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Ivonne Cadavid :: Als Interkulturelle Promotorin Arbeitsplätze schaffen

Ivonne unterstützt als Interkulturelle Promotorin Migrationsgruppen und fördert diese bei der Projektumsetzung. Für sie ist es wichtig, zu sagen: "Ich schaffe das. ich schaffe es auch, obwohl ich nicht perfekt spreche [...], in dieser Gesellschaft einen Beitrag zu leisten."

Ivonne Cadavid ist interkulturelle Promotorin des Dachverbandes Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (dEAb). Sie befasst sich hauptsächlich mit den Themen Rassismus und Migration und hat mit 13 anderen Menschen mit Migrationshintergrund den Verein TELAR eV. gegründet, worüber nun das Projekt des Interkulturellen Promotor*innenprogramms läuft. Ziel des Projekts und Ivonnes Aufgabe ist es, andere Vereine, Organisationen oder Gruppen zu unterstützen und zu professionalisieren. Für Ivonne sind ganz klar Vernetzung und Sichtbarmachung in der Öffentlichkeit das Wichtigste in ihrer Arbeit.

Wie Ivonne zu diesem besonderen Beruf gekommen ist, verlief über mehrere Umwege. Sie erzählt, dass sie im Bereich des Projektmanagements einen Master hat und somit gute Qualifikationen hatte, jedoch immer wieder bei Vorstellungsgesprächen abgelehnt wurde. Sie hat sich gefragt: „Warum werde ich immer, immer eingeladen und nie bekomme ich den Job? Dann habe ich gemerkt - Ich muss [mir eingestehen] ‚Okay Ich habe einen Akzent. Hat das vielleicht damit zu tun?‘“. Diese Erfahrungen mit der wissenschaftlichen Jobvergabe haben Ivonne an sich selbst zweifeln lassen und das wollte sie bekämpfen. Daraufhin hat sie einfach selbst einen Verein gegründet, um Arbeitsstellen zu schaffen. Ganz so einfach war es natürlich nicht, aber nach einigen Anträgen und Zusammenschlüssen kam TELAR zustande und seit letztem Oktober auch das Interkulturelle Promotor*innenprogramm.

Ivonnes Arbeitsalltag verläuft häufig mit E-Mails schreiben, Anfragen von angehenden Organisationen bearbeiten, und mit sehr viel Beratung. In jedem Regierungsbezirk Baden-Württemberg gibt es eine*n Vertreter*in des Projekts. Ivonne ist für den Regierungsbezirk Tübingen zuständig. Wenn sich also Gruppen oder Vereine gründen wollen mit dem Schwerpunkt Migration, wenden sich diese an Ivonne. Sie bietet dann eine Beratung an, gemeinsame Absprachen, und Veranstaltungsplanungen, um die jeweilige Gruppe zu professionalisieren und auf die Beine zu stellen. Das Prinzip ist, dass sie etwas anfängt, wie zum Beispiel einen Podcast, und die Gruppe irgendwann selbst dies weiterführt. Ivonne erzählt zum Beispiel von einem Vernetzungsworkshop zum Thema „Weltoffene Regionalität“ mit dem Ernährungsrat im Rahmen der Fairen Woche in Tübingen, welches am Donnerstag, den 16.09. im KulturWerk der Stadtwerke stattfindet.

Das Projekt hat vier zentrale Ziele, die Ivonne und ihr Team hauptsächlich durch Sichtbarmachung erreichen wollen, nämlich:

1. Die Verbesserung der Teilhabe von Migrant*innen durch die Stärkung ihrer zivilgesellschaftlichen Strukturen
2. Die Voranbringung der interkulturellen Öffnung von Eine Welt-Akteure in Baden-Württemberg
3. Die Entwicklungspolitische Weiterqualifizierung der Geflüchtetenunterstützung
4. Die Erhöhung der Integrationsbereitschaft der Gesamtgesellschaft

Das Interkulturelle Promotor*innenprogramm existiert nun seit knapp einem Jahr und bekommt bereits sehr viele Anfragen. Ivonne erzählt, dass die Nachfrage sehr groß sei und es viele Organisationen gibt, die sich an sie wenden, um Hilfe bei der Umsetzung ihrer Projekte zu bekommen. „Das ist auch Teil dieses Empowerments, dass man auch mit einem Migrationshintergrund sagt: ‚Ich schaffe das. Ich schaffe das auch, obwohl ich nicht perfekt spreche, auch wenn ich einen Fehler mache. Ich schaffe es trotzdem, in dieser Gesellschaft einen Beitrag zu leisten.“ – So Ivonne.


Audio

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Interview_IvonneCadavid_kurz.mp3


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