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Richard van Ess :: Der Underground war amerikanisch

Der Journalist Michael Sturm stellte Richard van Ess' knapp 600 Seiten lange Dissertation vor. "Der Underground war amerikanisch - Vorbilder für die deutsche Undergroundpresse" erschien postum 2018 im tvv Verlag.

"Es zieht einen rein", resultiert der Journalist Michael Sturm. Er sprach im Interview über das als Dissertation erschienene Buch "Der Underground war amerikanisch - Vorbilder für die deutsche Undergroundpresse" von seinem verstorbenen Freund Richie.

Der Underground als Subkultur ist zentraler Begriff dieses Buches. Eine schwer zu greifende Bezeichnung, die für keine gleichförmige Gruppe steht, sondern für diverse einzelne, auch sehr differente Strömungen, die Richard van Ess sehr genau in seinem Buch zergliedert und aufarbeitet. Ihren Ursprung findet die im Buch beschriebene Subkultur in den 1967/68er Jahren, in denen sich zusammengeschlossen wurde, um der Staatsgewalt ein Kontra zu bieten. Der Underground als Abgrenzung zum Mainstream, später dann vom Mainstream vereinnahmt.

Die Musik spielte in den Underground-Szenen eine große Rolle. Sie war die Begleiterscheinung der Revolution. Wobei für gute Revolutionsmusik, wie die von der Band MC5, eines wichtig war: Sie durfte sich nicht ausverkaufen lassen, sie musste für alle hörbar sein.

Auf die Frage, warum gerade die amerikanischen Magazine zum Vorbild in Deutschland genommen wurden, brachte Sturm die Faszination über die Art und Weise, wie die damaligen Underground-Schreiber*innen über Musik und Kunst berichteten, ein. Es fand eine Abkehr von den klassischen Tageszeitungen statt. Es war etwas Neues, bei dem sich jede*r einbringen konnte. Das war auch der Grund, warum die deutschen Macher*innen der Underground-Magazine die Meinungen der amerikanischen Magazine übernahmen. Die Underground-Schreiber*innen können als die Musikkritiker*innen der ersten Stunde gelten. Als Urvorbild galt der Widerstand der amerikanischen Bevölkerung, wie die Black Panthers Party.

Die Underground Presse in Deutschland hinterließ ein riesiges Konvolut. Sie fungierte als Verbreitermedium, welches von Ort zu Ort unterschiedlich war, aber immer ihr direktes Umfeld abbildete. Ob in Berlin mit einer großen Szene vertreten, oder in Frankfurt und Duisburg; die Underground Presse reichte sogar bis in die ländlichen Gebiete und war in Deutschland stark verteilt.

Politik, Musik, Kultur - Alles hat seinen Platz in der Dissertation. Es ist "ein herrliches Buch", in das der Lebensentwurf von Richi stark einfließe, macht Michael Sturm die Besonderheit des Buches für ihn deutlich. Auch wenn es Energie erfordere die 600 Seiten zu lesen - gerade für themenunkundige Menschen - so ist es für Menschen, die Richie kannten, wie "der Besuch von 'nem alten Kumpel" schließt Michael Sturm.

Das Buch ist im TVV-Verlag der Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V. erschienen und kann dort bestellt werden.


Audio

Download (19,45 MB)
Der_Underground_war_amerikanisch_kurz.mp3


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Der_Underground_war_amerikanisch_komplett.mp3



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