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Die Pfunzkerle :: Die Arbeit mit Jungen und Männern

Männer finden bei den Pfunzkerlen eine Beratungsstelle mit Trainingsangeboten und vieles mehr. Unsere Interviewgäste geben uns einen tieferen Einblick in ihre Arbeit.

Die Pfunzkerle sind eine Fachstelle für Jungen- und Männerarbeit, die 1995 in Tübingen gegründet wurde. Im Verein engagieren sich Menschen, die mit Jungen und Männern pädagogisch arbeiten wollen und sie auf ihrem Weg zu Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung begleiten. Holger Tewes und Hannes Jacobsen sind schon seit einigen Jahren bei den Pfunzkerlen tätig und erzählen im Interview über ihre Arbeit.

Die Motivation der beiden, die Arbeit mit Jungen und Männern anzustreben, erfolgte aus verschiedenen Gründen. Holger ist in einem Frauenhaushalt groß geworden und beschreibt seine Arbeit nun als Ausgleich dazu. Zudem hat er das Gefühl und den Ansatz, dass es Freude machen könne, Jungen und Männer emotional weiter zu bringen. Er ist momentan vor allem in der Männerberatung tätig.

Hannes hat ursprünglich in der Sozialpsychiatrie gearbeitet, hatte dann jedoch Interesse an einem anderen Fachgebiet und ist so auf die Pfundskerle gestoßen. Außerdem hat er sich persönlich davor schon oft gefragt, was das Mann-Sein mit ihm macht und was genau das mit ihm zu tun hat. Seit 2017 ist er nun festangestellt und bietet verschiedene Trainingskurse für Männer an.

Spannend empfinden beide die Entwicklung, welche Männer vom ersten Vorstellungsgespräch bis zu Gruppentrainingskursen durchlaufen. Oft stellen sie fest, dass Männer und Jungen durch eine Fremdmotivation zu ihnen kommen, dann allerdings bei den ersten Terminen einen Anfangspunkt bei den Pfunzkerlen finden, was die Eigenmotivation deutlich wachsen lässt.

Große Themen bilden bei den Pfunzkerlen vor allem die öffentliche Gewalt, häusliche Gewalt und im allgemeinen der Umgang mit Aggressionen. Dabei fällt auf, dass häufig eher jüngere Männer in der Öffentlichkeit Gewalt ausüben und die sozialen Unterschiede hier oft deutlich werden. Zudem stellen Drogen wie Alkohol durch ihre enthemmende Wirkung ein massives Problem im Zusammenhang mit Gewalt dar. Durch Gewalttaten im öffentlichen Raum häufen sich bei jungen Männern außerdem schnell Schuldenberge an, welche zusätzlich belasten.

Eine Trainingsgruppe der Pfunzkerle nennt sich „Männerwelt“, da dort Männer aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen zusammenkommen. Die Themen gehen über die allgemeine Sexualität bis hin zum Älter werden oder die Rolle und Position in der Familie weit auseinander.

Während der Corona-Zeit konnten die normalerweise durchgeführten Gruppentrainings nicht stattfinden. Hannes und Holger sind der Meinung, dass Einzelgespräche zwar auch eine gewisse Wirkung haben, die Dynamik eines Gruppentrainings jedoch eine effektivere ist. Die beiden rechnen außerdem damit, dass durch das langsame Abklingen der Pandemie bald vielleicht einige Männer auf sie zukommen werden. Der Zustrom während der Hochphasen der Pandemie hielt sich in Grenzen, doch oftmals treten Reaktionen verzögert auf.

Im Interview werden außerdem die Themen der Finanzierung des Vereins sowie der Öffentlichkeitsarbeit angesprochen. Zudem wird über die entscheidende Rolle der Körpersprache sowie den Zugang zum eigenen Körper gesprochen, der oftmals als etwas Fremdes, Mechanisches betrachtet wird.


Audio

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Interview_Pfunzkerle_Holger_Tewes_Hannes_Jacobsen_kurz.mp3


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