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Michael Butter :: Verschwörungstheorien

Michael Butter forscht zum Thema Verschwörungstheorien und berichtet im Interview mit der Wüste Welle von seinen Erfahrungen, erklärt was Verschwörungstheorien gemeinsam haben und gibt Empfehlungen für den richtigen Umgang mit Menschen, welche für solche Theorien anfällig sind.

Michael Butter ist deutscher Amerikanist und arbeitet an der Universität Tübingen als Professor für amerikanische Literatur und Kulturgeschichte. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Film und Fernsehens, der Kolonialzeit, der Frühen amerikanischen Republik und vor allem bei Verschwörungstheorien.

Butter leitet zu diesem Thema bereits zwei Projekte. Bei dem EU-Forschungsprojekt „Action COMPACT“ forscht er mit über 150 weiteren Wissenschaftlern aus über 50 europäischen Ländern systematisch zur Herkunft und Wirkungsweise von Verschwörungstheorien sowie möglicher Maßnahmen. Dieses Projekt wird im Laufe des Jahres noch auslaufen. Weiterhin erforscht Butter als Projektleiter von „PACT“ (Populism and Conspiracy Theory) die Bedeutung von Verschwörungstheorien für populistische Bewegungen.

Für letzteres schauen sich Butter und sein Team insbesondere aktuelle Präsidentschaftswahlen an und vergleichen Erkenntnisse mit bereits bestehenden Beobachtungen deutscher und amerikanischer Phänomene. Insbesondere im deutschen Raum innerhalb von AfD und Pegida werden laut Butter Verschwörungstheorien von Populisten verwendet, um ihre Positionen vor einer breiten Masse festigen zu können. Hier gilt es zu klären, inwiefern das in anderen Ländern auch etabliert wird.

Der Umgang mit solchen Verschwörungstheoretikern und Theorieverbreitern ist laut Butter schwierig. Viele fühlen sich durch Gegenargumente herausgefordert, nehmen dies als Angriff auf ihre Identität war und fühlen sich dadurch sogar in ihrer bestehenden Meinung bestätigt. Schließlich denken viele Verschwörungstheoretiker gerade durch ihren starken Glauben an die jeweilige Theorie, dass sie der Menschheit mit ihrer Arbeit einen Gefallen tun. Andere Beweggründe können auch politischer oder bereichernder Motivation sein. In solchen härteren Fällen ist es laut Butter oftmals sogar besser, gar nichts zu sagen und die Verschwörungstheoretiker zu ignorieren.

Auf der anderen Seite steht eine breite Masse, welche sich aufgrund von Unsicherheit von solchen Theorien manipulieren lässt. Das sei tatsächlich sogar häufiger bei Männern der Fall, als bei Frauen. Diese sehen Verschwörungstheorien oft insgeheim als Antwort auf eine Krise der Männlichkeit, in welcher bewusst wird, dass man die eigene Familie bespielsweise nicht gegen etwas Unsichtbares wie den Corona-Virus schützen kann.

Auch nimmt die Neigung dazu, an Verschwörungstheorien zu glauben, mit dem steigenden Bildungsgrad ab. Dementsprechend empfiehlt Butter Voraufklärung in Bezug auf kritische Theorien zu leisten. Für Personen, welche bereits auf bestehende Theorien angesprungen sind, gilt dies genauso im Nachhinein durch eine Nachaufklärung der Thematik und der Anregung des Prozesses zur Selbstrefklektion.

Dass sich die Forschung an diesem Themenbereich in der Praxis als schwierig herausstellt, erklärt Butter ebenfalls im Interview. Verschwörungstheoretiker verweigern jeglichen Kontakt mit ihm und per Mail wird Butter auch des Öfteren hart beschimpft. Als Forschungsgrundlage bleiben nur historische Dokumente oder das Internet in Form von YouTube-Kommentaren, Facebook-Profilen oder Twitter-Posts der verantwortlichen Verschwörungstheoretiker oder -verbreiter. Nichtsdestotrotz bleibt Butter seinem Forschungsschwerpunkt treu und ist in einem großen Netzwerk mit anderen Forschern zu diesem Thema bereits fest etabliert.

Schließlich offentbart er uns sogar noch seine Lieblingsverschwörungstheorie: Die erste Mondlandung als Fake. Zum ersten Mal darauf traf er 1999 bei seiner Zeit in England in einem Artikel darüber. Besonders gefällt es ihm, dass man sich dieser speziellen Theorie so spielerisch nähern kann. Zum einen ist sie im Vergleich zu anderen Theorien sehr harmlos und zum anderen ist sie auf den ersten Blick tatsächlich sogar überzeugend. Umso mehr Spaß macht es, die Fakten aufzudröseln und das Gegenteil zu beweisen. Denn schließlich, fern ab von den teils erschreckenden Auswirkungen von Verschwörungstheorien, stellen diese auch oft eine tolle Unterhaltung dar, so Butter.


Audio

Kurzversion des Interviews mit Michael Butter

Download (12,38 MB)
Michael_Butter_Kurzversion.mp3


Langversion des Interviews mit Michael Butter

Download (66,46 MB)
Michael_Butter_Langversion.mp3



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