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Literaturkreis: Teufelspakt in der Schwarzen Spinne

Das Theaterstück Tübinger Teufelspakt ist in diesem Sommer in der Tübinger Altstadt zu sehen. Der Teufelspakt ist aber ein altes Motiv in der Literaturgeschichte. Schon in einem mittelniederdeutschen geistlichen Sing- und Schauspielstück „Das Theophilus-Spiel“, dessen drei überlieferten Handschriften aus dem Zeitraum zwischen 1430 und 1460 stammen, kommt schon der Teufelspakt zum Thema. Jeremias Gotthelf, Pseudonym des Schweizer Schriftstellers und Pfarrers Albert Bitzius, hat im 19. Jahrhundert eine Novelle über Teufelspakt geschrieben.

Die Novelle beginnt mit einer idyllischen Szene. Beim Verlauf eines Tauffests fällt einer der anwesenden Frauen auf, dass an dem Neubau des Bauernhofes ein alter, schwarzer Fensterpfosten mit eingebaut worden ist. Auf ihr Bitten hin erzählt der Großvater, was es mit dem Pfosten auf sich hat. Das Dorf gehörte einige Jahrhunderte zuvor zum Lehen des Ritters Hans von Stoffeln, der die Bauern zu härtesten Frondiensten zwang. Einen der Auftrag knüpfte er an so eine kurze Frist, dass sie die Bauern unmöglich erfüllen konnten, ohne ihre eigene Hofarbeit zum Erliegen zu bringen und auch Hunger zu leiden. Aus der Not geht die Bäuerin Christina den Teufelspakt ein. Als Lohn verlangte der Teufel ein ungetauftes Kind. Als ein Kind geboren wird, rettet der Pfarrer es sofort nach seiner Geburt durch die Taufe. Christine spürt danach auf ihrer Wange einen brennenden Schmerz: Dort, wohin der Teufel sie geküsst hat, entsteht ein schwarzer Fleck, der anschwillt und zu einer schwarzen Spinne wird.

Nachdem ein nächstes neugeborenes Kind getauft wird, bricht ein Unwetter aus und viele kleine Spinnen schlüpfen aus dem aufplatzenden Mal auf Christines Gesicht. Im Dorf verbreitet sich das Unheil, das Vieh stirbt in den Ställen. Das dritte neugeborene Kind will man opfern und Christine soll das Kind zum Teufel bringen, doch besprengt der Priester es im letzten Moment mit Weihwasser.

Christine wird zu einer schwarzen Spinne und der Priester stirbt durch die Berührung. Mensch und Tier mordet die Spinne unaufhaltsam, bis sie von der devoten Mutter in ein Loch eines Pfostens gestopft. Die Frau stirbt als Folge der Berührung mit der Spinne, aber Ruhe und Frieden kehren in das Tal zurück. 200 Jahren später wird die Spinne von einem verkommenen Knecht befreit. Die Spinne tötet fast alle Bewohner im Dorf. Der Herr dieses Knechts verschließt die Spinne wieder in ihrem alten Gefängnis und stirbt.

Die Botschaft in der Novelle ist eine religiöse Botschaft: Wer sich von einem frommen gottgefälligen Leben abwendet, der beschwert nicht nur für sich selbst,sondern für alle. In Vergleich zu Faust, wo man den Pakt mit dem Teufel nur für selber Vergnügen schließt, ist hier in Jeremias Gotthelfs Novelle der Sündenbock anders. Der Teufelspakt  in dieser Novelle ist in Hinsicht auf gut und böse komplizierter zu beurteilen.


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