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Wahnsinn und Kunst :: Eine Reise durch die Jahrhunderte

Dass viele KünstlerInnen psychische Krankheiten hatten und haben, ist kein Geheimnis der Kunstgeschichte. Doch wie hängt Kunstschaffung mit "Wahnsinn" zusammen? Kann es große Kunst nur dann geben, wenn ein Funken Verrücktheit im Spiel ist? Der Vortrag der Kunsthistorikerin und Archäologin Sylvia Lierau gibt einen Überblick über einige Jahrhunderte Kunst.

Sylvia Lierau ist Dozentin in Reutlingen und der Volkshochschule Tübingen und beschäftigt sich mit Kunstgeschichte, Romanistik und Archäologie. Das Thema des Vortrages betrifft sie auf ganz besondere Weise: Kunst ist für sie lebenswichtig, sagt sie, doch wie vieles Andere können momentan Kunst- und Kulturbetrieb wegen der Pandemie nicht wie sonst stattfinden. Den KünstlerInnen fehlt aktuell ein wichtiges Ausdrucksmittel, was ihrem mentalen Zustand nicht beiträglich sein kann.

Es ist also durchaus aktuell, diese Frage, seit wann die mentale Gesundheit der Menschen bzw. KünstlerInnen in den Fokus genommen wurde, sei es durch medizinische BeobachterInnen oder andere KünstlerInnen. Die Vortragende stellt verschiedene Menschen vor, deren Kunst oder Aussagen den Rückschluss zulassen, dass sie mental nicht gerade stabil waren.

Hölderin, dessen Gang in die Psychiatrie und Diagnose bis heute umstritten sind. DeChirico, einem Vorläufer des Dadaismus, der der Meinung war, Kunst ohne eine Spur von Wahnsinn sei keine Kunst. Vor allem zur Zeit des Dadaismus und Surrealismus etablierte sich eine Art der Kunst, die das Innere der KünstlerInnen zum Ausdruck brachte: Der Expressionismus.

Sylvia Lierau schneidet auch ein naturwissenschaftliches Thema an, als sie von Neuregulin spricht: Proteine, die eine Rolle dabei spielen können, ob Reize aus der Umwelt einen Menschen überlasten oder nicht, und so ein Faktor der mentalen Gesundheit darstellen könnten. Sie betont jedoch, dass sie das Thema mentale Gesundheit bzw. Krankheit von der kunstwissenschaftlichen Seite aus betrachtet.

Porträtiert werden sowohl KünstlerInnen, die weltberühmt sind, als auch solche, deren Ruhm - bei Kunstlaien jedenfalls - nicht weit reicht. Dazu gehören die 10 MeisterInnen des Sammlers Hans Prinzhorn, der sich für die Werke von KünstlerInnen interessiert, die Erfahrungen mit der Psychiatrie haben. Um 1920 herum entsteht eine bis heute erhaltene Sammlung.

Auch bekannte Gemälde wie "Sternennacht" von van Gogh oder "Der Schrei" von Munch werden beschrieben, immer mit der Biografie und Pathologie der Künstler im Hintergrund. Auf diese Weise wird ein Einblick gewährt, den man so schnell nicht wieder vergisst.


Audio

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WahnsinnUndKunstFinal.mp3





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