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37. Französische Filmtage :: Rezension Online für Anfänger

"Effacer l’historique" oder “Online für Anfänger" ist der zehnte Film des Regieduos Gustave Kervern und Benoît Delépine. Es ist eine Tragikomödie um die Absurditäten und Stolperfallen des digitalen Alltags zwischen künstlicher Intelligenz, Fake-Bewertungen und den überteuerten Kosten sogenannter Gratis-Hotlines.

Effacer l’historique oder Online für Anfänger zeigt die extremen und vielfältigen Auswirkungen der digitalen Technologien auf den Alltag. Das ist eigentlich nicht lustig, aber trotzdem zum Lachen. Reihenweise absurde Situationen, starke Schauspieler, klasse Dialoge machen den Film zu einem unterhaltsamen Filmerlebnis, das uns den digitalen Wahnsinn schonungslos vor Augen führt.

Marie lebt nach dem Auszug von Mann und Sohn allein im Reihenhaushorror, sie muss das Mobiliar verkaufen, um die Hypothek zahlen zu können. Sie versucht der Einsamkeit mit reichlich Alkohol zu entfliehen, bei einem One-Night-Stand entsteht ein peinliches Sextape. Der Erpresser verlangt 10.000 Euro und Marie versucht, bei ihrer Bank online einen Kredit zu beantragen. Als sie das Passwort eingeben soll, geht sie zum Kühlschrank. Im Eisfach hat sie alle ihre Usernamen und die immer komplizierter werdenden Passwörter fein säuberlich notiert.

Bertrand telefoniert gerne, am liebsten mit Miranda. Er hat sich in ihre Stimme verliebt. Miranda ist allerdings Callcenter-Mitarbeiterin aus Mauritius und verkauft ihm ständig irgendwelchen überflüssigen Unsinn.
Miranda verkauft ihm also erfolgreich eine Veranda und Bertrand ist durch das ständige Kaufen auf Kredit hoch verschuldet. Zu allem Übel ist seine Tochter auch noch Opfer von Cyber-Mobbing in der Schule.

Christine schließlich gibt sich als Uber-Fahrerin alle erdenkliche Mühe, sie rollt ihren Fahrgästen sogar einen roten Teppich aus. Und trotzdem bekommt sie immer nur schlechte Bewertungen. Sie ist verzweifelt und wütend, fährt mit ihrem Auto ins innere eines Kreisverkehrs, steigt durchs Schiebedach auf ihr Auto und...

Auf diesem Kreisverkehr hatten sich Christine, Bertrand und Marie bei den Gelbwesten-Protesten kennengelernt, sie hatten ihn einst wegen der Erhöhung der Benzinpreise besetzt. Und auf dem Kreisverkehr schmieden die drei Freunde ihre Rachepläne und starten ihren Widerstand gegen die digitalen Zwänge des Lebens. Hilfe bekommen sie von einem Hacker namens Gott. Er haust in der Höhe eines Windrads und verlangt kein Geld, weil er mit dem angezapften Windstrom reichlich Bitcoins scheffelt. Gott kann allerdings nur das Problem mit den Sternen lösen, eine Kollegin hatte Christine blockiert. Gegen die teuflischen Videos ist selbst Gott machtlos.

Die allmächtige künstliche Intelligenz speichert die Videos auf den Servern der Techgiganten in den Hochsicherheitsrechenzentren des Silicon Valley. Also machen sich die Helden genau dorthin auf, um sich ihre Videos zurückzuholen. Wer einen Kreisverkehr besetzen kann, der kann auch die Cloud in Kalifornien knacken. 


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online_fuer_anfaenger_effacer_l-historique.mp3



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