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Buchrezension :: Poetry for Future

Eine Sammlung von Poetry-Slam-Texten, "Poetry For Future", von Samuel J. Kramer, ist ein weiterer Beitrag zum Kampf gegen Klimawandel und Umweltverschmutzung. In kreativer Form weckt das Buch Emotionen und gibt Inspiration für Aktion.

 

Und jetzt stehe ich hier,

bei mir mein Kind

und in seinen Augen endlose Verständnislosigkeit,

erklär ihm mal, wir taten nichts und hatten doch die Möglichkeit.

Vor unserer Tür fiel jeden Tag alles mehr in Trümmer

und jeder wegsehende Blick machte es nur noch schlimmer.

Wir haben nichts getan, für uns, und nichts für unsere Kinder,

waren nicht, im Sommer unseres Lebens,

Holz sammeln für den Winter.

                        - Lea Weber: Zweitausenddreißig

 

Die Anthologie „Poetry for Future. 45 Texte für übermorgen“ stellt die Welt im grellen Licht dar. Sie zeigt die heutige verschwenderische Lebensart, die die Natur langsam verdrängt, und schildert eine Zukunft, in der es Löwen nicht mal im Zoo gibt. Aber auch da gibt es Menschen, die sich entscheiden, sich dagegen zu wehren. Es gibt Menschen, die Kampagnen starten, weil ihr Keller langsam überflutet und die in der Zukunft ihren Kindern nicht erklären wollen, wie früher mal die saubere Natur aussah.

Die von Samuel J. Kramer im September herausgegebene Anthologie enthält 45 Texte von verschiedenen Poetry-Slam-Autor*innen aus Deutschland. Es geht um die Themen Klimawandel und Artensterben sowie allgemein um die Naturverschmutzung. Es ist eine kreative Kombination von allerlei Texten, unter anderem modernen Gedichten, Kurzgeschichten und Aufsätzen. Dabei werden unter anderem Politiker*innen verspottet, die die Verantwortung dem Einzelnen überlassen, und danach gefragt, ob alle Menschen in einer Hütte ohne Storm und Einzelverpackungen können - und müssen.

Die Texte sind stark subjektiv und fordern nach Empathie und Aktion. Sie enthalten Sarkasmus und sind oft sehr humorvoll und sogar übertrieben oder metaphorisch. In einem Text wird eine Nutella-Bolognese und ein Fanta-Brunnen gefordert, weil die endlose Auswahl und Konsum doch das Wichtigste sind. Ein anderer Aufsatz fragt nach, wie man bitte Zeit für Klimaaktion haben könnte, wenn man nach den Facebook-Statusmeldungen und Nagelstudio-Terminen doch auch ein bisschen Zeit für Ausruhen braucht. Trotzdem steckt dahinter die ernste Nachricht, da die Zukunftsbilder und der übertriebene Konsum doch irgendwie stimmen. Sie bieten keine Lösungen, aber sind unterhaltsam und erwecken Gedanken und Emotionen, um die Menschen agieren zu lassen.

Neben Humor sind die Aufsätze emotional und die Frustration und Entschlossenheit der Autor*innen werden sichtbar. Die meisten Texte zeigen die Klimasorge hautnah und auch beim Lesen kann man Schuldgefühle, Unruhe und Sorgen empfinden. Deswegen empfehle ich, die Texte nach und nach mit Pausen zu lesen und sich somit langsam beeinflussen lassen. Mehrere können außerdem mithilfe der QR-Codes im Internet angehört oder als Video angeschaut werden, womit die Erzählkunst der Autor*innen dargestellt wird.

Ich persönlich finde die Texte sehr inspirierend und wurde von mehreren emotional berührt – und habe mich entschieden, mich noch irgendwie stärker mit dem Klimawandel zu beschäftigen. Mit der Anthologie wird sichtbar, dass der Umweltschutz nicht von der Corona-Pandemie überschattet werden darf und dass Klimasorge zum Alltag vieler Menschen gehört. Die Texte schreien von Melancholie, Frustration und Hoffnungslosigkeit und doch gibt es einen Funken Hoffnung da drinnen. Weil man nicht alleine mit den Gedanken ist. Aber man braucht noch die Mehrheit hinter sich.

 

Glaube ist eine kuriose Sache. Ein Seil, das an Stärke gewinnt, je mehr Leute daran ziehen. Und ich hoffe, wir ziehen in die richtige Richtung.

                               - Danny Grimpe: Eine Konferenz


Audio

Buchrezension "Poetry for Future" zum Nachhören

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