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Rassismus in Kinderbüchern

Anna Karina Ulbert, Studentin an der Universität Tübingen im Studiengang Internationale Literaturwissenschaft und Anglistik, hat einen Vortrag zu „Rassismus in Kinder- und Jugendbücher“ gehalten, ein leider weit verbreitetes Problem, vor allem in Klassikern.

„Und jetzt, wo alle Menschen die gleiche Farbe hatten, hörten sie auf, sich zu streiten, und lebten in Frieden miteinander.“ – Die Blaue Wolke von Tomi Ungerer. So einfach das auch klingen mag, eine Lösung für Rassismus ist das leider nicht.

Vielmehr spricht man damit einerseits den People of Color (kurz: POC) ihre Kultur ab, andererseits impliziert das, dass Konflikte nur durch das unterschiedliche Aussehen von Menschen entstehen und nur gelöst werden können, wenn alle gleich sind.

Von Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf in Taka-Tuka Land“ bis hin zu „Jim Knopf“ von Michael Ende. Bücher, die wir als Kind gern gelesen haben sind rückblickend problematischer als man denkt. Verwendete Begriffe wie das N-Wort, Beschreibungen, die weiße Dominanz in den Vordergrund stellen und generell die Idee von „Rassen“, die es – wissenschaftlich belegt – gar nicht gibt, sind leider allgegenwärtig in diesen Büchern.

Da stellt sich doch die Frage, wieso wir so sehr an diesen Büchern festhalten wollen? Sentimentalität ist kein triftiger Grund zu riskieren, dass unsere Kinder – oder auch wir selbst – ein verzerrtes Bild von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, People of Color, bekommen. Denn genau das bewirken solche Geschichten bei Kindern, da sie, vor allem wenn sie jünger sind, sehr beeindruckbar sind.

Literatur, vor allem Kinderbücher, die mit ca. 5000 Neuerscheinungen jährlich die zweitwichtigste Kategorie auf dem Buchmarkt ausmachen, sollten die Vielseitigkeit der Welt repräsentieren, damit Kinder bereits im jungen Alter sich einerseits mit Figuren in diesen Geschichten identifizieren können und andererseits auch so lernen, dass gewisse Fragen und Wörter verletzend für Mitmenschen sein können.

Im Jahr 2018 wurde von der Corporative Children‘s Books Center in Wisconsin eine Statistik aufgestellt, die auf der Dursicht von 6000 Büchern beruht, sowohl Kinder als auch Jugendliteratur. Dabei wurde festgestellt, dass 50% aller Hauptrollen weiß sind, 27% waren Tiere, inklusive Fantasiegestalten und 23% repräsentierten rassistisch marginalisierte Gruppen. Das heißt, dass in den meisten Fällen noch eine sehr weiße Realität repräsentiert wird, wobei Tiere noch mehr repräsentiert werden als marginalisierte Gruppen

Das ist besonders schade, da Kinderbücher auf dem Buchmarkt die zweitwichtigste Kategorie darstellen, mit ca. 5000 Neuerscheinungen pro Jahr.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir beim nächsten Mal, wenn wir unseren Kindern was zum Lesen raussuchen, es uns doppelt und dreifach überlegen, ob wir jetzt zu den Klassikern greifen oder doch lieber ein neueres, inklusiveres Kinderbuch auswählen wollen. Eine Buchempfehlung meinerseits wäre Little People Big Dreams, eine Reihe wo berühmte Persönlichkeiten wie Ella Fitzgerald oder Martin Luther King Jr. ihren Lebensweg zeigen und den Kindern somit sagen, dass man als kleine Person auch große Träume haben kann.


Audio

Download (23,16 MB)
Rassismus_in_Kinderbuechern.mp3



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