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Das dualitische Modell: Platon

Unter dem Tod versteht man, dass das Ende des Lebens bzw. (als biologischer Tod bei einem Lebewesen) das endgültige Versagen aller lebenserhaltenden Funktionsabläufe. Der Übergang vom Leben zum Tod wird Sterben genannt. Tod ist nicht nur ein biologisches Phänomen, mit dem wir uns alle früher oder später konfrontieren müssen, sondern auch ein besonderer Gegenstand menschlicher Reflexion und ein Bezugspunkt vielfältiger kultureller Inspirierungen.

Die Ringvorlesungen im "Studium Generale": Tod und Sterben – zwischen kultureller Erinnerung und aktuellen Konflikten thematisieren verschiedene Perspektive in Bezug auf Tod und Sterben. Im ersten Teil behandelt es sich um klassisch philosophische und anthropologische Perspektive. Die erste Vorlesung "Das dualistische Modell: Platon"  fand am 18. Oktober statt mit dem Vortragenden Herrn Prof. Dr. Christoph Horn aus der  Universität Bonn.

Platon sieht LeibundSeele dualistisch als zwei voneinander verschiedene und voneinander trennbare Substanzen an und wertet den vergänglichen Leib gegenüber der unvergänglichen Seele ab. Platons Definition von Todist vorbereitet durch die Lehre von der Seelenwanderung und Reinkarnation, die sich bei Empedokles aus 5. Jahrhundert findet und für Pythagoras im 6. Jahrhundert bezeugt ist, der sie von den ägyptischen Mythen übernommen haben soll.

In Platons Werk sind wenigstens 6 Argumente über die Unsterblichkeit der Seele zu finden: das Zyklusargument, das Argument aus der Wiedererinnerung (Anamnêsis), das Affinitätsargument, das Argument der substanziellen Eigenschaften, das Argument aus der Selbstbewegung und das Argument der spezifischen Korrosion. Und der Seelenbegriff ist sehr weit gefasst und schließt sehr unterschiedliche Aspekte ein: Die Seele sieht Platon als Inbegriff der mentalen Vermögen und Gehalte: Kognition, Volition und Emotion, und als Steuerungsorgan körperlicher Prozesses: beispielsweiser Verdauung, Wachstum, Altern und Wundheilung. Die Seele sei auch das Prinzip des Lebens, kosmisches und individuelles Bewegungsprinzip und Gegenstand moralischer Selbstfürsorge. Ungerechtigkeit zerstört die Seele und die Dissoziation von Seelenteilen verursacht persönliches Unglück.

Die Seele ist in einem besseren Zustand, wenn sie vom Körper getrennt ist, da der körper ein "Hindernis" ist. Der Tod wird als Befreiung und Lösen der "Bänder" beschrieben, die die Seele an den Körper binden. In diesem Sinne ist Tod ein Zustand, der voller Freude im Einklang mit Natur ist.

"Schließlich aber, wenn die zusammengefügten Bänder der Dreiecke im Mark durch die Mühen gelochert nicht mehr zusammenhalten, lösen sie auch die Fesseln der Seele. Diese aber fliegt befreit ihrer Natur entsprechent mit Freude heraus, dem alles Naturwidrige ist schmerzhaft, was aber im Einklang mit ihr geschieht, süß." (Timaios)


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Platon.mp3





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