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37. Französische Filmtage :: Rezension Insoumises (2018)

Regenwälder, Sklavenhandel, Liebe zwischen zwei Frauen. Der Film "Insoumises" von Laura Cazador und Fernando Pérez führt zum Kuba im Jahre 1819. Er zeigt eine besondere Geschichte von einem Arzt, der die konservativen Traditionen zu brechen versucht.

Der schweizerisch-kubanische Film „Insoumises“/„Rebellinnen“ (auf Spanisch „Insumisas“) von Laura Cazador und Fernando Pérez zeigt Kuba am Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Oberschicht organisiert europäische Tanzfeste und verkauft gleichzeitig Sklaven auf dem Markt. Die in die Berge geflohenen Sklaven werden brutal bestraft. Der schweizerische Arzt Enrique Faber landet auf Kuba und gewinnt das Vertrauen der Bürgerlichen, indem er ihnen Beratung in Sachen Geschlechtsverkehr gibt. Gleichzeitig erweckt Enrique auch Misstrauen: er trinkt nicht und er heiratet die Außenseiterin Juana, die von der Gesellschaft als Hure verachtet wird. Das schlimmste ist, dass Enrique jede Person gleichberechtigt behandelt und sich gegen den Menschenhandel äußert. Gerüchte beginnen sich zu verbreiten: Enrique sei in Wirklichkeit eine Frau. Schlimm genug, sich als Mann zu verkleiden ist die größte Sünde in der religiös geprägten Gesellschaft um die Jahrhundertwende.

Der Film wurde an den Französischen Filmtagen am 30.10 um 15.45 im Kino Atelier und online gezeigt. Der Film wirft einen Blick auf Kuba, das nicht so oft im Kino abgebildet wird, geschweige denn die Geschichte des Landes. Die Darstellung geht nicht tief, aber es bildet den Hintergrund für die Geschehnisse. Die Diener werden auf dem Markt wie Pferde verkauft und Tiere genannt, die ihre Wunden selbst heilen würden. Die Frauen werden wegen Vergewaltigungen als Huren bezeichnet. Enrique wird erzählt, eine Kaffeeplantage sei von geflohenen Sklaven niedergebrannt worden.

Er reitet im tiefen Dschungel und Juana verkauft Kokosschalen auf der Straße. Die Szenen in dem Film haben eine besondere, ruhige Atmosphäre, da die Redeweise der Figuren so bedachtsam ist. Die Farbenharmonie ist blau und grau, und viele Szenen und Landschaften erscheinen deswegen geheimnisvoll und schön.

Die Liebesgeschichte von Juana und Enrique steht im Mittelpunkt, und die Szenen zwischen ihnen sind sehr zärtlich. Doch herrscht in Juana eine Verunsicherung, die man hätte vielleicht deutlicher zeigen können. Das Ganze wirft einen Blick auf die Liebe zwischen zwei Frauen, die in vielen Orten der Welt immer noch ähnlich hart verurteilt wird. Für Enrique scheint diese Liebe ganz normal zu sein, seine Gedanken dazu erfahren wir nicht, aber insgesamt stellt der Film die Liebesgeschichte ganz natürlich dar.

Noch mehr wird in dem Film die Frauenrolle der Gesellschaft hinterfragt. Er fügt nicht viel Neues hinzu, aber Themen wie jungenhafte Mädchen behandeln die konservativen Geschlechterrollen. Mädchen dürfen nicht klettern oder Ärztinnen werden, obwohl sich Enrique und ein Mädchen, Pépa, tief danach sehnen, Menschen helfen zu können. Wenn Enrique den Wunsch von Pépa an ihren Vater weiterleitet, antwortet er, es sei nicht die Aufgabe von seiner Familie, die Traditionen zu ändern. Darauf antwortet Enrique, dass sich die Zeiten verändern und dass das Private und das Politische Hand in Hand gehen müssen.

Insoumises” ist tragisch, und noch tragischer macht es die Tatsache, dass Enriqueta Favez und Juana de Léon auch in Wirklichkeit existiert haben. Doch fand ich den Film auch nicht zu schrecklich oder dramatisch. Besonders eindrucksvoll fand ich Sylvie Testud, die Schauspielerin von Enrique, die sein ruhiges, aber entschlossenes Wesen sehr gut darstellt. Enrique kämpft auf seine eigene Art für Gerechtigkeit und Liebe. Doch haben manche Geschichten kein glückliches Ende. Auch Pépa kommentiert, sie habe aufgehört zu denken, da somit das Leben viel leichter und druckloser wird. Trotzdem kann ich einfach den Mut von Enrique bewundern, durch alle Hindernisse des Lebens weiterzukämpfen.


Audio

Der Radiobeitrag zum Nachhören

Download (13,09 MB)
Insoumises_FranzFilmtage-fertig.mp3





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