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Der Islam und Menschen mit Behinderung

Dieses leise diskutierte Thema bildete den diesjährigen Auftakt der TÜbIs (Tübinger Islamgespräche)

Das erste Thema dieses Jahres der TÜbIs (Tübinger Islamgespräche) ist der Islam und Behinderung.

Ercan, der Referent, des Online-Gesprächs betont, das TÜbIs sich mit religösen Fragen beschäftigen möchte, die nicht so laut diskutiert werden, wie z .B. Islam und Extremmismus. 

Um die Haltung des Islams gegenüber behinderten Menschen zu verdeutlichen, geht er auf das Menschenbild im Koran ein. Dort gilt der Mensch als Stadthalter d.h. Vertreter Gottes auf Erden. Moslemswird geboten, die Eigenschaften Gottes nachzuahmen bzw. sich anzueignen. Dinge wie: Erbarmen, Versorgenund Gerechtigkeit gelten als göttlich. Einige dieser Charakterzüge werden im Koran erwähnt, andere sind durch den theologischen Diskurs dazu gekommen. 

Der Islam spricht auch über eine Diskrepanz des Menschen. Da er einen freien Willen hat kann er Unheil stiften oder Gutes tun.

Diese Diskrepanz erschwert dem Menschen, das Wahrnehmen, der ihm von Gott zugedachte, Vertreter-Rolle. Im Koran sind alle Menschen gleich. Das gilt auch für behinderte. Längere Zeit gab es in der isamischen Community die Ansicht, Behinderte seien auf Grund böser Taten zur ihrer Behinderung gekommen. Im Koran steht allerdings geschrieben: Kein Tadel trifft den Blinden. Den Begriff " behindert " gibt es im Koran nicht, es wird metaphorisch von Blindheit gesprochen, ( z.B. gegenüber Gerechtigkeit).

Expliziert erwähnt werden, so Ercan, „Menschen der Entschuldigung“. Dabei handelt es sich um Menschen , die den religösen Pflichten nicht nachkommen können. Dabei geht es um das zu Boden werfen auf dem Gebetsteppich oder der Teilnahme am Rammdadan. Diese Entschuldigten seien vorallem Schwangere, Ältere oder Kinder. Aber auch Menschen, die nicht in der Lage sind, Angehörige zu pflegen.

Erkan erklärt, das im Islam der Grundsatz; Die güte eines Menschen zeigt sich in seinem Nutzen für andere! , gilt. Deswegen genieren sich , mit der Pflege überforderte, häufig Hilfe in Inspruch zunehmen. Manchmal ist es auch Unkenntnis bezüglich der deutschen Pflegesysteme, die Angehörige daran hindert, sich Untersützung zu holen. Allerdings bekommen kranke Muslime häufiger Besuch, als Menschen anderer Religonen. Ein Krankenbesuch ist im Islam wichtiger als die Suche nach Gott. Wenn ein gläubiger Moslem also zwischen einem obligatorischen Gebet, oder der Pflicht einem Kranken beizustehen, wählt entscheidet er oder sie sich für Letzeres.

Im Koran gilt für Behinderte das Motto: Fodern und fördern! Ercan erzählt von Musa (im Christentum heißt er Moses) der von Gott gebeten wird, zum Pharao zugehen und ihn zu bitten eine „pharaoische Handlungsumstellung“ vorzunehmen. Der Pharao soll gerchter werden. Es gibt aber ein Problem: Musa leidet an einer Sprchbeinträchtigung. Da ist es doch viel besser, den eloquneten Bruder vorzuschicken. Nein! Gott will Musa beim Pharao sehen. Gerade wegen seiner Sprachllichen Einschränkungen. Denn Behinderungen sind Prüfungen die es zu überwinden gilt. Musa spricht ein Bittgebet, das noch heute von Moslems bei bevorstehenden schwierigen Situationen gesprochen wird. 

Die theologische Forschung zum Thema Islam und Behinderung steckt in den Kinderschuhen. Es gibt wenige Dissertationen im englischsprchige Raum. In Deutschland ist es wissenschaftliches Neuland. 

In der islamischen Community steigt das Bewusstsein für das Thema. Besonders unter den Jüngeren. So gibt es in der Nähe von Frankfurt ein Projekt Moscheen behindertengerecht zu gestalten. Nicht allein durch Barrieren und Übersetzungen in Gebärdensprache, sondern Rollstuhlfahren wird  durch ein Symbol ein Platz auf dem Gebersteppich freigehalten. Behinderte in die erste Reihe.  Es steht auch die Idee im Raum, dass Rednerpult an Universitäten rollstuhtgerecht zu gestalten. Denn Beeinträchtigtigen sollen auch Lehrende Positionen zugänglich gemacht werden. 

 

 

 


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