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Werner Rügemer :: BlackRock und moderner Kapitalismus

Im Interview erzählt Werner Rügemer, Journalist, Publizist und Lehrbeauftragter an der Universität Köln, vom modernen, neoliberalen Kapitalismus, von BlackRock und dessen globale Machenschaften.

BlackRock Incorporation ist die größte Investitionsverwaltungsfirma der Welt. Sie ist Teilhaber an rund 18.000 der größten Firmen der Erde, darunter solche Giganten wie die Coca-Cola Company, Apple oder die Deutsche Bank. Sie ist ein Hedgefonds-Unternehmen, und von eben solchen Firmen handelt das neueste Buch von Werner Rügemer, „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts".

Rügemer teilt Aktienkonglomerate wie BlackRock in verschiedene Ligen ein: In der zweiten Liga befinden sich Firmen, welche als „Heuschrecken“ bezeichnet werden. Diese kaufen Betriebe auf, ändern deren Firmenstruktur, um höheren Gewinn zu erzielen, und verkaufen sie für viel Geld weiter. Die erste Liga bilden jene Giganten wie BlackRock einer ist. Diese empfangen Geldpakete von Superreichen, gerne auch mal in der Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar, und investieren dieses Geld am Börsenmarkt in Firmen, um auf lange Sicht für die Investoren Profit zu generieren. Und so breitet sich die Firma wie eine Krake in alle Gebiete des Weltmarktes auf. Ihre Arme erreichen digitale Riesen, die größten Produktionsfirmen für Autos, Kleidung, Nahrung und alles mögliche andere, und sogar viele Banken werden teils von BlackRock besessen.

Sie sind Haupteigentümer bei allen 30 deutschen DAX-Unternehmen und prägen den Weltmarkt dementsprechend. So besitzen sie zum Beispiel Anteile bei eigentlichen Konkurrenten und formen die jeweiligen Unternehmen nach ihrem eigenen Willen. Bei der Deutschen Bank und der Kommerzbank planen sie laut Rügemer zum Beispiel, alles auf eine der beiden Firmen zu übertragen, um eine Monopolstellung zu erreichen, insgesamt etwa 20.000 Arbeiter entlassen zu können und ihren eigenen Profit zu maximieren.

Ihr Börsenhandel läuft mittlerweile größtenteils automatisch. Ein Datenverarbeitungssystem namens „Aladdin“, welches nichts anderes als eine gigantische Rechnerfarm mit tausenden von Computern an der Amerikanisch-Kanadischen Grenze ist, handelt, basierend auf Algorythmen vollkommen automatisch mit Aktien, alles angepasst an winzigste Fluktationen des globalen Aktienmarkts.

Darüber hinaus ist BlackRock auch noch der größte Betreiber von Briefkastenfirmen und unterstützt damit Steuerflüchtlinge auf der ganzen Welt, ihre Einnahmen in Ländern wie Panama oder Luxemburg abzusetzen.

Rügemer sieht bei derartigen Megakonzernen ein eindeutiges Risiko für das Allgemeinwohl. Sie würden nicht für das Allgemeinwohl, sondern ausschließlich für den eigenen kapitalistischen Erfolg kämpfen, und erhöhen damit die Schere zwischen arm und reich immer weiter und kämpfen auch aktiv gegen Umweltreformen an, welche ihren Umsatz eindämmen würden. Dementsprechend betreiben sie auch eine Menge Lobbyismus und haben Berater im Umfeld der meisten Regierungen der westlichen Welt.

Die Corona-Pandemie sieht der Vorsitzende von BlackRock als eine wunderbare Möglichkeit. Das Leid der Menschen werde missachtet und ausschließlich der Profit zählt. So wollen sie kleinere Firmen, welche sich durch den Wirtschaftseinbruch nah an der Insolvenz befinden, aufkaufen und in ihr globales System involvieren.

Keiner dieser Fakten ist ein Geheimnis; tatsächlich kann man die meisten Informationen in den großen Wirtschaftsmagazinen und teils sogar auf der Website von BlackRock selbst nachlesen. Rügemer sagt selbst, dass er nur die bereits gegebenen Informationen zusammengetragen hat. Weil nichts davon direkt illegal ist, brauchen sie sich nicht verstecken, sie halten sich aber trotzdem gerne aus der Öffentlichkeit zurück und agieren eher im Hintergrund. Die Strippenzieher hinter den Kulissen, wenn man so will.

Genau wie viele andere möchte Rügemer gegen diese Riesenkonzerne vorgehen und arbeitet deshalb viel mit attac, der Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürger*innen zusammen. Mit seinem neuen Buch möchte er mehr Aufmerksamkeit auf diese Hedgefonds-Konzerne ziehen, welche sich zur Zeit sehr erfolgreich aus der Öffentlichkeit zurückhalten und sich im Hintergrund ihre eigene Welt aufbauen, voller Armut und Monopolen und einigen Wenigen, welche alles kontrollieren, ermöglicht durch eine vielleicht etwas zu freie Marktwirtschaft.


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