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Ducks on Drugs – Über Inspiration, Fehlertoleranz und so viel Liebe

Hinter Ducks on Drugs verbergen sich das kongeniale Indie-Pop-Duo aus Daniela Reiss und Ente Schulz. Daniela war vorher Teil der Indie-Popband „Schnipo Schranke“, Ente, Ehemann von Daniela kam ab dem Album rare dazu und unterstützte die Band vor allem live. Nach dem Bruch der Band gründete das Paar 2019 eine eigene Band: Ducks on Drugs. Im Interview erzählen die Beiden von der Entstehung, das Liederschreiben, die Bedeutung ihrer Texte und vieles mehr.

„Ich kann jetzt endlich Gitarre spielen“, sagt Daniela lachend auf die Frage, wie die Gründungslegende aussah. Und hält auf den Konter, sie seien aber doch keine Gitarrenband, verschmitzt dagegen: „Wieso, ich spiel doch bei jedem Lied Gitarre.“

Ducks on Drugs – das sind Synthie-Sounds gemischt mit Gitarre, unendliche Variationen, das sind moderne Texte mit eigenem traurigen Witz, das sind schmerzhafte Problempunkte, die sich zu lindernden Liedern wandeln. Dani ist die Komponistin und Songschreiberin mit „unglaublichem komponistischem Gespür, wie Ente erzählt, er die Muse, die ihre psychischen Auffälligkeiten mindert, wie sie ergänzt. Ente mag Musik, die grade und griffig ist; „wenn Dani mit ihren Songs ankommt, versuche ich, die zu bügeln“, sagt er schmunzelnd. Woher sie die Inspiration nimmt? „Ich brauch‘ keine Inspiration, ich bin die ganze Zeit inspiriert“, erklärt die Sängerin. Und: „Um einen Song zu schreiben, muss man sich hinsetzen und einen Song schreiben.“ Das brauche Stille, das brauche Zeit. „Man muss warten, bis die Alltagsprobleme verstummen, dann kann man anfangen.“

Die beiden sind ehrlich in diesem Gespräch, reden offen über ihre psychischen Probleme, über Erfahrungen mit Drogen und über Dinge, die sie aneinander nerven. Diese Authentizität möchten sie auch ihren Zuhörenden geben, wichtig sei Fehlertoleranz: „Man gibt den Leuten mehr, wenn man so kommt, wie man ist“, sagt Dani. Ihr selbst sei es als Zuhörerin wichtig, wenn Themen angesprochen werden, die einen Punkt berühren, für den man sich selbst vielleicht schämt. „Ich mag es, wenn ich so erfahren darf, dass ich selbst schwach sein darf.“

Die beiden sehen sich als Beispiel, dass jeder und jede auf die Bühne kann, wenn er oder sie das wirklich möchte. Gleichzeitig betonen sie aber auch: „Wir liefern fett ab.“ Sie besäßen beide Star-Appeal, witzeln sie. Das sei das Bedürfnis, auf der Bühne zu stehen und gehört zu werden.

Es ist ein erfrischend ehrliches und trotz aller Tiefe heiteres Interview. Ente und Dani - Diese beiden sind füreinander gemacht, soviel wird bei diesem Gespräch klar. Ob gemeinsamer Humor, die Liebe zur Musik oder zueinander – Dani und Ente, Ducks on Drugs, das ist ein Duo, das bleibt. „Schon aus medizinischen Gründen ist alleine sein nichts für uns“, lacht Ente mit Bezugnahme auf die kompatiblen psychischen Erkrankungen der beiden. Für die beiden geht es darum, Probleme zu teilen, füreinander da zu sein.

Warum Ducks on Drugs, fragen wir? Ducks kommt natürlich vom Vornamen Ente, dieser wiederum stammt aus seiner Kindheit, ein Spitzname, vom Bruder vergeben. Als dieser einmal auf dem Tisch ist, ist beiden klar: der muss dabei sein. Das „on drugs“ bezieht sich auf die Drogenerfahrungen, aber auch auf den Wesenszug beider, der sie an solche Substanzen herangeführt ist und der bleibt. Jede und jeder für sich hat einiges durchgemacht, aber gerade deswegen verstehen sie so gut, was der oder die Andere manchmal durchmacht. Und: genau das wollen sie auch anderen geben – Leute, die in ähnlichen Lagen waren wie sie; Schmerzen lindern.

Wie sich die Zukunft der Musikbranche entwickeln wird? Einige Entwicklungen sehen die beiden kritisch, Reels und social media ersetzen Radio-Interviews, Musik-Magazine und Musikvideos. „Alles, weswegen ich den Beruf mal geil fand, verschwindet irgendwie“, beobachtet Dani. Es sei ein leeres, hohles Gefühl, einen Instagrampost hochzuladen. Aber sie sagt auch: "So ein Radiointerview hier bei euch, da hab ich dann den ganzen Tag ein gutes Gefühl.“ Wir können dieses Kompliment nur zurückgeben.

Am Freitag, 18 März, spielen Ducks on drugs im Franzk im Rahmen ihrer "So viel Liebe"-Tour. Die Wüste Welle verlost hierzu 2x2 Karten! Mehr infos gibts dazu hier. Im Gepäck hat das Hamburger Duo nicht nur Songs von ihrem Debütalbum »Stabil labil«, sondern auch viele neue Songs, die die Band noch nie live gespielt hat. Musikalisch bewegt sich die Musik von Ducks on Drugs zwischen Elektronik, Synthies, Gitarren, Schlagzeug vom Band und Pop. Ducks on Drugs experimentieren und kreieren so einen spannenden Sound, der nie langweilig wird. Es gibt immer etwas zu entdecken!


Audio

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Ducks_on_Drugs_lange_Version_.mp3


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Ducks_on_Drugs_kurze_Version_.mp3


Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

Fr, 18.03.2022
20:00
Indi(e)stinction
So viel Liebe - Tour 2022


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