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Zwischen Himmel und Hölle :: Das Tübinger Generationentheater Zeitsprung

In der zweiten Stunde des Lokalmagazins durften wir Friederike, Helga und Claudia vom Generationentheater Zeitsprung begrüßen. Die drei sprachen unter anderem über ihr aktuelles Stück "Zwischen Himmel und Hölle".

Tübingen im Jahr 1628. Der Student David wird verdächtigt, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben und wartet auf sein Urteil, das vermutlich eine Verbrennung auf dem Scheiterhaufen bedeutet. Das ist die Rahmenhandlung des Stücks "Zwischen Himmel und Hölle", das vom Generationentheater Tübingen auf die Bühne gebracht wird. 

Im Interview haben Friederike, Helga und Claudia, alle Teil des Generationentheaters, mehr erzählt. So spiegele das Stück den Zwist der Bevölkerung im 17. Jahrhundert bezüglich der Hexenverfolgung und -verbrennung wieder. Denn während David im Kerker sitzt und sein Schicksal noch ungewiss ist, treffen draußen die verschiedenen Seiten aufeinander, die abergläubischen Bürger*innen und diejenigen, die vernunftsgesteuert leben.

Neben dem Studenten David, der von Claudia gespielt wird, gibt es auch noch einige andere Rollen. Beispielsweise die Sterne, die das ganze Geschehen von oben betrachten und kommentieren, also eine gewisse Allwissenheit besitzen. Friederike spielt einen der Sterne, den Aldebaran. Der Aldebaran ist der hellste Stern, den man im Sternzeichen Stier entdecken kann. In der Mythologie gilt der Stern als kämpferisch und als Bewacher der Welt. Neben ihm gibt es noch zwei weitere Sterne, die das Geschehen ebenfalls im Blick haben. Außerdem haben die Mitglieder des Generationentheaters auch noch einen Raben und drei Jugendliche in ihr Stück eingebaut. Der Rabe soll für das Magische stehen, zwei der Jugendlichen verfolgen das Ziel, David zu retten, während die Dritte aufgrund ihrer strengen Religiosität sich nicht sicher ist, ob nicht doch etwas an Davids Schuld dran ist.

Dann gibt es noch Wilhelm Schickhardt und seine Tochter, die versuchen, David aus dem Kerker zu befreien. Bei Wilhelm Schickhardt handelt es sich um den berühmten Astronom und Mathematiker, der tatsächlich gelebt hat. Wie die drei erzählen, basiert das Stück grundsätzlich auf einer wahren Begebenheit, denn auch David ist nicht frei erfunden.

Sie sprachen auch im weiteren Sinne über die Hexenverfolgungen in Tübingen und Umgebung. So gab es sie in Tübingen selber wenig, während die Tübinger Bevölkerung sich aber regelmäßig auf den Weg nach Rottenburg machte, um dort das grausame Spektakel zu erleben. Auch in Ellwangen waren Hexenverbrennungen Teil der Tagesordnung. Etwa die Hälfte aller Ellwangener Frauen landete auf dem Scheiterhaufen. Ein Ende fand das erst, als man merkte, dass es keine Frauen mehr gab, die die ganzen Kinder versorgen konnten.

Außerdem erzählten Helga, Friederike und Claudia, wie sie generell ihre Stücke entwickeln. Meist entstehe eine Initiativgruppe um Helga, zu der alle dazustoßen können, die genug Zeit und ein gewisses Verständnis für das Theaterspiel haben. Aus einer Idee und einigen Textfragmenten werden dann weitere Figuren dazu entwickelt und durch Improvisationssessions entsteht die Dramaturgie.

Das besondere an dem Ensemble ist, dass Personen unterschiedlichen Alters zusammen spielen. Für die Älteren bringe das häufig neuen Schwung rein, so Friederike. Die Jugendlichen kämen in erster Linie, weil sie Theater spielen wollen und nicht wegen der unterschiedlichen Generationen. Doch auch sie könnten gerade während der Pubertät viele bereichernde Erfahrungen sammeln und das Ensemble habe oftmals das Potential, nicht nur ein Anker für junge Leute zu sein, sondern auch zur persönlichen Weiterentwicklung beizutragen.

Helga, die auch Dozentin für Theaterpädagogik ist, baut oftmals Spiele zum Teambuilding in ihre Proben ein, beispielsweise gemeinsames Volleyballspielen. Sie sagte, dass sowohl die Jugendlichen von der Erfahrung der Älteren proftieren  können, als auch die Älteren von der Energie der Jungen. Und das ohne, dass sich jemand schon zu alt oder noch zu jung fühlen muss.

Am 2. Dezember gibt es eine szenische Lesung des Stücks, am 27. Mai wird es dann Open Air an verschiedenen Stationen in Tübingen aufgeführt.


Audio

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Interview_Generationentheater_lang.mp3


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Interview_Generationentheater_kurz.mp3



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