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Die Arbeit eines Kulturreferenten – Zu Gast beim d.a.i.

Micha Himpel ist Kulturreferent am Deutsch-Amerikanischen-Institut in Tübingen und zuständig für die Veranstaltungsplanung. Zusammen mit seinem Kollegen Daniel Messmer erstellen sie das Kulturprogramm des d.a.i. und treffen so wichtige Entscheidungen für aktuelle und zukünftige Projekte.

Zur Ausstellungseröffnung von „Vivian Maier: In the Streets“ war ich zu Gast in der Karlstraße 3 und habe mit Micha über seinen Job und die Arbeit am d.a.i. gesprochen.

Zum 70. jährigen Jubiläum des d.a.i. konnten die Kulturreferenten Micha und Daniel eine ganz besondere Ausstellung auf die Beine stellen. Mit einer großen Ikone der amerikanischen Street Photography, die bereits in vielen berühmten Kunstausstellungen zu sehen war, kamen nun einige Bilder der postum gefeierten Künstlerin nach Tübingen. Doch wie beschafft man als Kulturinstitut solch gefragte Werke? Und welche Herausforderungen entstehen bei der Anfrage? Durch das Gespräch mit Micha wurde mir deutlich, dass es nicht immer ein leichtes Unterfangen ist.

Der erste Schritt des Kulturschaffenden ist es, sich über den Künstler beziehungsweise die Künstlerin zu informieren. Wie viele Werke hat die Person geschaffen? Welche davon werden zur Zeit an welchen Orten ausgestellt? Gibt es, wie in diesem Fall, andere Personen die für die Vermarktung der Kunst verantwortlich sind? Als nächstes konzentriert sich der Kulturreferent darauf, mit den Kunsthäusern Kontakt aufzunehmen. Dadurch lernt er Leute kennen, die wiederum mit anderen Ansprechpartnern bekannt sind und wissen, an wen man sich wenden muss. Diese Personen kontaktiert er bezüglich den Kunstwerken/Kunstsammlungen und macht anfragen.

Was ist aber bei diesen verhandelnden Gesprächen wichtig? Klar ist, dass es zwei unterschiedliche Interessengruppen gibt. Einmal die Zuständigen, welche die Kunst für hohe Preise vermarkten wollen. Auf der anderen Seite die Kunsthäuser und Kulturzentren, die für ihre Besucher:innen einen Mehrwert schaffen möchten. Bei den Bildern von Maier, die mit Preisen von 8.000 bis 27.000 € betitelt sind, wird jedoch klar, dass auch die Kosten zur Ausstellung relativ hoch sind. Denn nicht nur die Ausstellung, sondern auch die Versicherung und der Transport kosten Geld. Auch wenn es sich bei den Werken nur um Abzüge handelt, werden die Urheberrechte sehr ernst genommen, während der Hype um die Kunst weiterhin anhält.

Vivian Maier wurde vor allem damals als „fotografierendes Kindermädchen“ oder als „Mary Poppins mit Kamera“ bezeichnet. Heute hat sie den Status einer großen Künstlerin. Gerade deswegen werden ethische Fragen immer öfter gestellt. Welche Rolle spielt das Recht am eigenen Bild? Und hätte sie einer solchen Vermarktung und Ausstellung ihrer Werke jemals zugestimmt? Diese Fragen bleiben weiterhin strittig. Das d.a.i. als Aussteller macht lobenswerter Weise genau auf diese Werte und Fragen aufmerksam und berücksichtigt ethische Komponenten soweit wie möglich durch Anmerkungen zu den Bilder.


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