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Markus Rieger-Ladich & Flora Petrik :: "Bildungsaufstieg, Klasse und Männlichkeit"

Die beiden Erziehungswissenschaftler*innen sprechen unter anderem über Bildungsaufstieg, Klasse und Männlichkeit und geben dazu einige Einblicke in ihre Forschungsmethoden.

Markus Rieger-Ladich und Flora Petrik lehren beide an der Universität Tübingen und befassen sich ausgiebig mit den Themen Bildungsaufstieg, Klasse und Männlichkeit. Zusammen konnten sie das Kapitel "Ein Rapper von Glasgows south side: Darren McGarvey über Männlichkeit." zu dem Buch "Prekäre Männlichkeiten: Klassenkämpfe, soziale Ungleichheit und Abstiegsnarrative" beisteuern.

Zunächst geht es jedoch im Interview um die „Verlogenheit“ der Gattung der Autobiographien. Diese sind laut Herrn Rieger-Ladich von reinem Heroismus geprägt. Es drehe sich bei der Gattung meistens nur um den Erfolg einer Person, das Umfeld werde nicht betrachtet und somit auch nicht die Einflüsse, die dieses auf den meist erfolgreichen Lebensweg hatte. Im Gegenteil zu diesen „One-man-Shows“ ist der Begriff Autosoziobiographie von Carlos Spörhase entstanden. Der Begriff beschreibt das Brechen dieser Traditionen und wendet sich ab von dem Heldenhaften und dem Überkommenen. Im Grunde geht es hierbei um das Ausklammern des eigenen Ichs und kann als gesellschaftskritische Geste aufgefasst werden.

So entstehen dann Bücher und Biographien neuer Gattung. Diese können schuldbeladen sein, von Scham besetzt, aber auch zornig. Durch die Betrachtung des Ichs in und mit dem Umfeld können genau so viele und tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der Person erzielt werden wie bei einer Autobiographie, die den Faktor Umwelt nicht beachtet, so die beiden Expert*innen.

Die Beiden Lehrenden arbeiten häufig zusammen und analysieren dabei gemeinsam einzelne Kapitel und Szenen. Dabei legen sie Wert darauf, zu beachten, wer sich in dem Moment wie positioniert, aber auch, wie das Handeln in der Retrospektive gedeutet werden kann. Daraufhin analysieren sie außerdem, welche Affekte bei ihnen beim Lesen der Abschnitte geweckt werden. So nahmen sie beispielsweise eine Szene, in der es um eine Situation im Schulbus geht, genauer unter die Lupe. Sie stellten hierbei fest, dass Männlichkeit beispielsweise eine Performance sein kann.

Im weiteren Verlauf des Interviews erzählt Flora Petrik von der Erfahrung, die sie im letzten Semester an der Universität machen durfte. Sie ließ Studierende ihren Bildungsweg skizzieren. Mit einigen Notizen kammen dabei viele neue Erkenntnisse für sie und die Studierenden zustande. Dies schätzt die Lehrende vor allem an ihrer Tätigkeit. Diese ist erfüllend, da durch eine ergebnisoffene Einstellung zu Beginn jedes Projekts einen jedes Mal eine Überraschung erwarten kann. Das ergänzt sich mit den Erfahrungen von Markus Rieger-Ladich, der seine Tätigkeit als „intellektuell sehr aufregend“ beschreibt. Durch persönliche Gespräche mit Personen, welche sich nicht spezifisch mit der Thematik beschäftigen, erhalte man häufig eine positive Resonanz. Das gibt den beiden immer wieder die Bestätigung, dass die Themen Forschungsrelevant sind.

Im Moment entstehen in Deutschland neue Gattungen der Literatur, die sich unter anderem auf Bildungsaufstiege beziehen oder auch welche, die sich mit Rassismus befassen. Dabei spielen oftmals Literaturgattungen zusammen, so dass spannende neue Werke entstehen.


Audio

Download (13,48 MB)
M_Rieger_F_Petrik_Bildungsaufstieg_kurz.mp3


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M_Rieger_F_Petrik_Bildungsaufstieg_lang.mp3



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