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Die Abgründigkeit des Begehrens in "Quartett" im LTT

Das Stück „Quartett“, das seit dem 12. Februar im LTT läuft, handelt von den ehemaligen Liebhaber*innen der Marquise de Merteuil, gespielt von Susanne Weckerle und dem Vicomte de Valmont, gespielt von Stephan Weber, die nun Gegenspieler*innen sind.

Das von Heiner Müller geschriebene Stück "Quartett" entstand 1980 und wird in den Zeitraum „Salon vor der Französischen Revolution/Bunker nach dem dritten Weltkrieg“ eingeordnet. Inspiriert wurde das Stück von dem Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ von Choderlos de Laclos

„Ich glaube wir wissen, dass was Sie Liebe nennen, eine Domäne der Domestiken ist. Das höchste Glück ist das Glück der Tiere, selten genug, dass es uns in den Schoss fällt.“  Die Charaktere liefern sich sexuell aufgeladene Wortduelle und fechten einen Machtkampf aus.

Brigitta Maria Mayer hat mit „Quartett“ ihr Debüt als Theaterregisseurin gestartet. Sie war die letzte Ehefrau Heiner Müllers, der nun mittlerweile über 20 Jahre tot ist. Sie schafft es durch Regie und Bühne die Geschichte der beiden Antagonist*innen darzustellen. In kurzen Augenblicken lassen sie durchblicken, dass sie selbst Opfer von Missbrauch waren und dieses Trauma nie aufgearbeitet haben. Auf  Bildschirmen werden Szenen von Missbrauch zweier Jugendlicher Protagonisten durch einen Kirchenmann dargestellt. Einen Bezug der auf die Missbrauchsfälle der Kirche anlehnt.

„Meine Spiegel schwitzen sein Blut, ich lache über fremde Qualen wie jedes Tier das mit Vernunft begabt ist, aber manchmal träume ich das er auf meinen Spiegel tritt mit seinen Füßen aus Stallmist, seine Hände sehe ich genau, Krallen, Hufen wie es mir die Seide von den Schenkeln reißt und wirft sich auf mich wie Erdschollen auf den Sarg,“ erinnert sich die Marquise.

Die Opfer werden zu Täter*innen, indem sie mit anderen Personen spielen und deren Leben versuchen zu zerstören Die Marquise fordert Valmont heraus ihre jungfräuliche Nichte Volange zu verführen, bietet sie praktisch in einem Handel an, er möchte stattdessen die religiöse und verheiratete Madame de Tourvel für sich gewinnen. Das Altar ähnliche Bühnenbild mit einer blutenden Jesusfigur, stellt dabei sehr bildlich das unmoralische Spiel der beiden da. Je weiter das Spiel geht, desto blutiger werden die anfänglich weißen Kleidungsstücke der Protagonisten.
 Beide schlupfen sie in sämtliche Rollen: Valmont spielt sich selbst und die von ihm begehrte Tourvel , die Marquise spielt zu ihrer eigenen Rolle , Valmont und ihre Nichte Volanges. Ein Geschlechtertausch, der 40 Jahre nach der Uraufführung durchaus auch im Geist der Zeit Gendernormen aufzubrechen ersucht.

„Quartett“ ist noch bis zum 22. April diesen Jahres im LTT zu sehen.


Audio

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Quartettt_-MP3.mp3



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