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Generationentheater Zeitsprung :: Halt! - Fundstücke

Regisseurin Helga Kröplin und die Darsteller_innen Achim Walzer, Annika Oesterhelt und Christine Wedel vom Generationentheater "Zeitsprung" berichten über die Hintergründe und die Entstehung ihres Theaterstücks "Halt!", das am Freitag, den 13. Januar seine Premiere im LTT feiert.

Woran halten wir uns eigentlich fest, wenn alles um uns herum ein Stück weit zusammenbricht? - Diese Frage stellte sich Regisseurin Helga Kröplin vom Generationentheater "Zeitsprung" vor allem während der Corona-Pandemie, wodurch sie das Thema "Halt" sehr beschäftigte. So entstand auch die Grundidee zu dem Theaterstück, jedoch war anfangs noch nicht ganz klar, was genau aus dieser Idee heraus entstehen soll und kann. So fragte sie die Ensemble-Mitglieder, ob sie mit diesem Begriff etwas anfangen können und was sie selbst mit dem Begriff "Halt" assoziieren. 

Die Darsteller_innen hatten verschiedenste Assoziationen mit dem Begriff "Halt". Achim Walzer, der erst seit kurzem Teil des Ensembles ist, assoziiert damit die Frage, was uns im Leben Halt gibt, was uns trägt und woran wir uns orientieren. Annika Oesterhelt verbindet mit dem Begriff vor allem Zusammenhalt. Gerade zu Zeiten des Lockdowns, wo viele oft alleine sind, sei es wichtig, durch Zusammenhalt die schwierige Zeit zu überstehen und einen Halt in der Gemeinschaft zu finden. Für Christine Wedel ist besonders die Vielschichtigkeit des Begriffs "Halt" interessant. Sowohl im Sinne von "Stop!", als auch im Sinne von: "Woran halte ich mich fest? Welche Haltung und welche Werte habe ich in mir?"

Doch wie entstanden aus einem Begriff, den Assoziationen dazu und der Grundidee ein Theaterstück? Anfangs wurde viel "herumimprovisiert", doch irgendwann kam Helga Kröplin die Idee, literarische Figuren für das Stück zu suchen, welche in ihrem Leben eine offene Frage haben. Anhand dieser Figuren wurden schließlich zusammen mit den Darsteller_innen neue, eigene Figuren entworfen, die ihren Ursprung aus der Literatur dennoch beibehalten. Alle Figuren brachten verschiedenste Fragen mit, welche in der Literatur, aus der sie entsprungen sind, nicht geklärt wurden, wie zum Beispiel: "Wie geht es weiter?" oder "Was hätte die Figur anders machen können?". Dadurch gelingt es, die Figuren aus der ursprünglichen Geschichte "herauszuholen", was auch das Setting des Stücks, eine Bibliothek, widerspiegelt.

Nach langem Suchen fand Christine Wedel eine Figur, deren Eigenschaften sich allerdings erst im Laufe der Zeit und im Zusammenspiel mit den anderen Figuren herauskristallisierten: Eine moderne Figur aus der Gegenwart, die als Werbemanagerin tätig ist und sich in ihrer eigenen Welt gefangen fühlt. Nach Beginn der Corona-Pandemie beginnt sie, die Welt in Frage zu stellen und möchte aus der Gesellschaft aussteigen, doch dabei kommen schnell Zweifel auf. Das habe viel damit zutun, den Halt zu verlieren und dem Versuch, ihn wieder zu finden, so Christine Wedel.

Annika Oesterhelt war es wichtig, eine Figur in ihrem Alter zu finden, mit der sie sich auch selbst identifizieren konnte, wobei sie sich für Aschenputtel entschied. Auch Aschenputtel verliert in dem Märchen ihren Halt und beschließt, auszusteigen und neues zu entdecken.

Bei Achim Walzer war es eine reine "Bauchentscheidung", für welche Figur er sich entschied: Robinson Crusoe. Anfangs war der Hintergedanke: "Was gibt Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel Halt?" Doch das änderte sich beim weiteren Auseinandersetzen mit der Figur. In einem Fortsetzungsband machte Robinson Crusoe nämlich nach seinem Aufenthalt auf einer einsamen Insel weiter mit der Sklaverei. Dabei fragte sich Achim Walzer, wie er nach seinen Erlebnissen damit weitermachen kann und ob er dabei nichts gelernt hat. Daraus entwickelte sich dann im Zusammenspiel mit den anderen Figuren in einem langen Prozess seine eigene, neue Figur.

Insgesamt besteht das Ensemble aus 9 Schauspieler_innen, die während des Stücks meist alle gemeinsam auf der Bühne stehen. Dabei durchlaufen die Figuren einen Prozess, wobei allerdings ihre mitgebrachten Fragen nicht direkt beantwortet werden: "Die Fragen der Figuren sind irgendwann nicht mehr so wichtig, weil sie lernen, dass es weiter geht und man das, was früher war, hinter sich lassen kann", so Annika Oesterhelt. Für die Regisseurin war es außerdem wichtig, vieles mit physischen Bildern darzustellen, da sich mit Bewegung oft mehr sagen lässt als mit Worten. Dafür arbeitete das Ensemble mit zwei Choreografinnen zusammen. 

Am Freitag, dem 13. Januar hat das Stück seine Premiere im LTT, bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun: unter anderem an der Technik, am Licht und Pressearbeit. Bis zur Premiere probt das Ensemble jeden Abend zusammen, um dem Stück den letzten Feinschliff zu verleihen.


Audio

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