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LTT-Dramaturgie :: Fünf Stücke im Überblick

Laura Guhl, Jannika Erdmann und Thomas Gipfel sind Dramaturg*innen am (Jungen) LTT. Sie erzählen von Herausforderungen im Theaterbetrieb unter Coronabedingungen, ihrer Arbeit im Allgemeinen und stellen fünf ihrer aktuellen Stücke vor.

Trotz Corona und vielen Schwierigkeiten schaffte es das LTT, seinen Betrieb durchgängig aufrechtzuerhalten. Ein strenges Testregime, das Fälle aufdeckte und Infektionsketten effektiv unterbrach, kombiniert mit einer flexiblen Terminplanung, machte dies möglich. Vorstellungen wurden getauscht, wenn nötig abgesagt und später nachgeholt.

Die drei Dramaturg*innen berichten von den Stücken, die aktuell am LTT auf der Bühne zu sehen sind.

„Der Fiskus“ ist eine Inszenierung, die in einem Finanzamt spielt und sich dem alltäglichen Kampf der Finanzbeamt*innen zwischen Steuerflucht, Formularfluten und anwaltlichen Abmahnungen widmet. Garniert mit der ganz eigenen Perspektive der dort Arbeitenden auf persönliche und Beziehungsprobleme und wie sich diese möglichst gut von der Steuer absetzen lassen. Den brisanten finanzpolitischen Rahmen bildet der Cum-Ex-Skandal.

Woyzeck“ erzählt die Geschichte eines Soldaten, der von seinem kargen Sold kaum den Unterhalt seines unehelichen Kindes zahlen und dabei selbst überleben kann. Daher nimmt er Nebenjobs bei einem skrupellosen Arzt an, der ihn nicht nur psychisch und physisch ausnutzt, sondern auf öffentlich demütigt. Als er schließlich feststellt, dass seine Freundin eine Affäre hat, ermordet er sie bei einem abendlichen Spaziergang. Laura Guhl ist es hier besonders wichtig, auf die besondere Rolle des Protagonisten hinzuweisen, der einerseits das sympathische Opfer verkörpert, das schlussendlich selbst zum Täter wird. Hochaktuelle Bezüge zum Verhältnis zum Militär oder das Thema Femizide machen das Stück auch heute noch sehenswert.

Das Stück „Angstmän“ setzt sich mit dem Phänomen der Angst auseinander. Die Protagonistin Jennifer findet bei einem Abend allein zu Haus den größten Angsthasen des Universums in ihrem Schrank. Dieser ist auf der Flucht vor seiner Nemesis: Pöbelmän. Das Stück setzt sich mit Angst, Wut, ihrer Berechtigung und dem richtigen Umgang mit diesen Emotionen auseinander. Aufgearbeitet auf eine Weise, die besonders für ein junges Publikum geeignet ist und die auch die geschlechterspezifischen Zuschreibungen von gerechtfertigter Wut und Angst nicht außer Acht lässt und hinterfragt.

„Bunbury oder: Ernst sein ist wichtig!“ ist eine ernsthafte Komödie von Oscar Wilde, die sehr geschickt mit Wahrheit und Lüge spielt und die Zuschauer*innen bewusst in die Irre führt. Das Millieu, in dem das Stück spielt, ist offensichtlich gehoben, „urbane Hipsterszene“ ist hier das Stichwort. Im Kontrast sind andere Szenen im offensichtlich ländlichen Raum angesiedelt. Darauf zielt Wilde bewusst ab, will die Diskrepanz zwischen Großstadt und Land hervorheben, die unterschiedlichen sozialen Rollen, Codes, wie diese entstehen und sich auswirken.

Siri und die Eismeerpiraten“ spielt am eisigen Rand der Welt. Siri wächst mit Geschichten über den Piratenkapitän Weißhaupt auf, der Kinder raubt, um sie in seiner Diamatenmine schuften zu lassen. Als die Geschichten plötzlich Realität werden und Siris Schwester Miki geraubt wird, muss sie allein los, um ihre Schwester zu retten. Ihr Heimatdorf hat keine Hoffnung, ihr alter Vater ist zu schwach. Das Besondere an der Inszenierung: Die Geschichte, die in einer sehr weitläufigen Umgebung spielt, wird auf einem einzelnen Tisch dem Publikum präsentiert. Lediglich zwei Schauspieler*innen erzählen mit einfallsreichen Requisiten Siris Reise durch und über das Eismeer, Begegnungen mit Möchtegernpiraten, Verbündeteten und schließlich mit Weißhaupt selbst.


Audio

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LTT_Dramaturgie_Vorstellungsrunde.mp3


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LTT_Dramaturgie_Fiskus.mp3


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LTT_Dramaturgie_Angstmaen.mp3


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LTT_Dramaturgie_Woycek.mp3


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LTT_Dramaturgie_Bunbury.mp3


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