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Sensenkurs mit Sybille Hartmann und Manuel Haus :: Ich war dabei!

Sybille Hartmann und Manuel Haus waren kürzlich bei uns zu Gast im Lokalmagazin und stellten ihren Sensenkurs vor, da wurde ich neugierig und beschloss, selbst so einen Kurs mitzumachen. Dabei hab ich einiges gelernt und erlebt.

Samstag 7Uhr. Ich schwinge mich auf mein Rad. Die Straßen sind ruhig und leer, lediglich die Vögel zwitschern schon fröhlich in den Bäumen. Mit noch etwas müden Augen und auch noch etwas müden Beinen trete ich in die Pedale und fahre durch die kühle Morgenluft. Angekommen. Ich stehe vor einer vielfältigen Blumenwiese, teilweise etwas niedergedrückt vom Regen. Hier und da sind ein paar Flecken, die verwildert aussehen, an manchen Stellen wurde auch schon ein Stück raus gemäht. Ich stehe nicht allein vor dieser Wiese, mit mir warten noch 8 andere darauf, dass der Sensenkurs von Sybille Hartmann und Manuel Haus endlich losgeht.

Bevor wir so richtig starteten gab es eine kurze Vorstellungsrunde, damit wir wussten wer die anderen so sind und warum sie da sind. Die meisten Kursteilnehmer*innen hatten ein eigenes kleines Stück und wollten lernen, dies richtig zu pflegen.

Nachdem wir uns kurz kennenlernen konnten gab es erst mal eine Einweisung ins Gerät, das war auch nötig, denn bisher konnte ich mit Sensenblatt, Worb, Dangel und Bart noch nicht so viel anfangen. Manuel zeigte uns einen geschwungenen Holzstab mit zwei Griffen dran, einen oben und einen etwas mittiger, diesen Holzstab nennt man Worb, zumindest Sybille und Manuel nennen ihn so. Das unterscheidet sich nämlich von Region zu Region. Unten an den Worb kommt das Sensenblatt. Am Sensenblatt zu finden sind Bart, Hamme Warze, Schneide, Spitze und der Dangel.

Natürlich reicht es nicht nur die Begriffe zu kennen um mit dem mähen loslegen zu können. Zuerst muss man den passenden Worb für sich finden, der obere Griff sollte dabei bis zum Kinn reichen. Bevor wir auch ein passendes Sensenblatt bekamen, machten wir erst mal ein paar Trockenübungen. Dabei zogen wir den Worb mit der linken Hand und mit der rechten drücken wir nach unten, das durfte ruhig am Boden kratzen.

Nachdem wir die Trockenübungen alle drauf hatten, durften wir das Sensenblatt einhängen und es im richtigen Winkel festziehen. Diesen findet man, indem man die Dreifingerregel anwendet. Diese bekamen wir von Sybille erklärt und durften direkt selbst ausprobieren, ob wir die Regel beherrschen.

Nun waren wir immer noch nicht bereit um endlich richtig losmähen zu können, denn wir mussten unser Sensenblatt erst noch richtig scharf machen, damit es gut schneidet. Dafür wetzt man es mit einem Wetzstein. Dabei muss man auf einiges achten um es nicht erst recht stumpf zu machen!

Das war also auch geschafft. Mit unseren gut eingestellten und scharf gewetzten Sensen zogen wir los in die Wiese um diese endlich zu sensen. Mit genau diesem Ausdruck outet man sich als Anfängerin! „Mähen! Nicht Sensen! Da ringeln sich mir die Zehnägel!“ erklärt mir Manuel. Wir zogen also los um die Wiese zu mähen. Und bis das so richtig funktioniert, braucht es ein Weilchen bis man die richtige Technik raus hat. Bei mir wollte es am Anfang nicht so recht klappen, aber mit ein wenig Geduld konnte auch ich irgendwann ein ganzes Stück mähen. Zwischendurch musste man die Sense immer wieder Wetzen, damit sie schön scharf bleibt. Wenn man seinen Rhythmus gefunden hat, dann hat das Mähen mit der Sense am frühen Morgen auch ein bisschen was meditatives, so mähte ich Schritt für Schritt meine kleine Bahn vor mich hin, und als ich mich nach ein paar Metern umschaute, war die Wiese schon gemäht, getreu dem Motto „Viele Hände schnelles Ende!“.

Zur Belohnung und um uns zu stärken, richteten Sybille und Manuel ein wunderschönes Frühstück mitten auf der frisch gemähten Wiese für uns an. Während wir gemeinsam frühstückten, erzählten uns die beiden auch etwas über die Wiesenökologie, denn beide sind Mitglieder des „Netzwerks Blühende Landschaft“ und nutzen ihre Sensenkurse um den Teilnehmenden zu vermitteln wie man eine Wiese auch insektenfreundlich gestaltet.

Nach der Frühstückspause konnten wir gestärkt in die letzte Einheit starten, das Dengeln. Der Dangel, so nennt man den unteren halben Zentimeter des Sensenblatts, also da wo die Sense schneidet, muss sehr dünn sein um ihn danach wetzen zu können. Das erreicht indem man den Dangel dengelt. Dengeln bedeutet, dass man den Dangel mit einem Hammer dünn klopft. Dazu erklärte uns Manuel verschiedene Techniken, zeigte uns einen Dengelapparat und erklärte warum der Dengel-Bengel keine Alternative zum herkömmlichen Dengeln ist.

Wer jetzt weiß, wovon ich spreche und wissen möchte, wieso das so ist, oder wer gerade nur Bahnhof versteht, aber gerne mehr über die Sense, das Dengeln und das Wetzen lernen möchte, der ist im Sensenkurs von Manuel und Sybille genau richtig. Ich war mit meiner Begeisterung nicht allein, die anderen Kursteilnehmer*innen waren mindestens genau so begeistert und gingen stolz und motiviert nach Hause. Sybille und Manuel ergänzen sich wunderbar und so finden alle ihren Platz im Kurs. Noch vor ein paar Wochen wusste ich nicht, dass ich jemals an so einem Kurs teilnehmen würde, und auf einmal entdeckte ich mich mit einer Sense mähend auf einer Wiese stehen. Ich kann den Kurs auch an all diejenigen wärmstens weiterempfehlen, die über das Mähen hinaus lernen möchten, wie man eine Wiese pflegen kann.


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Die Reportage zum Nachhören

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