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CineLatino 2021 :: La Revolutión y la Tierra

Der meistgesehene Dokumentarfilm Perus blickt 50 Jahre nach der "peruanischen Revolution" zurück auf die Ereignisse vor und nach der umstrittenen Agrarreform von 1969. In einem facettenreichen Geschichtspanorama wird der Bogen von den Ursprüngen in der Kolonialzeit bis zu den Folgen in der Gegenwart gespannt.

La Revolutión y la Tierra ist der meistgesehne Dokumentarfilm Perus. Er kam 2019 in die Kinos und ist beim diesjährigen CineLatino Filmfestival zu sehen. Regisseur Gonzalo Benavente Secco widmet sich darin der sogenannten "peruanischen Revolution", die 1969 durch eine bis heute umstrittene Agrarreform ausgelöst wurde. 

Mit der Eroberung der Spanier wurden die Ländereien der indigenen Bauern von Großgrundbesitzern beschlagnahmt und zu Haciendas, Landgütern von mehreren 100.000 Hektar Größe, zusammengeschlossen. In den  meisten Haciendas herrschten feudale Strukturen, die sich in einer rassistischen und hierarchischen Zweiteilung äußerten: Die Landherren und ihre Familien lebten in Reichtum und ließen die indigenen Bauern und ihre Familien auf den Feldern für sie arbeiten - ohne sie dafür zu bezahlen.

Diese sklavenähnlichen Zustände in der peruanischen Landwirtschaft sollten sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts ändern als die Bauern begannen zu rebellieren und in den 1950er Jahre Debatten um eine Agrarreform angestoßen wurden. Die Entwicklung der Massenmedien war ebenfalls ein Faktor, der für Rückenwind sorgte: Die Stimmen für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit fanden nun Gehör. 

Mit dem Erfolg des Kommunismus in Kuba zu Beginn der 60er Jahre wuchs  der Druck auf die peruanische Regierung, etwas zu ändern. Denn die kommunistische Revolution war auch in Peru dabei, Fuß zu fassen - soziale Ungleichheiten und die prekäre Situation der indigenen Bauern boten fruchtbaren Boden für revolutionäre Kräfte. Im Kalten Krieg mit der Sowjetunion setzte US-Präsident Kennedy alles daran, die weitere Ausbreitung des Kommunismus in Lateinamerika zu verhindern. Er unterstützte und propagierte die Agrarreform als einziges Mittel, mit der die drohende Revolution in Peru noch abgelenkt werden könne. 

Am 24. Juni 1969 setzte schließlich die Militärregierung unter General Juan Velasco die Agrarreform durch. Sie gilt als eine der radikalsten Reformen in der Geschichte Lateinamerikas. Das Militär sorgte für die Durchsetzung des neuen Gesetzes, nach dem alle Bauern, die auf einem Feld arbeiteten nun bezahlt werden mussten. Vor allem aber wurden die Großgrundbesitzer enteignet und das Land an kollektive Verwaltung durch die Bauern übergegeben. In den zehn Jahren nach Inkrafttreten der Reform wurden 9 Millionen Hektar Land - ein Drittel der kultivierbaren Fläche Perus - enteignet. 

Doch die Kosten für die Transformation der Landwirtschaft und die Durchsetzung der Agrarreform waren exorbitant. Velasco hatte Staatsanleihen in Millionenhöhe getätigt - die Schulden konnten bis zum heutigen Tag nicht in Gänze zurückgezahlt werden. Bereits in den 80er Jahren zeichnete sich das Scheitern der Agrarreform ab: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gerieten in eine Krise, mit deren Folgen Peru noch heute zu kämpfen hat.

La Revolutión y la Tierra stellt 50 Jahre nach der Reform die Frage, wie die historische Zensur von 1969 zu bewerten ist. Der Dokumentarfilm erzählt die peruanische Geschichte von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart. Bebildert wird dieses facettenreiche Geschichtspanorama mit Fotografien und Archivmaterial aus vielen Jahren peruanischer Filmgeschichte. Zeitzeugen und Zeitzeuginnen erzählen, wie sie die "peruanische Revolution" erlebt haben und WissenschaftlerInnen aud den verschiedenen Disziplinen kommentieren die Ereignisse nach dem neusten Forschungsstand. 

La Revolutión y la Tierra läuft beim 28. CineLatino in Tübingen am Sonntag, den 6. Juni um 17 Uhr im Kino Museum und in Reutlingen am 2. und 3. Juli jeweils um 16 Uhr im Kino Kamino.


Audio

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Rezension_La_Revolution_y_la_Tierra.mp3





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