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Rezension "We can be heroes" :: Französische Filmtage 2022

Als ich den Titel dieses Films "We can be heroes" gelesen habe, ist mir diese Zeile im Lied „Heroes“ von David Bowie sofort eingefallen: We can be heroes, just for one day.

Als es herauskommt, dass dieser Film von Produktion der Masken handelt, war ich zunächst, ehrlich gesagt, ziemlich enttäuscht. Einen Dokumentarfilm um ein aktuelles Thema wie Maske kann ich mir schon vorstellen, dass man sich für Helden halten würden, indem man dächte, dass die anonymen Helden in einem Notfall versammelt sind, und zusammen gegen Corona gekämpft haben. Als ich mich beim Zuschauen schrecklich gelangweilt habe, musste ich checken, dass es erst 5 Minuten war. Und ja, zuzugeben, in den ersten 40 Minuten war es mir eine große Qual, diesen Film weiter zu schauen.

Aber im Laufe des Films geht es nicht nur um Maske, sondern auch um die Menschen da. Zunächst eine Anekdote von dem netten Maschinisten John, der die Nähmaschine repariert. Zwei Mädchen erzählen lachend: „People were always calling out: ‚John! John!‘ It must haunt him in his dreams. I told him: ‘Will you miss them calling out your name? John!’”
Aber hier geht es nicht nur um die schöne Seite von der Maskenfabrik, sondern auch die irritierenden Gesten Liberos, der Chef der Fabrik, z.B. ein Bikini-Show als „Dankeschön“ und Moral-Booster für die Arbeiter, besonders zu beachten ist, die meisten davon sind Frauen. Als Frau muss ich mich fragen, warum dachte Libero, dass die Frauen ein Bikini-Show mit eine Gruppe von halb nackten Frauen zuschauen wollten und das als ein Geschenk einnehmen extra hart arbeiten würden. Dann später kommt noch ein Muskelprotz.  „My buddies are here. I have them in thongs if you work for it. You want him to take off his shirt? Shall he take off his shirt? One two three go, turn around…” In einer Szene hat Libero selber sogar das T-Shirt einer Arbeiterin nach unten gezogen. Man kann schon vor der Kamera ihre Schulter mit dem BH-Träger sehen. Was kann ich noch sagen? Der vulgäre Scherz mag ich gar nicht. „He was like a circus-clown. Not always a funny one.“ Sagte eine Arbeiterin über Libero.

Wie ein kalter und manipulierender Führer macht Libero seine sogenannte Rede, die mir aber an Propaganda und Brainwash erinnert. Die Arbeiter sind keine Maschine, er verlangt aber immer wieder, dass man mehr Masken produziert. Wenn die Masken der Bestellung nicht passen, bedroht er die Arbeiter und machte sie schuldig. „It was too much. Saying how he loved us, how he payed to work with us. Why didn’t we take him up on it? Come on, pay up.” So kommentiert eine Arbeiterin. Man durfte mit keinem Kopfhörer Musik hören. Auch darf man ihm nicht beschweren. „If she thinks I’m an idiot, she’s got another thing coming. 30 masks per hour or she’s out. I need people who can work, not people bullshitting me. And people who want to work.” Viele Mädchen wurden mit Tränen entlassen. Jedoch viele Arbeiterinnen können ihm verzeihen und mit ihm zurechtkommen.
Der beeindruckendste Moment für mich in diesem Film ist eine Kommentar von einer Arbeiterin: „It’s not like we’re superheroes. We’re not heroes and neither is he. We should remain humble. All we did was sewing masks.”


Audio

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We_can_be_heroes.mp3





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