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"Eichi bleibt": Waldbesetzung gegen Rodung im Ulmer Eichenwald

Seit dem 20. Februar besetzen lokale Aktivisti in Ulm ein an die Uniklinik grenzendes Waldstück mit 150 Jahre alten Eichen. Dieses soll für ein provisorisches Bettenlager gerodet werden. Die Aktivisti erzählen über die Verantwortlichkeiten an der geplanten Rodung, die Resonanz in der Bevölkerung und den erhofften eigenen Zielen.

„Es ist einfach nur tragisch diesen schönen Wald für einen provisorischen Bau zu roden. Ganz komisch wirkt, dass es eine Alternative gibt, die von der Uniklinik akzeptiert wurde, das Bettenlager auf eine Fläche unterhalb des Walde zu bauen. Das hätte anscheinend Nachteile,dass die dahinter liegenden Gebäude nicht so viel Sonnenlicht bekommen. Wenn das das schlagende Argument sein soll, dann tut es mir leid, dass in einer Klimakrise diese Argumente so hochgehängt werden, dass dafür eine ganze Waldfläche gerodet wird.“ meint eines der Aktivisti.

Wälder sind nicht nur stark vom Klimawandel bedroht – sie selbst sind zugleich wichtige Klimaschützer. Sie filtern das klimaschädliche Kohlendioxid aus der Luft und spalten es in Sauerstoff und Kohlenstoff. Insgesamt wirken Bäume und Wälder also bremsend auf die Klimaerwärmung Wird allerdings mehr Holz geerntet oder verbrannt, als wieder nachwächst, ist die CO2-Bilanz negativ. Großflächige Brandrodungen und rücksichtsloses Abholzen von Wäldern verursachen mehr Treibhausgasemissionen als alle Autos und Flugzeuge der Welt zusammen.

Bei der Frage der Verantwortlichen scheinen die Beteiligten diese von sich weisen zu wollen:„Es ist ne relativ komplizierte Angelegenheit: Der Grund und Boden gehört dem Land, Bauherr ist die Uni und die Genehmigungsbehörde ist die Stadt Ulm und die hatte die Möglichkeit gehabt ein Veto einzulegen, was sie nicht getan hat.“

Dennoch sieht sich die Stadt Ulm nicht schuldig und generell werden viele der Entscheidungen als intransparent wahrgenommen, was von den Aktivisti kritisiert wird.

Der Wald in Ulm wurde bis zum zweiten März besetzt. Damit ist die Rodungssaison gut überstanden und das Waldstück bleibt vorerst unberührt. Die Aktivistis fordern von der Stadt einen klaren Diskurs und Dialog um die Rodung in der nächsten Saison zu verhindern.

So bauen die Aktivisti ihr Traversennetz aus den Bäumen zwar ab, achten jedoch darauf, was genau mit dem Waldstück passiert. „Natürlich werden wir ganz genau ein Auge darauf haben,was hier vor sich geht und regelmäßig vorbeischauen. Wir hoffen, dass die Stadt ihre Pläne nicht durchzieht, weil sie hoffentlich gemerkt hat, dass die breite Öfffentlichkeit dagegen ist. Wir werden uns nicht weiter auf Demos und Unterschriftenlisten verlassen sondern  im Zweifelsfall wieder auf Bäume steigen," meint eines der Aktivisti zum Abschluss. 


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Ulm_Besetzung.mp3



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