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NS-Akteure in Tübingen :: Beleuchtung lokaler Mikrogeschichte mithilfe von Biografien

Wer waren die Tübinger NS-Akteure? Inwiefern haben sie zu den Grausamkeiten der NS-Regimes beigetragen? Das Projekt „NS-Akteure in Tübingen“ stellt die lokalen Täter*innen des Dritten Reiches in Form einer Webseite vor.

Das Projekt „NS-Akteure in Tübingen“ besteht aus 35 Kurzbiografien und 18 Langbiografien unter anderem zu verschiedenen Profiteuren, Propagandisten und lokalen Beamten der NS-Zeit. Veröffentlicht wurde es von der Geschichtswerkstatt Tübingen und dem Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus. Am Donnerstag, den 26. November, stellten der Kulturwissenschaftler Martin Ulmer und der wissenschaftliche Mitarbeiter Benedict von Bremen in einer Online-Veranstaltung die Webseite vor. Als Vorstandsmitglieder in den Vereinen haben sie auch selbst einen Beitrag zu den Biografien zusammen mit 13 anderen ehrenamtlichen Autor*innen geleistet. Die Forschung basiert auf wissenschaftlichen Quellen und auf öffentlich zugänglichem Material in Stadtarchiven und in der Universitätsarchiv. Gestaltet ist die Webseite von Christoph Prenosil und gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

Schon seit 2012 wird an dem Projekt gearbeitet: Inspiration bekam es von dem Werk Stuttgarter NS-Akteure. Die Biografien sind nach den Bereichen Partei, Bildung & Forschung sowie Polizei, Justiz & SS organisiert. Dazu sind unter anderem die Forschungsbereiche Tübingen im Nationalsozialismus, der aktuelle Forschungsstand und Vorstellungen der Verfasser*innen auf der Webseite zu finden. Das Projekt ist aber noch nicht zu Ende, sondern wird immer weiter ergänzt. Dafür werden Autor*innen gesucht, um neue Biografien zu schreiben.

Die Webseite wirkt meiner Meinung nach gut gestaltet und übersichtlich. Bestimmte Begriffe werden in weiterführenden Artikeln erklärt, und es gibt tiefere Informationen zur Rolle von Tübingen in der NS-Zeit. Diese wird laut Martin Ulmer oft geschönt, obwohl Tübingen eine außerordentlich große Anzahl von NSDAP-Anhänger*innen hatte und sogar zu einer Parteistadt geplant wurde. In dem Projekt geht es darum, Zusammenhänge zu zeigen und Tübinger NS-Zeit in Mikrogeschichte zu verdeutlichen. Die Form der Biografien interessiert laut Ulmer immer mehre junge Menschen. Doch betrifft Aufarbeitung der Geschichte weiterhin die ganze Gesellschaft. Obwohl keine Illusionen gebildet werden sollte, trägt NS-Akteure in Tübingen einen gewissen Beitrag zu der immerwährenden Aufarbeitung und Kampf gegen Rechtextremismus.

Für mich war eine Biografie besonders auffällig. Sophie Ehrhardt war an der Rassenkundlichen, später Anthropologischen, Institut Tübingen tätig. Davor hatte sie in den KZs Rassenforschungen durchgeführt und eine Kartei zu Sinti und Roma erstellt. Genau die Kartei diente für Deportationen von Sinti und Roma nach Ausschwitz. Doch durfte Ehrhardt Teile dieser Kartei bis zu den 1980er Jahren für weitere Forschungen benutzen, und weiterhin an der Universität Karriere machen.


Audio

Der Radiobeitrag zum Nachhören

Download (7,86 MB)
NS-Akteure_in_Tuebingen_zum_Nachhoeren.mp3





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