Login

 Infos und Regionales


LOKALMAGAZIN


Beiträge & Artikel

L´Horizon - Der Horizont :: Französische Filmtage 2021

Bei den Französischen Filmtagen gab es den Film "L'Horizon", auf Deutsch "Der Horizont" zu sehen. Er beschäftigt sich mit Klimaschutz und Umweltaktivismus in Zeiten der Fridays for Future-Bewegung.

Fridays for Future, Umwelt, Klimaschutz. Um diese Themen kommt man mittlerweile gar nicht mehr herum, so aktuell und relevant sind sie. Und weil sie so relevant sind, geht es auch in dem Film "L´Horizon" um nichts geringeres.

Die Fridays for Future Bewegung aus der Banlieue von Paris protestiert gegen „Dream City“, ein klimaschädliches und konsumförderndes Städtebauprojekt. Mitten drin die 18-jährige Adja, die Protagonistin im Film "L´Horizon". Sie ist neu in der Bewegung und kommt aus einem Umfeld, das sich nicht sonderlich für Umweltschutz interessiert. Ihr Bruder Tawfiq ist ein gefeierter Fußballer, der auf der Karriereleiter schnell nach oben klettert und von der Familie gepusht wird. Ihre beste Freundin Sabira ist eine Influencerin auf Instagram, für die nur jeder Klick und jeder Like zählt. Dann gibt es aber noch Arthur, der mit ihr zur Schule geht und wie sie im Altenheim ein Praktikum macht. Er sieht sich selbst als Anarchisten, ist Teil der Klimabewegung und wohnt in einem selbstverwalteten Wohnprojekt in der Natur. Anfangs macht sich Adja noch über Arthur, seinen Lebensstil und seine Ansichten lustig, doch als er sie zur Demo gegen „Dream City“ mitnimmt, begeistert sie sich zunehmends für Umweltaktivismus. Die anfangs friedliche Demo eskaliert jedoch, nachdem Arthurs Vater, dem seine Ackerflächen für den Bau von Dream City weggenommen wurden, einen Polizisten schubst. Davon lässt Adja sich aber nicht abschrecken, selbst als sie wegen der Eskalation bei der Polizei vorstellig werden muss.

Stattdessen möchte sie Arthurs Leben noch besser kennenlernen, vor allem seitdem die beiden ein Paar sind. Er zeigt ihr das Leben in seinem Wohnprojekt, in dem sie die dort lebenden Kinder auch selber unterrichten und ihre eigenen Lebensmittel herstellen. Adja hinterfragt aber auch kritisch, ob das Unterrichten der Kinder nicht eine Form des Brainwashing ist, weil die Bewohner*innen, die sie unterrichten letztendlich auch nicht subjektiv sind. Arthur erklärt ihr aber daraufhin, dass sie die Kinder nicht zum aktiven Handeln aufrufen, sondern ihnen nur Wissen vermitteln, mit dem die Kinder dann selber entscheiden können, wie sie handeln. Aber es gibt auch andere Situationen, die sie als Neue in dem Umfeldverstärkt wahrnimmt. Beispielsweise, die Tatsache, dass eine andere Aktivistin im Beisein von Arthur oberkörperfrei unterwegs ist, provoziert sie, da der Lebensstil der Bewohner*innen des Wohnprojekts ungewohnt für sie ist.

Aber in ihrer anderen Welt, in der Tawfiq und ihre beste Freundin eine Rolle spielen, fühlt sie sich mittlerweile nicht mehr wohl. So wirft sie Sabira vor, dass diese sich auf Adjas Geburtstagsparty an Tawfiq rangeschmissen hat. Laut Adja aber nur, weil sie mit ihm als Freund noch erfolgreicher auf ihrem Instagramkanal sein könnte. Diesen Vorwurf lehnt Sabira ab, trotz allem beendet Adja die Feundschaft zu ihr und versöhnt sich wieder mit Arthur. Nachdem die Wogen mit ihm geglättet sind, wird sie auch als Teil der Umweltbewegung aktiver und ist dabei als sie auf Baustelle Dtinkbomben werfen. Tawfiq, der währenddessen auftaucht,versteht seine Schwester gar nicht mehr. Aber Adja lässt sich nicht mehr bremsen, da sie mit der Umweltbewegung endlich etwas gefunden hat, mit dem sie sich identifizieren kann. Nach einiger Zeit können Sabira und sie sich doch wieder vertragen, indem sie anerkenn, dass sie für unterschiedliche Werte stehen, sich aber deswegen nicht gegenseitig im Weg stehen müssen.

Auch während der Gerichtsverhandlung zu der eskalierten Demo stattfindet, macht sie mit, als Arthur und andere Aktivist*innen die Akten zerreißen und durch den Saal werfen. Der Film endet damit, dass die von der Polizei verfolgten Aktivist*innen auf einem Dach stehen, nachdem die Polizist*innen sie eingeholt haben. Auf dem Dach erklärt Adja, dass sie springt, wenn die Politik und die Justiz nichtd für die Umwelt tun. Sie appelliert an die anwesenden Polzist*innen doch lieber die zu verhaften, die dem Klima mit ihrer Politik schaden als die Aktivist*innen, die mit ihren Aktionen nür für Klimagerechtigkeit kämpfen wollen. Die anderen Aktivist*innen solidarisieren sich mit ihr und bilden eine Menschenkette.

Der Film bildet die aktuelle Jugend ab, für die Klima eines der wichtigsten Themen ist. Allein schon durch diese Aktualität ist er auf jeden Fall sehenswert. Dennoch bedient er einige Klischees, die sich in den Hauptpersonen wieder finden. So ist Sabira das ignorante Imsatgramgirl und Arthur der Umweltöko mit den Dreads. Die beiden stellen also extreme Gegensätze dar, die es so gar nicht geben muss. Schließlich gibt es auch auf Instagram sogenannte „Greenfluencer“, die sich mit Umweltschutz beschäftigen und Nachhaltigkeit bewerben. An sich zeigt der Film aber sehr schön wie Adja einen Identifikationsprozess durchläuft, mit dessen Konsequenzen, wie sich verändernden Beziehungen, sie umgehen muss.


Audio

Download (12,25 MB)
L-Horizon_Rezension_Abmischung.mp3





Freies Radio Wüste Welle, Hechinger Str. 203, 72072 Tübingen :: +49 7071 760 337 :: buero@wueste-welle.de