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Lars Helmer vom LTT :: „Mehr Bock als Angst“

Lars Helmer vom LTT berichtet von der Arbeit im Theater während des Lockdowns und nach der Öffnung durch das Modellprojekt in Tübingen. Anschließend gibt er einen Einblick in aktuelle Stücke des LTT, deren Themen zwischen Sterbehilfe, politischen Attentaten und der Neuen Deutschen Welle verlaufen.

Lars Helmer, der noch bis Sommer diesen Jahres als Dramaturg beim Landestheater Tübingen (LTT) arbeitet, erzählt im Interview zunächst von der Zeit des Lockdowns.

So habe es auch während des Lockdowns unter Kurzarbeit und Hygienebeschränkungen eine Art fiktiven Spielbetrieb in Form von internen Premieren und Proben gegeben. Der Startschuss, vor externem Publikum zu spielen, sei sehr kurzfristig gekommen – einen Tag später fand bereits die erste Premiere statt, die innerhalb von 12 Stunden bereits ausverkauft war. Das Publikum habe Lars Helmer nach eben „mehr Bock als Angst“ - an der Schnellteststation des LTT gab es zudem keine positive Testung. Ab Ende April sei geplant, die neue kleine Freiluftbühne auf dem Garagenparkplatz zu bespielen – vorausgesetzt das Tübinger Modellprojekt darf bis dahin weiterlaufen.

Die kommenden und bereits gelaufenen Stücke beschreibt Lars Helmer als sowohl von der Form als auch vom Inhalt her sehr verschieden:

„Irgendwie Irgendwo Irgendwann“ war die erste Premiere am LTT nach der langen Zwangspause. Dieses inszenierte Konzert und ‚Spaßstück‘ befasst sich vor allem mit den frühen, am Punk angelehnten Anfängen der ‚Neuen Deutschen Welle‘ und verwebt darin die Politik der 70er/80er Jahre.

Zwischen Protesten gegen das Atomkraftwerk in Whyl, der Gründung der ‚Grünen‘ und Helmut Kohls geistig-moralischer Wende, treten die politischen Akteur*innen musikalisch ins Rampenlicht: beispielsweise Helmut Kohl am Bass und Hans-Dietrich Genscher an der E-Gitarre.

„Ein großer Aufbruch“ handelt vom pensionierten Ingenieur Holm, bei dem nach 5 Jahren erneut eine Krebserkrankung ausbricht. Daraufhin lädt er seine Familie in ein Haus am See ein, um ihnen seine Entscheidung mitzuteilen: er wird in der Schweiz eine Sterbehilfe in Anspruch nehmen. In diesem Zuge kommen lange schon schwelende Familienkonflikte an die Oberfläche und schließlich geht es, wie Lars Helmer betont, in dem Stück mehr um die Frage nach einem glücklichen Leben als um Sterbehilfe.

In „Meine Eltern“, einer szenische Lesung, stellt der Schauspieler Andreas Guglielmetti seine eigene schweizerisch-deutsche Lebensgeschichte dar. Bebildert mit Erinnerungen, KInderzeichnungen und Fotos sowie „viel Schalk im Nacken“ geht es dabei unter anderem um mehrere Umzüge seiner Familie sowie das Leben mit vielen Geschwistern, von denen eine Schwester eine Behinderung hat.

Die Geschichte von „Pinocchio“, dem „Jungen aus dem Holzscheit“, das vom Jungen LTT inszeniert wird, dürften viele schon kennen. Dieser, auf wundersame Weise aus Holz zum Leben erweckt, will eigentlich nur ein ‚ganz normaler‘ Junge sein, lernt aber immer nur das Böse im Menschen kennen – und lernt tragischerweise nicht daraus. Eine Moral daraus könnte lauten: „Holzauge sei wachsam“ - aber bewahre dir dabei Offenheit und Neugierde.

Im Audio-Walk „Südstadt-Synphonie“ wird eine Zukunftsvision des LTT und der Südstadt in 100 Jahren ausgemalt Geschichten: dabei steht die Zukunft des Hundesalons genau wie des Kirchenchors auf dem Spiel.

In „ichglaubeaneineneinzigengott.“ werden drei verschiedene Frauen von einer Schauspielerin performt: eine pazifistische, jüdische Professorin, eine palästinensische Attentäterin und eine amerikanische Soldatin. Das Stück steuert dabei auf ein geplantes Attentat zu.

Text: Thomas Rahmann


Audio

Irgendwie Irgendwo Irgendwann

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irgendwie_irgendwo_irgendwann.mp3


Ein Großer Aufbruch

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ein_groser_aufbruch.mp3


Meine Eltern

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Meine_Eltern.mp3


Pinocchio

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Pinocchio.mp3


Ichglaubeaneineneinzigengott

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Ich_glaube_an_einen_einzigen_Gott.mp3


Südstadt Symphonie

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Suedstadt_Symphonie.mp3





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