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Theaterrezension :: Die Schöne Lau auf Tour

Das Generationentheater Zeitspung fängt mit dem Stück "Die Schöne Lau auf Tour" wieder mit ihrem Spielplan an. In Bebenhausen herrscht die perfekte Stimmung für das modernisierte Märchen von Eduard Mörike.

Am Sonntagabend, dem 13.9, feierte das Stück „Die Schöne Lau auf Tour“ vom Generationentheater Zeitsprung seine Premiere. Geschrieben wurde es von Helga Kröplin und Volker Schubert, aber es basiert auf „Die Historie von der Schönen Lau“, einem Märchen aus dem 19. Jahrhundert von Eduard Mörike. Im Märchen geht es um eine Wasserfrau, Lau, die keine Kinder bekommen kann und ihr Lachen verloren hat. Deswegen geht sie in die Menschenwelt, um dort ihre Freude zu finden. Im Theaterstück gründet ein Nonnenkloster aufgrund des Geldmangels ein Theaterensemble und beschließt, die Geschichte der Schönen Lau auf die Bühne zu bringen. Dabei wird die Schwester Katharina die Lau spielen, obwohl die Kinderlosigkeit auch sie selbst betrifft. Der Spielort des Theaterensembles ist das Kloster Bebenhausen, wo die zwei Schönbuchgeister Ranzenpuffer und Kappelgeist, für Unsinn sorgen werden.

Das Märchen wurde etwas Modernisiert. Dabei verliert auch Laus Ehe mit einem Wassernix an Wert und wird von Suche nach eigenem Glück ersetzt. Das Ende passt damit gut zum heutigen „Frauen-Empowerment“. Auch die Schönbuchgeister kommentieren den Stückverlauf und wundern sich über die „ferndigen Lieder und Tänze“. Leider ist bei mir aus sprachlichen Gründen ihre Witze und Kommentare manchmal verloren gegangen, aber sie sorgen trotzdem für Humor und Entspannung.

Die Atmosphäre der Umgebung ist einfach wunderschön. Das Stück hat, wie gesagt, inhaltliche Bezüge zum Schönbuch und zum Kloster Bebenhausen, und sogar Mörike selbst ist in Wirklichkeit genau in diesem Dorf auf Kur gewesen. Obwohl Bebenhausen eigentlich kein Nonnenkloster war, ist es trotzdem der perfekte Spielort für dieses Theaterstück. Die dicken uralten Steinmauern geben eine besondere Stimmung. In der Kutscherhalle herrscht die Finsternis, und die Theaterbeleuchtung sorgt für eine geheimnisvolle Atmosphäre. Ein paar Szenen waren erstaunlich schön, und ich habe wirklich mit offenem Mund über das Spiel der Lichtflecken gestaunt.

Ich denke, man sollte sich vor der Aufführung ein bisschen mit dem Märchen beschäftigen, um dem Inhalt besser folgen zu können. Jetzt ging einiges im Theaterstück ein bisschen verloren und ich habe erst nach der Mitte die Szenen besser verstanden. Dazu war es ein bisschen schwierig, sich in eine Figur hineinzuversetzen, da das Thema eher nur flüchtig berührt wurde. Auch die Sprache machte es mir schwieriger, das Theaterstück ganz zu verstehen, da sie zwischen moderner Umgangssprache, Dialekten und dem alten Deutsch von Mörike abwechselt. Dieses ist aber sonst eine sehr gute und interessante Lösung, da es das ganze Stück sehr vielseitig macht. Einige Figuren reden mehr Dialekt, einige eher Umgangssprache, was etwas über ihre Figur und Alter sagt. Die Figuren werden von unterschiedlichen Generationen gespielt, was auch zur Authentizität beiträgt. Zum Beispiel die Kinderrollen werden von Kindern gespielt, was sie besonders lebhaft macht. Dieses ist auch die Idee von Generationentheater Zeitsprung: die unterschiedlichen Altersgruppen im gleichen Projekt geben neue Perspektiven, Ideen und Inspirationen.

Die Schöne Lau“ ist ein Märchen, und Märchen sind normalerweise ein bisschen oberflächlich. Ich denke, besonders den Kindern und den Freund*innen von Märchen wird die Geschichte gefallen.


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Die Theaterrezension zum Nachhören

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