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Retablo - CineLatino Filmfest 2019

Das peruanische Drama "Retablo" begleitet den 14-jährigen Segundo in seinem Alltag in einer kleinen andinen Dorfgemeinschaft. Er soll in die Fußstapfen seines Vaters treten, der Retablos, Altarbilder, herstellt. Als Segundo eines Tages etwas sieht, das niemals ans Licht kommen darf, gerät die Welt für ihn aus den Fugen und die gnadenlose, unerbitterliche Seite der traditionell-patriarchalischen Lebensweise kommt zum Vorschein.

Zusammen mit seinem Vater Noé und seiner Mutter Anatolia lebt Segundo in einem Haus im peruanischen Andenhochland bei Ayacucho. Sein Vater Noé hat eine Werkstatt, in der er Retablos, Altarbilder - kunstvoll verzierte Kästen mit bunten Tonfiguren - herstellt. 

Der Lebensstil in den andinen Bergdörfern ist sehr traditionell und so herrschen noch streng patriarchalische Strukturen. Die Familie und das Ansehen stehen an erster Stelle. Vor allem Letzteres wird mit allen Mitteln gewahrt. Wer das Ansehen der Familie gefährdet, wird hart bestraft. 

Bis die Schule wieder anfängt hilft Segundo seinem Vater in der Werkstatt. Er hat Spaß bei der Arbeit und ein sehr gutes Verhältnis zu Noé. Alles scheint harmonisch und friedlich, bis Segundo seinen Vater bei etwas erwischt, das er nie hätte in Erfahrung bringen dürfen. Die heile Welt und das Bild seines geliebten Vaters bricht für ihn mit einem Mal zusammen. Die gnadelose, unerbitterliche Seite der traditionell-patriarchalischen Lebensweise holt ihn mit aller Härte ein. 

Retablo zeigt das Leben abseits der modernen Gesellschaft. Er begleitet den jungen Segundo in seinem Alltag, bei der Arbeit und bei Familienfeiern. Die traditionellen Tänze, die traditionelle Kleidung, die Esskultur und die die typisch andine Musik - das Drama gewährt intime und vor allem authentische Einblicke in den Alltag der indigenen Dorfgemeinschaften. Der Film behandelt auch die Aspekte Liebe und Sexualität in einer strenggläubigen, patriarchalen Gesellschaft. Er hinterfragt die indigene Lebensweise mit ihren festen familiären Strukturen und tradierten Werten. Gleichzeitig ist Retablo eine Hommage an diese so einzigartige und besondere Kultur und Lebensweise. 

Der Regisseur des peruanischen Dramas ist Álvaro Delgado-Aparicio. Sein Film feierte im Jahr 2017 beim Filmfestival in Lima Premiere, wo er den Preis für den besten peruanischen Film gewann. 100 Minuten dauert das Drama, das fast ausschließlich in Quechua, der indigenen Sprache im peruanischen Andenhochland, gedreht wurde. Untertitel machen ihn jedoch auch denjenigen zugänglich, die der Sprache nicht mächtig sind. 

Retablo wird beim diesjährigen Cine Latino Filmfest in Tübingen gezeigt. Er läuft am Dienstag, den 16. April um 20:30 Uhr im Kino Museum in Tübingen. 


Audio

Download (8,17 MB)
Retablo_Final.mp3



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