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LTT :: "Maß für Maß"

Dramaturgin Laura Guhl vom Landestheater Tübingen sprach über Shakespeares "Maß für Maß".

Am Donnerstag, den 11. April, feierte Shakespeares Komödie „Maß für Maß“ im Landestheater Tübingen Premiere. Bis zur Generalprobe wurde überarbeitet und gekürzt was das Zeug hält. Dramaturgin Laura Guhl ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden und beschreibt es als „Punktlandung“. Die moderne Version des über 400 Jahre alten Stückes erhielt von den Zuschauern positive Resonanz.

Ausgangspunkt des Geschehens ist die Missachtung von Sittengesetzen, die zu gesellschaftlichen Probleme führt. Ist es möglich, ein Maß zwischen rigiden Moralvorstellungen und der ausschweifenden Wirklichkeit zu finden? Dargestellt wird ein Querschnitt der Bevölkerung in verschiedenen Handlungssträngen. Im Vergleich stehen zum einen die strenge Welt der Herrschenden, voller Gesetzte und Härte und zum anderen die sittenlose Welt des Volks. Diese Welten werden vor allem durch sprachliche Mittel getrennt. Ursprünglich sprach das Volk in der „Prosa“ des 16. Jahrhunderts, diese wurde zum besseren Verständnis auf die moderne Zeit angepasst. Wenn es um Macht und Politik geht, wird in „Versen“ gesprochen. Die Auseinandersetzungen zwischen der angehenden Nonne Isabella und dem Sittenwächter Angelo erhalten dadurch eine erstaunliche gedanklicher Schärfe und lassen das Dramaturginnen-Herz von Laura Guhl höher schlagen.

Durch Szenen von Volk und Hof wechseln sich komische und existenzielle Szenen ab. Klar zu trennen ist die Thematik trotzdem nicht, teils gibt es auch Überschneidungen in den Themen. Behandelt werden auch aktuelle Themen wie der Umgang mit Missbrauch und sexueller Belästigung. Aber auch Themen wie Aufwertung von Stadtteilen und korrekte Sprache werden angesprochen.

Gearbeitet wird mit Mitteln wie Subtexten und Metaphern, Überzeichnung und Anspielungen auf die Gegenwart. Ergänzt wird durch Kostüme, falsche Köpfe und Brüste sollen die körperbetonte Welt verdeutlichen. Die Figuren sollen ihre Menschlichkeit verlieren. Die Komödie spielt in einem Western-Setting, das die Thematik zusätzlich verstärkt.

Schon im Titel wird das Kernthema angesprochen: Maß halten. Beide Seiten, die Herrscher und das Volk, werden als maßlos empfunden. Es geht um Gerechtigkeitsfragen, gegenüber stehen sich Sittenlosigkeit und harte, kompromisslose Gesetze. Auch die Charaktere kommen hier an ihre Grenzen. Ist es tatsächlich möglich, das Maß, das man an andere richtet auch selber zu erfüllen?

Eine Komödie nach Shakespeare über die Freiheit des Einzelnen und die Grenzen durch staatliche Ordnung - von der Treue zu den eigenen Prinzipien bis hin zum Umkippen in Fanatismus und Gewalt.


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