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Generationentheater Zeitsprung :: "Die schöne Lau" & "Lumpen und Lametta"

Das Generationentheater Zeitsprung führt im Kloster Bebenhausen bis Ende Juli das Theaterstück „Die schöne Lau“ vor. Außerdem gibt es am Sonntag, den 20. Juni ein Preview zu dem Film „Lumpen und Lametta“ der Theatergruppe.

Renate Boos, Natalie Kirch und Helga Kroeplin sprechen zu den beiden Projekten und deren Entstehungsprozess. Für das Stück „Die schöne Lau“ war am 17.6. die zweite Premiere, für die Schauspielerin Natalie, die mehrere Jahre nicht mehr gespielt hatte, war es allerdings die erste. Natalie spielt eine Frau, die in gewisser Hinsicht das Gegenteil von ihr selbst verkörpert. Die Rolle, die sie spielt, will unbedingt ein Kind und wird von ihrem Mann verbannt, weil sie keine Kinder bekommen kann.

Natalie selbst hat keine Kinder und wollte auch nie welche, weswegen es spannend für sie war, sich in die Rolle einzuarbeiten. Hierzu hat sie sich Musik-Playlisten erstellt, die für sie das Gefühl der Rolle verkörpern (ein Lied davon war „Creep“ von Radiohead) und sich in ihr Kostüm, eine Art Meerjungfrau-Badeanzug eingespürt. Da die Rolle auch eine Wasserfrau ist, hat sie außerdem Bücher dazu gelesen. Renate ist im Stück Erzählerin und kommentiert mit einer Mit-Erzählerin die Szenerie.

Das Kloster in Bebenhausen biete eine „super Kulisse“ und auch die Akustik im Hof sei erstaunlich gut. Auch der Autor der „Schönen Lau“, Eduard Mörike, war in Bebenhausen in Kur und hat auch Texte zum Kloster Bebenhausen geschrieben, die teilweise im Stück zitiert werden. „“Die Schöne Lau“ ist eine Geschichte aus seinem „Hutzelmännchen“-Buch. Das Märchen wird allerdings im Stück nicht bloß nacherzählt, sondern in den Ort Bebenhausen eingebettet. So treten beispielsweise die Schönbuch-Geister Ranzenpuffer und Kappelgeist wie in jedem Schönbuch-Stück des Generationentheaters auf. Außerdem ist das Ende abgeändert worden und eine moderne Sprache wechselt sich mit der Sprache des Werkes im Original ab.

Im Theaterstück treten Nonnen aus der heutigen Zeit auf, die ihr Kloster aus Brandschutz-Gründen renovieren müssen. Da aber kein Geld für die Erneuerung vorhanden ist, beschließen sie, ein Theater-Ensemble zu gründen. Besonders den Nonnen, die das Gelübde noch nicht lange abgelegt haben, kommen dabei Zweifel. Ist dies ihr Platz im Leben? Sind sie dort zu Hause? Durch die Thematisierung heutiger Nonnen im Stück wird auch eine weitere Ebene dazugewonnen. Was bedeutet es für die Nonne im Stück, eine Person mit Kinderwunsch zu spielen? Um dem Thema heutiger Kloster-Schwestern gerecht zu werden, hatte das Theater-Ensemble auch Kontakt mit Nonnen. Diese spielten auch teilweise Theaterstücke und seien auch ansonsten oft gesellschaftlich auf verschiedene Weisen integriert – gehören aber dennoch einem geschlossenen Kreis an. Im Stück soll aber auch Mörikes Sprache „lebendig, verstehbar, hörbar“ gemacht werden. Formulierungen wie „hurtig“ sollen auf die Bühne treten oder „Es hing köstlicher Hausrat herum an den Wänden“. Mit letzterem sei Wandschmuck wie Wand-Teppiche gemeint und keine Wurst, wie ein Schauspieler bei einer Probe assoziierte.

Im Stück spiegeln sich zudem schwäbische Elemente und Variationen aus dem Donautal in der Musik wieder. Es spielt an drei Spielorten, die Zuschauenden müssen nur ihre Stühle während dem Stück drehen, um die verschiedenen Orte zu betrachten. Im „Stück im Stück“, also in der „Schönen Lau“ selbst, treten Übersetzungsschwierigkeiten zwischen dem kühlen Wassermann und der Gefühlswelt der Lau, seiner Frau, auf. Die Schwiegermutter derselben steht ihr mit einer Art gutmütiger Distanz gegenüber und schickt sie auf eine Reise, die sie zunächst als Strafe empfindet. Die Reise soll aufgrund des Kinderwunsches geschehen und tut ihr am Ende auch gut.

„Die schöne Lau“ läuft noch bis Ende Juli im Kloster und Schloß Bebenhausen, Karten für das Srück gibt es über das Landestheater Tübingen.

Das Filmprojekt „Lumpen und Lametta“ thematisiert das Thema „arm und reich“, welches durch die Corona-Pandemie noch relevanter geworden sei. Ursprünglich sollte ein Indoor-Stück zum Thema entstehen, was allerdings durch die Corona-Pandemie verhindert wurde. Im geplanten Stück sollte es allerdings auch schon Film-Elemente geben. So wurde aus dem Material, das noch vor dem Lockdown erprobt wurde, ein Drehbuch erstellt. Da der Film zwar schon im Kasten ist, aber noch bearbeitet werden muss, gibt es am Sonntag, den 20. Juni von 18-19 Uhr einen Vorgeschmack mit Ausschnitten aus dem Film und Interviews über den Prozess. Außerdem kann mit den Produzierenden des Films ins Gespräch gegangen werden. Bei einer im Herbst geplanten Vorführung des fertigen Filmes soll es rund herum Aktionen einzelner Schauspieler*innen geben und der Film soll immer wieder durch live gespielte Szenen unterbrochen werden.

Im Film spielt Renate Olga, die aus prekären Verhältnissen kommt und eine Art Kiosk führt, wo sich Leute aus verschiedenen Milieus und Schicksalen treffen. Die Leute vertrauen sich Olga an, gleichzeitig kämpft sie um ihre Existenz, da die Erhaltung des Kiosks gefährdet ist. Corona spielt auch immer wieder eine Rolle, weil das Thema auch in den Proben einfach präsent war. Beispielsweise wird eine Ehefrau im Stück „wunderlich“ und streift durch die Stadt mit verschiedenen Gegenständen, die sie auf ein bisschen sonderliche Weise bedient. Ihr Mann, der keinen Zugang mehr zu ihr bekommt und daher vereinsamt, schreibt ihr einen anrührenden Brief und sucht einen vermeintlichen Psychiater auf. Nehmen Armut und Reichtum wird auch die Frage von persönlichem Glück im Film thematisiert. Inwiefern hängt Glück (nicht) mit Reichtum zusammen?

Dabei wird teilweise mit Klischees gespielt, indem Figuren besonders scharf gezeichnet werden. So Denise, deren Hauptanliegen es ist, „mit reichem Lover“, den sie auf Single-Börsen sucht, in den Urlaub zu fahren. Für das Stück hat die Gruppe Artikel und Berichte zur sozialen Situation in der Pandemie oder auch zu Künstlicher Intelligenz gesammelt. Im Stück treten neben einem grünen und roten Virus auch der gefährliche „KI-Virus“ auf. Nächsten Sommer will die Gruppe zudem mit einem neuen Open-Air Stück auftreten.


Audio

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Schoene_Lau_-_Lumpen_und_Lametta_Version_kurz.mp3


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Lumpen_und_Lametta_Version_lang.mp3


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Schoene_Lau_Version_lang.mp3



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