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Video-Ausstellung 'Selon notre regard' :: Die hundert Wellen der Frauenbewegung

Folge 1: In der Ausstellung am deutsch-französischen Institut Tübingen werden Videos von fünf Künstlerinnen gezeigt, die, aus unterschiedlichen kulturellen Hintegründen kommend, eine verschiedene Wahrnehmung von Landschaft und Natur präsentieren. Kuratorin Liberty Adrien hat diese fünf Videos aus dem Pool der Wanderausstellung extra für die Räume des Instituts in Tübingen ausgewählt.

"Selon notre regard (So wie wir es sehen)" ist eine Wanderausstellung, die auf die Studienarbeit 'La Houle' der Kuratorin Liberty Adrien zurückgeht. Darin untersuchte die in Berlin und Paris lebende Historikerin, Kunstkritikerin und unabhängige Kuratorin die Zahl der Werke von Künstlerinnen, die in den beiden Sammlungen des Centre national des arts plastiques und Fonds regional d'art contemporain 49 Nord 6 Est (frac Lorraine).  Die umfangreiche Nationalsammlung mit Werken von Künstler*innen aus 400 Nationen kann als Spiegel der Entwicklung französischer Kultur- und Sozialpolitik gesehen werden. Dabei stellte Liberty Adrien fest, dass die Ankäufe sehr diskontinuierliche verliefen, keine klare Entwicklung in eine Richtung daraus lesbar ist.

Für die Ausstellung am deutsch-französischen Institut Tübingen, die durch Übersetzungen auch für nicht französisch Sprechende geeignet ist, hat die Kuratorin fünf Werke aus dem Pool der Wanderausstellung ausgewählt. Die Ausstellung hatte ihren Auftakt in Berlin und wird nach Tübingen noch in München, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Prag und Budapest zu sehen sein. Für Tübingen hat Adrien Werke von den Künstlerinnen Mali Arun, Shirley Bruno, Edith Dekyndt, Rebecca Digne und Marguerite Duras ausgewählt. Jedes Video ist in einem eigenen kleinen Raum zu sehen, die Räume werden mit jedem Video dabei ein bisschen dunkler - bis zum letzten Video von Shirley Bruno, das in einer Höhle in Haiti spielt und mit der Kolonialisierung auch ein dunkles Geschichtskapitel behandelt.

Das Thema der Ausstellung sind verschiedene Betrachtungsweisen von Landschaft und Natur. Da die Künstlerinnen aus verschiedenen kulturellen Hintergründen kommen, sind die Perspektiven ,davon geprägt, verschieden. Doch gibt es bei all den Differenzen auch ein gemeinsames Band, das die Varianten der Blicke zusammenführt? Im Konzept der Ausstellung in Tübingen wird dieses Band auf verschiedene Weise hergestellt. Neben dem speziellen Raumbeleuchtungs-Konzept lässt sich beispielsweise die Ausstellung als Gang durch die Geschichte der Videokunst betrachten. Von schwarz-weiß Filmen über Super-8, 9mm-Film bis hin zu digitaler Animation reicht die Bandbreite.

Laut Liberty Adrien ist der Titel ihrer Studienarbeit 'La Houle' nicht einfach ins Deutsche zu übersetzen. Gemeint sind nicht große Wellen, die sich leicht abzählen ließen, sondern eine Art 'Schwappen' vieler kleiner Wellen - ein ganzer Wellengang. Nach Adrien ist die Geschichte der Frauenbewegungen eher so ein Wellengang als an einer Hand abzählbar. Die verschiedenen Videos sind genau dies: Wellengänge. Unaufdringlich und doch klar, prägnant, eindrucksvoll - dabei Zeuge von einer großen, mächtigen Kraft.

Dieser Beitrag ist die erste Folge einer Reihe über die Ausstellung "Selon notre regard". In den folgenden Beiträgen geht es speziell um die jeweiligen Videos, die Liberty Adrien für Tübingen ausgewählt hat.


Audio

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Selon_notre_regard_Beitrag.mp3



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