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Poetry for Future: Gedanken und Ausschnitte aus 45 Texten für übermorgen

Verhindert positives Denken die Emotionalität und das Kämpfen für die Ungerechtigkeit? Der Poetry-Slam-Künstler Jean-Philippe Kindler hinterfragt in seinem Text „Plädoyer für die Wut“ die positive Psychologie und die Denkart, nach der alles in eigenen Händen liegt.

Wie wird eine Veränderung vorangetrieben – durch Sprechen oder Schweigen? Dabei haben die Frauenrechtler*innen vor hundert Jahren die Nerven verloren und sind auf den Straßen marschiert, um für das Wahlrecht zu kämpfen. Doch meint der Ansatz der positiven Psychologie, dass Glücklichsein die eigene Wahl ist und jeder dafür die gleichen Möglichkeiten besitzt. Dieses stellt Jean-Philippe Kindler infrage, indem er meint, diese Art Optimismus vernichte jeden Versuch zur Veränderung, wenn man sich nie über die existierenden Zustände beklagen darf. Veröffentlicht ist der Poetry-Slam-Text im Sammelband von Samuel J. Kramer, „Poetry for Future. 45 Texte für übermorgen“, der im September herausgekommen ist.

Obwohl zugespitzt, stellt der Text sowohl unterhaltsam als auch sarkastisch dar, wie negative Gefühle nicht einfach unterdrückt werden sollten. Das Thema passt gut zur Klimakrise, aber auch zur anderen zahlreichen Missständen auf der Welt, wie zum strukturellen Rassismus. Veränderung wächst durch Ärger und Wut, nicht durch Anpassung und Zufriedenheit. Die Welt hat vergessen, dass man auch emotional für die eigenen Ziele kämpfen darf und dabei Tränen zeigen kann. Doch sind meiner Meinung nach auch Hoffnung und positives Denken ein Treibstoff für Weiterkämpfen, aber Veränderung geschieht durch Umdenken und Aktionen.

[…] denn es ist dein Leben, lieber Krankenpfleger, dir passt nicht, dass du nur sechs Minuten Zeit pro Patient*In? Sieh es doch einfach als Gelegenheit, noch effizienter zu arbeiten. This is your life, du entscheidest, liebe*r Zehnklässler*In, du gehst zu Fridays for Future? Dann habe ich einen Tipp für dich. Sie sagen dir, du sollst nicht wütend sein, dich nicht ärgern. Man dürfe die Klimaschutzdebatte nicht so emotional führen. Weißt du was? Führ diese Debatte emotional. Sie wollen die Dinge positiv sehen? Das bedeutet, sie wollen die Dinge unverändert lassen.


Audio

Der Radiobeitrag zum Nachhören

Download (7,37 MB)
77217_Poetry_for_Future_Folge_1_fertig.mp3





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