziologie ist eine Wissenschaft, die auf einer systemischen Ebene Ursachen für soziale Phänomene, wie z.B. soziale Ungleichheit, sucht. Annelen Fritz sieht die Soziologie außerdem als eine "Reflexionswisenschaft", die sich anschaut, wie die Gesellschaft funktioniert und kritisch hinterfragt, warum das so sein könnte.

Im Rahmen ihres Studiums ist Annelen auf die Disability Studies gestoßen, eine Forschungsbewegung, die aus der Behindertenrechtsbewegung der 70er- und 80er-Jahre entstanden ist und sich lossagen wollte von der Fürsorglichkeit und medizinischen Sichtweise, mit der bis dahin auf das Thema geblickt wurde.

Deren Slogan "Wir sind nicht behindert, wir werden behindert" macht eine soziale Sichtweise auf Behinderung auf, die kritisch hinterfragt: Sind es wirklich die abweichenden Körper oder kognitiven Fähigkeiten von Menschen, die sie behindern oder nicht viel eher eine Welt, die durch und durch ableistisch (also behindertenfeindlich) organisiert ist?

Woher dieser Ableismus und die Einteilung der Welt in Behinderung/Nicht-Behinderung rührt, muss grundsätzlich historisch, kulturwissenschaftlich und soziologisch aufgearbeitet werden.

Das wird unter anderem im Forschungsprojekt  „Making up people“ in der Weltgesellschaft: Analysen zur Institutionalisierung globaler Personenkategorien des Instituts für Soziologie Tübingen beleuchtet, bei dem Annelen wissenschaftliche Mitarbeiterin ist. Neben der Kategorie Disability geht es dort auch um People of african descent, arme Menschen, Indigene und Angehörige der LGBTQ-Community.

Außerdem hat Annelen zusammen mit anderen "First Generation Academics" ein Mentoringprogramm gegründet, das gegen Klassismus an Hochschulen vorgehen will. Es richtet sich vor allem an andere Studierende, die aus einer Nicht-Akademiker-Familie kommen und sich für eine Promotion interessieren. MAP soll die Betreuten ermutigen, sich den Hürden für Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien im akademischen Kontext zu stellen und will außerdem Vorbilder schaffen.

 

 


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Annelen_Fritz_Interview.mp3





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