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Maja Tillmann :: Partizipative Filmemacherin

Maja Tillmann ist eine partizipatorische Filmemacherin aus Peru. Ihr Lebensmittelpunkt ist eigentlich in Peru, aber aufgrund der Corona-Pandemie hat sie beschlossen, mit ihrem Sohn zu ihrer Familie nach Stockach zu kommen. Im Interview mit uns erzählt sie über die Coronalage in Peru, ihre Arbeit als Filmemacherin und beschreibt ihren Weg nach Deutschland.

Maja beschreibt das Leben in Peru als wunderbar. Sie lebt dort mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einem Fischerdorf an der Küste. Als das Coronavirus auch in Peru ausbrach, war das Leben plötzlich nicht mehr wunderbar.

Am 11. März 2020 schickte sie ihren Sohn noch ganz normal zur Schule als sie am selben Tag die Information erreichte, dass die Schulen schließen. Sie durften auch das Haus gar nicht mehr verlassen, lediglich eine Person aus einem Haushalt durfte raus, um einzukaufen. Die Flüge wurden alle gestrichen und es galten die bekannten Maßnahmen. Hände waschen, Mundschutz tragen und Abstand halten.

Maja erklärt, dass diese Maßnahmen zwar in Deutschland und anderen Ländern im Wohlstand sinnvoll seien, aber in Peru die Menschen zum teil kein fließendes Wasser haben und so auch gar nicht die Möglichkeit besteht, sich die Hände zu waschen. Sie selbst lebt mit ihrer Familie aber privilegiert, also mit fließendem Wasser in einem anständigen Haus und sie sind privat Krankenversichert. Als aber klar war, dass die Privatversicherung in einem Coronafall nicht greift, war Maja schnell klar: Sie möchte mit ihrer Familie nach Stockach. Dort leben ihre Eltern und auch ihr Bruder.

Die ersten Flüge, die von Peru nach Deutschland gingen, waren zunächst für die Touristen bestimmt. Sie und ihr Sohn standen auf einer Warteliste. Im Juni bekam Maja dann Bescheid, dass sie zwei Tage später nach Deutschland fliegen darf, aber nur mit ihrem Sohn. Maja und ihr Sohn haben beide einen deutschen Pass, ihr Mann nicht, was bedeutet, dass er bis heute noch in Peru ist und auf ein Visum wartet, um seiner Familie nach Deutschland nachreisen zu können.

Ein Problem in Peru war auch die finanzielle Situation, denn es gab keine Coronasoforthilfen. Anfangs schickten Majas Eltern ihnen Geld. Im Laufe der Zeit war es für Peruaner*innen auch möglich 25% ihrer Rente freizumachen. Dies war aber auch nicht für alle eine Hilfe, denn ein Großteil der peruanischen Bevölkerung zahlt in keine Rentenkasse ein.

Maja und ihr Mann arbeiten beide als Filmemacher und sind bei ihrer Arbeit viel in Kontakt mit Menschen. Wegen Corona wurden die Filmprojekte gestoppt oder abgesagt, sodass jegliche Einnahmen wegfielen. Maja erklärte uns auch was es bedeutet „Partizipatorische Filmemacherin“ zu sein.

Es bedeutet, dass ein Film nicht aus der Idee von einem Regisseur heraus entsteht, der seine Vision verwirklichen will, sondern dass eine Gruppe gemeinsam etwas entstehen lässt. Dabei steht der Entstehungsprozess im Vordergrund. Maja hat sich von dem Ayni-Prinzip der Dorfkulturen aus dem peruanischen Hochland inspirieren lassen.

Das Ayni-Prinzip meint, dass jeder und jede das einbringt was er kann und so das Große und Ganze entsteht. Maja ist der Meinung, dass jeder Mensch einen Schatz in sich trägt und durch die partizipatorische Arbeit versucht sie diesen Schatz in den einzelnen Menschen zu finden und hilft vor allem den Menschen diesen Schatz in sich zu entdecken.

Auf der Website Cuyay Wasi erklären Maja und ihr Mann ihre Art Filme zu machen nochmal genauer und stellen einige Filmprojekte vor.


Audio

Das ganze Interview zum Nachhören

Download (60,81 MB)
Maja_Tillmann_Interview_lang.mp3


Das Interview in der Kurzversion

Download (17,5 MB)
Maja_Tillmann_Interview_kurz.mp3



Bilder




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