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Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht

Anlässlich der Reichspogromnacht unter dem Nazi-Regime im Jahr 1938 fand am Synagogenplatz eine Gedenkveranstaltung statt.

Am 9. November gedachten Boris Palmer, Martin Ulmer von der Geschichtswerkstatt, die Israelitische Gemeinde Württemberg, die Junge Geschichtswerkstatt sowie der Jugendgemeinderat, dem Pogrom, dem  Juden und Jüdinnen in Tübingen und ganz Deutschlands zum Opfer fielen.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer erwähnte in seinem Redebeitrag die Tübinger Familie Marx, die den Deportationen zum Opfer fiel. Aber auch Doris Doktor aus Tübingen fand als Überlebende der Shoah in seiner Rede Platz. Ebenso betonte er, wie schlimm es sei, dass Hooligans im Jahr 2021 immer noch Israelflaggen anzünden. In diesem Kontext ging er auch darauf ein, wie wichtig Gedenk- und Erinnerungskultur ist und welche Verantwortung Deutschland heute immer noch habe für die Verbrechen, die während des Dritten Reichs begangen wurden. 

Martin Ulmer von der Geschichtswerkstatt skizzierte bei der Veranstaltung einen groben Abriss der Pogromnacht in Tübingen. Dann verwies er auf Tübinger Institutionen wie die Jugendguides oder die Stolperstein-Initiative, die an die Naziverbrechen erinnern. Gleichzeitig appellierte er an alle Bildungsinstitutionen, den Bürger*innen demokratische Werte zu vermitteln und erinnerte an Ereignisse wie Halle im Jahr 2019, bei denen Antisemitismus zu einem Tatmotiv wurde. 

Im Redebeitrag der Israelitischen Gemeinde ging David Holinstat auf den schon seit Jahrhunderten vorherrschenden Antisemitismus ein und betonte, dass dieser mit ein paar Gedenkveranstaltungen und Solidaritätsbekundungen nicht aus der Welt geschafft sei. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass Antisemitismus oftmals als Isralekritik verharmlost wird, man in einem Wörterbuch aber niemals den Begriff "China-Kritik" finden würde. 

Anschließend stellten mehrere Redner*innen der Jungen Geschichtswerkstatt das Leben der jüdischen Familie Marx, die in Tübingen lebte, dar. Besonders ging es um Victor Marx. 

Auch die Tübinger Jugendgemeinderätin prangerte in ihrer Rede die strukturelle Verfolgung von Jüdinnen und Juden an. Sie beklagte, dass Jüdinnen und Juden heutzutage immer noch in Angst vor Verfolgung leben müssten und dass diese Angst für sie eine Selbstverständlichkeit sei. Sie endete damit, dass den Opfern zwar gedacht werde, trotz allem aber zu viel totgeschwiegen wird. 

Am Ende der Veranstaltung wurden die Namen jener verlesen, die den Pogromen zum Opfer fielen. 


Audio

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