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Auf den Spuren der Stolpersteine

Auf den Spuren der Stolpersteine ist eines, von vielen Themen mit denen sich die Tübinger Jugendguides vom Landratsamt Tübingen auseinandersetzen.

Stolpersteine begegnen uns in unserem Alltag häufig auf der Straße. Man ist in Eile, läuft durch die Altstadt und sieht die gold-glänzenden platten auf dem Boden. Neben den Pflastersteinen fallen sie kaum auf. Man stolpert über sie. Sie bringen uns aber in diesem Moment ein wichtiges Thema wieder in unser Gedächtnis: Menschen die aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie und Religion systematisch vom Nationalsozialistischen Regime ermordet und vertrieben wurden. 

Hinter diesen Stolpersteinen liegt aber ein großes Projekt des Künstlers Gunter Demnig, um an die Jüdinnen und Juden, die Opfer des NS-Regimes wurden, zu erinnern. Seit 1992 verlegt er Deutschlandweit diese Steine. In Tübingen gibt es sie erst seit 2011. Zunächst nur in der Tübinger Südstadt. 2018 folgten weitere in der Altstadt und anderen Orten Tübingens. 

Was vielen häufig nicht präsent ist: auch Tübingen hatte eine prägende Rolle in der NS-Zeit. Neben zahlreichen NS-Akteuren als auch der Universität, gab es auch in Tübingen Deportationen von Jüdinnen und Juden. Die erste Deportation wurde am 28. November 1941 vollzogen. Zunächst nach Stuttgart auf den Killesberg und von dort aus in der nacht vom 1. Dezember weiter in das Konzentrationslager in Riga. Eine weitere folgte im August 1942. Am 20. August 1942 wurden die Jüdinnen und Juden aus Tübingen wieder auf den Killesberg gebracht. Von dort aus wurden sie am 22. August weiter in das Ghetto Theresienstadt depotiert. Kaum einer/eine der Tübinger depotierten Jüdinnen und Juden überlebte diese schreckliche Zeit. 

Darunter:

Charlotte und Albert Pagel: Deportation am 22. August 1942 nach Theresienstadt, von dort im Jahr 1943 nach Auschwitz. Stolperstein: Kelternstraße 8
Selma Schäfer: Deportation am 28. November nach Stuttgart, am 1. Dezember weiter nach Riga. Stolperstein: Neue Straße 17
Elfride Spiro: Deportation ab Stuttgart am 22. August 1942 nach Theresienstatdt, von dort 1943 nach Auschwitz. Stolperstein: Christophstraße 1
Ruth Marx: Deportation am 28. November nach Stuttgart, am 1. Dezember weiter nach Riga-Jungfernhof. Sie war nur acht. Stolperstein: Hechinger Straße 9
Max Löwenstein: Deportation am 22. August in das Ghetto Theresienstadt. Stolperstein: Hechinger Straße 9

und viele weitere.

Im Rahmen der Jugendguides werden jedes Jahr Jugendliche und junge Erwachsene ausgebildet. Durchgeführt und gefördert wird das von Dr. Wolfgang Sannwald vom Tübinger Kreisarchiv vom Landratsamt und dem KulturGut e.V. Zudem gibt es regelmäßig auf der eigenen Webseite "Erinnern-Vor-Ort", Themen der Erinnerungskultur rund um die NS-Verbrechen in Tübingen. Denn Hinter den einzelnen Steinen und Zahlen, stecken echte Menschen, mit echten Biographien, an die es zu erinnern gilt.


Audio

Download (12,58 MB)
Beitraeg_Stolpersteine.mp3



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