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37. Französische Filmtage :: Rezension Contradict - Ideen einer neuen Welt

Was ist eigentlich los mit unserer Welt? Und wer bestimmt eigentlich was los ist? Mit diesen Fragen tauchen wir in den Film und gleichzeitig in eine andere Perspektive ein. Der Film "Contradict" zeigt die Entwicklungen, Visionen und Ideen, die durch die Globalisierung in Ghana und auf dem Kontinent Afrika entstehen.

Die Intention des Filmes lässt sich durch den Titel leicht festmachen: er widerspricht den gefestigten Stereotypen und Klischees in Bezug auf dritte Welt Länder. Er rüttelt an der westlichen Hierarchie, die Amerika und den Westen generell, an die Spitze setzt. Afrika wird als hilfsbedürftig und teilweise auch unterentwickelt eingestuft. Die Frage stellt sich, wem denn eigentlich geholfen werden muss. Nach Bischof Elisha Salifu Amoako aus dem Film, sei Ghana reich an Ressourcen, aber unterliege der falschen Regierung.

M3NSA und Wanlov The Kubolor sind beides Musiker und treten als Band „FOKN Bois“ auf. Durch Selbstironie und Satire machen sie auf politische und religiöse Missstände in Ghana aufmerksam. Aber sie üben nicht nur Kritik am eigenen Land. Sie sammeln in den Straßen Accras Geld für Amerika, "Help America". Ob das nun Spaß, politische Provokation oder eine Prophezeiung sein soll, M3NSA stellt eines klar: die Musiker sprechen Themen an, die Menschen im Kopf haben, aber niemals oder nicht direkt aussprechen würden. Die FOKN Bois sind zwei von insgesamt 7 Künstler*Innen des Films, die durch ihre Musikgesellschaftliche Probleme verarbeiten und aufzeigen. Die Musik dient somit als Sprachrohr für Kritik, Kommentare und Gedanken. Die meisten Songs und Musikvideos der Doku, wurden auch eigens für diese produziert. Die Videoclips sind wie ein Film im Film und manche Aufnahmen lassen auch hinter die Kulissen der Produktion blicken, um die Intention hinter den Songs zu zeigen.

Neben den Musiker*Innen sprachen die Regisseure mit Bischöfen, Ministern, Professoren, Aktivisten und Politikern um das Land in seiner Fülle, für sich selbst sprechen zu lassen. Das „Sprechen-lassen“ soll die privilegierte Position „über“ Menschen zu sprechen verabschieden. Die Schweizer Filmemacher Peter Guyer und Thomas Burkhalt, machen sich viele Gedanken zu Ethik der Repräsentation. So ist ihr Film nicht nur über die Musikszene Ghanas, sondern auch von ihr selbst geschaffen.

Die Globalisierung pusht Veränderungen und nicht nur vor unserer Haustür, sondern überall auf der Welt. Eine dieser Veränderungen nimmt sich Sängerin Adomaa in ihrer Musik an: weibliche Stärke und Gleichberechtigung. Im Song „I am Tar“ („Ich bin Teer“) singt sie vom Stolz, der Akzeptanz und dem Selbstwert von schwarzen Frauen. Der Wandel spielt eine große Rolle in „Contradict“. Eine neue Generation, mit neuen Werten, Ideen und Visionen. Diese Generation strebt Veränderung an und löst sich von Kolonialmächten und Klischees.


Audio

Der Radiobeitrag zum Nachhören

Download (8,7 MB)
Contradict_Inas_Beitrag.mp3





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