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Kulturelle Aneignung :: Motive, Mode und Machtgefälle

Natalia Hernanz García hat im dai (deutsch-amerikanisches Institut) Tübingen einen Vortrag zu kultureller Aneignung am Beispiel indigener Textilien im Amerika gehalten. Die passiert überall um uns herum. Ob Frisuren, Kunstwerke, Tänze, Lieder, Designs, Motive oder Geschichten - kulturelle Aneignung kann bei fast allen Arten von Gütern auftreten. Ein besonders wichtiger Bereich: die Modeindustrie. Wie die Problematik aussieht, wo sie auftritt und was wir dagegen machen können.

Kulturelle Aneignung – was ist das eigentlich? Was ist der Unterschied zwischen kultureller Aneignung und kultureller Anerkennung? Und was hat das mit Mode zu tun?

Natalia Hernanz García, Ethnologin und Referentin bei Future Fashion, hat sich mit kulturellen Aneignung indigener Textilien in Amerika beschäftigt und einen Votrag beim dai (deutsch-amerikanischen Institut) Tübingen gehalten.

Sie erklärt, was darunter zu verstehen ist, liefert Beispiele und zeigt die Problematik auf, die dabei entsteht. Denn kulturelle Aneignung ist eine komplexe Sache: die Grenzen zwischen Aneignung und Anerkennung sind fließend. Ersteres ist von Respekt, Rücksicht und ehrlichem Interesse an der anderen Kultur geprägt, letzteres von Eigennutz und Rücksichtslosigkeit.

Gleichzeitig ist unsere globalisierte Welt, bei der dynamische Einflüsse normal sind und nicht verschwinden werden, ein schwieriges Umfeld, um Regeln zu schaffen und eine Verfolgung und Ahnung von Verstößen durchzusetzen. Schließlich kann sich kulturelle Aneignung auf fast alle Arten von Gütern beziehen: Schmuck, Kunstwerke, Tänze, Lieder, Designs, Motive oder Geschichten, die von Menschen aus einer bestimmten Kultur ohne Erlaubnis genommen werden. Während die marginalisierten Gruppen für ihr Aussehen oder ihre kulturellen Bräuche ungerecht behandelt werden, bereichern sich gleichzeitig dominante Gruppen an deren Symbolen – ohne Diskriminierung befürchten zu müssen.

Gerade im Bereich Mode ist das Thema dabei brandaktuell - im Zeitalter von fast fashion und Markenriesen, die eine starke Marktmacht besitzen und denen oft wenig entgegengestellt werden kann. Immer wieder gibt es Fälle, in denen von indigenen Kulturen Motive und Muster kopiert und gestohlen werden – mit verheerenden Folgen.

Durch die darauffolgende Kontextualisierung werden durch solche Praktiken Motive dekontextualisiert, missverstanden und führen zu Stereotypisierung. Und natürlich hat die ganze Sache auch einen starken wirtschaftlichen Effekt: oft wird an den Plagiaten ein Vielfaches vom Originalpreis verdient.

Miriam Hitzelberger vom Dachverband Entwicklungspolitik und das Team rund um Future Fashion, zu dem auch García gehört, haben es sich zur Aufgabe gemacht, nachhaltige Mode zu fördern und das Bewusstsein rund um die Problematik zu stärken, um dem Machtgefälle entgegenzuwirken und langfristig Veränderung zu schaffen.

Am dai findet derzeit auch eine Ausstellung zum Thema "native runway - indigenious fashion from North America" statt.


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