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Vortragsreihe "Polizei:Gewalt" :: Vom Polizisten zum Polizeiwissenschaftler

Prof. Dr. Rafael Behr hat in den 60er Jahren die Polizei "von unten" kennengelernt, als Polizist. Über die eigene Sozialisierung innerhalb der Polizei, über Gruppendynamiken, Autoritäten und toxische Männlichkeit berichtet er in einem Vortrag von der Kritischen Uni Tübingen.

In seinem Vortrag "Was hegemoniale Männlichkeit mit Polizei zu tun hat  -Anmerkungen aus der Polizeiforschung" spricht Behr von den inneren Strukturen der Polizei, die Konsequenzen wie Gewalt, Dominanz, Sexismus und Rassismus haben können. Dabei betont er, dass die Assimilation in die Gruppe der PolizeibeamtInnen immer auch bedeutet, die eigene Kultur dort nicht leben zu können, dies sei allerdings bei den meisten Gruppen der Fall. 

Behr bringt die beiden Begriffe "Cop Culture" - auch Polizistenkultur genannt - und "Polizeikultur" zur Sprache, die aus der Polizeiforschung der USA der 60er Jahre stammen. Sie klingen sehr ähnlich, soch der Unterschied ist schnell erklärt: Polizeikultur richtet sich nach außen, Cop Culture nach innen. Polizeikultur zeigt PolizeibeamtInnen, wer die höhere Autorität ist. Gewisse Rituale und Normen wie Begrüßungen, die diese Hierarchie bestätigen, sind notwendig, um die Polzeikultur aufrecht zu erhalten. Sie ist immer auch juristisch korrekt und legitim. Sie ist die Basis für die Leitbilder, die die Polizei in der Öffentlichkeit präsentiert. 

Cop Culture richtet sich nach innen, an die PolizeibeamtInnen und bezieht sich auf die Art und Weise, wie man sich unter KollegInnen verhält, polizeilich richtig handelt (dies muss nicht immer rechtens sein) und kann auch bedingen, dass KollegInnen sich gegenseitig decken - kameradschaftlich also, aber eben auch klüngelhaft. Auf der positiven Seite sind aber auch Eigenschaften wie Mut und Hilfeleistung Teil der Cop Culture. Mit dem Begriff Cop Culture verbindet Behr auch Begriffe wie Dominanzkultur und toxische Männlichkeit. 

Natürlich sind längst nicht alle PolizeibeamtInnen männlich. Dennoch sieht Behr eine männlich geprägte Norm innerhalb der Polizei, der sich jede*r anpassen muss und die manchmal die Türen für Frauen verschließt. Als toxische Männlichkeit bezeichnet Behr eine Art Männlichkeit, die die eigene Überlegenheit betont und gleichzeitig auf der Unterlegenheit anderer fußt. Sie ist destruktiv und begrenzt sich selbst in der Gefühlsarbeit. Diskriminierendes Handeln, so Behr, sei oftmals eine Folge davon. Rassismus in der Polizei sei also ein Symptom, nicht die Ursache der auf Überlegenheit beruhenden Kultur. 

Die Kritische Uni Tübingen (KUT) veranstaltet Vorträge und Seminare, die eine Alternative zu, gewöhnlichen Lehrplan bieten sollen. In der Reihe "Polizei:Gewalt - Analysen und Kritiken" geben sie verschiedenen Menschen eine Plattform, um von unterschiedlichen Perspektiven über polizeiliche Gewalt und weitere die Polizei betreffende Themenfelder zu sprechen. 


Audio

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PolizeiGewaltBehr.mp3





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